US-Wahl

Obama warnt: Trump wird Amerikas Demokratie zerstören

Obama: Trump kann es nicht

Barack Obama und die frisch gekürte Vize-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris nutzen den Nominierungsparteitag der US-Demokraten für eine Abrechnung mit Donald Trump. Ex-US-Präsident Obama wirft seinem Amtsnachfolger Versagen auf ganzer Linie vor. / TO COMPLETE VIDI1WM3ME_EN

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Beim Parteitag der Demokraten rechnete Vorgänger Barack Obama mit dem US-Präsidenten ab.

Washington. Seine Frau Michelle sagte zum Auftakt, es werde definitiv „noch schlimmer“ in Amerika, würde Donald Trump eine zweite Amtszeit im Weißen Haus bekommen. Ihr Gatte Barack Obama, der Vorgänger des Amtsinhabers, wurde am dritten Abend der fast vollständig virtuellen Präsidentschafts-„Convention” der US-Demokraten konkreter und in beispielloser Form dramatischer.

„Diese Regierung hat gezeigt, dass sie unsere Demokratie niederreißen wird, wenn das nötig ist, um zu gewinnen”, sagte der Ex-Präsident live vor der Kulisse des Museums der Amerikanischen Revolution in Philadelphia. Er warb sichtlich bewegt beinahe flehentlich darum, am 3. November seinen ehemaligen Vize-Präsidenten Joe Biden an die Spitze des Staates zu wählen.

Obamas radikale Standortbestimmung wurde umgehend von Analysten in Washington als „absolut historisch“ gewertet. Noch nie habe es in der jüngeren Geschichte den Fall gegeben, dass ein ehemaliger Präsident einen amtierenden Staatschef als „akute Gefahr für den Bestand der Demokratie der Vereinigten Staaten” bezeichnet habe, hieß es im Sender CNN.

Obama: Trump nutzt Präsidentschaft „als weitere Reality-Show“

Obamas Abrechnung mit dem New Yorker Rechtspopulisten, der während der Rede auf Twitter mit Zwischenrufen aufwartete (er sei nur Präsident geworden, weil Obama versagt habe), fiel unerbittlich aus: „Ich hatte nicht erwartet, dass mein Nachfolger meine Visionen annehmen oder meine Politik fortsetzen wird”, sagte Obama, „aber ich hatte gehofft, dass Donald Trump im Interesse unseres Landes ein gewisses Interesse daran zeigt, den Job ernst zu nehmen; dass er die Bedeutung des Amts erkennt und eine gewisse Ehrfurcht vor der Demokratie entdeckt, die in seine Hände gelegt wurde. Aber er tat es nie.”

In den vergangenen dreieinhalb Jahren habe Trump keinerlei Interesse gezeigt, irgendwem „außer sich selbst und seinen Freunden zu helfen”. Der ehemalige Immobilien-Unternehmer „nutze die Präsidentschaft als eine weitere Reality-Show, um die Aufmerksamkeit zu bekommen, nach der er sich so sehr sehnt”.

Die Konsequenzen seien im Zeitalter der Corona-Epidemie verheerend: „170.000 Amerikaner sind gestorben. Millionen von Jobs sind vernichtet. Unsere niederträchtigsten Triebe sind entfesselt, unser stolzer Ruf in der ganzen Welt beschädigt und unsere demokratischen Institutionen sind in Gefahr wie nie zuvor.”

Hillary Clinton warnt vor Donald Trumps fehlender Führungsstärke

Obama warb eindringlich davor, bei der Wahl im November Joe Biden und Kamala Harris, der Vizepräsidentschaftskandidatin, „zu vertrauen”. Auf dem Spiel stehe nichts weniger als „unsere Demokratie”, warnte der zu den beliebtesten Politikern in den USA gehörende Obama. Was bis zur Wahl passiere, werde sich auf mehrere Generationen auswirken.

In ähnlicher Tonlage äußerte sich Hillary Clinton, die Trump vor vier Jahren unterlag, obwohl sie knapp drei Millionen mehr Stimmen erzielt hatte. Früh wählen zu gehen und sicherzustellen, dass Briefwahlumschläge ordnungsgemäß bei der jeweiligen Wahlbehörde ankommen, sei das Gebot der Stunde, sagte die ehemalige Außenministerin und nahm eine Anleihe bei Michelle Obama:

„Wählen Sie, als stünden unsere Leben und unsere Lebensgrundlagen auf dem Spiel, denn das tun sie.” Sie habe Trump zu Beginn eine Chance gegeben. Inzwischen sei aber eindeutig erwiesen, dass es dem Mann im Weißen Haus an „Mitgefühl, Entschlossenheit und Führungsstärke” fehle.

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Kamala Harris mit emotionaler Nominierungsrede

In ihrer offiziellen Nominierungsrede, die die 55-Jährige im bordeauxroten Blazer live in der nahezu menschenleeren Chase-Arena in Wilmington/Delaware hielt, knüpfte am Ende des Abends Kamala Harris an ein zuvor von mehreren Rednern benutztes Bild an, um Amerika im Sommer 2020 zu charakterisieren: „Wir sind an einem Wendepunkt angelangt. Das ständige Chaos macht uns hilflos. Die Inkompetenz macht uns Angst.”

Amerika sei heute weit davon entfernt, allen Menschen gleichermaßen mit „Mitgefühl, Würde und Respekt” zu begegnen. Trump habe als Präsident „Tragödien in politische Waffen verwandelt”. Durch seine Führungsmängel in der Corona-Krise seien viele Menschen gestorben.

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Elizabeth Warren, Senatorin aus Massachusetts und bis zum Frühjahr ebenfalls Präsidentschaftskandidatin, bekräftigte die weit verbreitete Meinung: „Diese Krise ist schlimm – und es hätte nicht so sein müssen”. Das Coronavirus sei die größte Bewährungsprobe für Trump. „Und er ist kläglich gescheitert.” Dafür werde Trump am 3. November zur Verantwortung gezogen.