Pandemie

Schulgipfel: Immer mehr Schulen wegen Corona geschlossen

Homeschooling mit Hartz IV: Abgehängt in der Corona-Krise

Nicht einmal ein Euro ist vorgesehen im Hartz-IV-Regelsatz für Kinder und Jugendliche, wenn es um das Thema Bildung geht. Einen Rechner davon anzuschaffen, ist praktisch aussichtslos. In der Corona-Krise verschärft sich die Bildungsungerechtigtkeit.

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Die Zahl der Schüler und Lehrer, die positiv getestet werden, steigt. Angela Merkel bespricht mit Landesministern die angespannte Lage.

Berlin. Einzelne Klassen, ganze Schulen, Horte: In den Bundesländern steigt die Zahl der Fälle, in denen der Schulbetrieb wieder eingeschränkt wird, weil Schüler und Lehrer positiv auf Corona getestet wurden. Nach welchen Kriterien Schüler nach Hause geschickt werden, hängt von den Hygienekonzepten ab – und die sind von Land zu Land, in Städten teils von Schule zu Schule verschieden.

Mal werden Klassen und Jahrgangsstufen getrennt, dann wieder nicht. In Nordrhein-Westfalen müssen Kinder im Unterricht Maske tragen, anderswo reicht es aus, wenn Schüler auf dem Flur den Mund-Nasen-Schutz anlegen.

Mit wieder steigenden bundesweiten Zahlen an Sars-CoV-2-Neuinfektionen wächst bei Eltern und Lehrern die Sorge vor einem zweiten Schul-Lockdown. Der Bundeselternrat warnt vor einer Verschärfung der Situation an den Schulen durch eine steigende Zahl von Schulschließungen. „Die coronabedingten Schulschließungen von Klassen und Schulen sind alarmierend“, sagte der Bundesvorsitzende Stephan Wassmuth unserer Redaktion. „Ich fürchte, dass wir mit der Rückkehr von mehr Schülerinnen und Schülern auch mehr Schließungen sehen werden.“

Schule: Digitaler Unterricht ist kaum möglich

Auf einen flächendeckenden digitalen Unterricht sind Deutschlands Schulen unverändert kaum vorbereitet. In einer Umfrage im Auftrag der Digitalinitiative D21 und der Technischen Universität München (TUM) gaben aber 54 Prozent der befragten Eltern an, dass Lehrer den Unterricht auf eigene Initiative hin digital gestaltet hätten. FDP-Vize Katja Suding kritisierte dennoch: „Es ist vor allem die fehlende digitale Ausstattung, die während der Schulschließungen Tausenden Schülern den Zugang zu Bildung verwehrt hat.“ Bund und Länder müssten den überfälligen Turbo für die Digitalisierung des Unterrichts zünden.

Schüler, Eltern und Lehrer hoffen, dass nach den Ferien ein geregelter Präsenzunterricht wieder zum Alltag gehört. Vereinzelte Schulschließungen dürfen laut Familienministerin Franziska Giffey nur das letzte Mittel sein. „Das ist für Eltern, Lehrer und Schüler keine leichte Situation, die wir unter allen Umständen verhindern wollen“, sagte Giffey. „Deshalb ist es auch notwendig, dass in den Schulen, in den Kitas die Hygienemaßnahmen entsprechend erfolgen, dass das regelmäßige Lüften eingehalten wird, dass Infektionsketten sehr schnell verfolgt werden“, so die SPD-Politikerin.

Die brisante Lage hat nun die Bundeskanzlerin dazu bewogen, sich in die Debatte der Länder und Kommunen einzumischen. Direkt nach ihrem Urlaub traf sich Angela Merkel an diesem Donnerstag mit Bildungspolitikern aus den Ländern, um die angespannte Lage an den Schulen zu erörtern. Neben Merkel und SPD-Chefin Saskia Esken nahmen auch Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und mehrere Kultusminister teil.

Ferien enden: Ministerpräsidenten zeigen sich besorgt

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer warnte: „Das Coronavirus kennt keine Ferien. Wir sind jetzt am Urlaubsende und Schulbeginn in einer Phase, in der wir sehr aufpassen müssen“, sagte die SPD-Politikerin unserer Redaktion. Abstand halten und Maske tragen müsste konsequent eingehalten werden, um eine zweite Welle zu verhindern. In Rheinland-Pfalz gehen an diesem Wochenende die Sommerferien zu Ende. „Wir haben Teststationen für Reiserückkehrer an unseren Grenzen eingerichtet. Wir sind vorbereitet“, betonte Dreyer.

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Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) lobte, dass Merkel zu dem Treffen eingeladen habe: „Ich finde es gut, dass die Kanzlerin hier persönlich ein Zeichen setzt.“ Die Runde sei aber kein Beschlussgremium gewesen, dafür gebe es die Kultusministerkonferenz. Bundeselternrat Wassmuth, sagte dagegen, dass der Schulgipfel zu spät komme. „Er hätte vor den Ferien stattfinden müssen.“

Zumindest hieß es nach dem Treffen mit Merkel, Einigkeit bestehe über das gemeinsame Ziel, erneute komplette und flächendeckende Schließungen von Schulen und Kitas möglichst zu vermeiden. Das hohe Gut der Bildung solle auch in Zeiten der Pandemie politische und gesellschaftliche Priorität genießen. Darüber hinaus gebe es den gemeinsamen Willen, schnellstmöglich alle Schulen in der erforderlichen Weise an das schnelle Internet anzuschließen, Schülern zu Hause einen bezahlbaren Zugang zum Internet zu ermöglichen und Lehrer mit Endgeräten auszustatten.