Studie

Corona-Impfung: Grünen-Politiker Boris Palmer ist Proband

So läuft die Suche nach dem Corona-Impfstoff

Wenn möglichst viele Menschen gegen das Coronavirus immun sind, haben die Einschränkungen ein Ende. Ein Weg, das zu erreichen, ist ein Impfstoff. Forscher auf der ganzen Welt suchen danach.

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Grünen-Politiker Boris Palmer ist Teilnehmer einer Studie zum Corona-Impfstoff des Herstellers Curevac. Was er Impfgegnern dazu sagt.

Berlin. Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat sich im Rahmen einer Studie gegen das Coronavirus impfen lassen. Das schreibt der Grünen-Politiker, der immer wieder für Kontroversen sorgt, auf seiner Facebook-Seite. Und spricht dabei Impfgegner direkt und Anhänger von Verschwörungstheorien indirekt an.

Laut Palmers Facebook-Post geht es um eine Studie zur Erprobung des Boten-RNA-Impfstoffs von Curevac, des Tübinger Unternehmens, das an einer Corona-Impfung forscht. Von den Medizinern am Tropeninstitut der Tübinger Uni wird untersucht, wie wirksam das entwickelte Medikament ist.

Boris Palmer bekommt Corona-Impfung für Studie

„In meiner Altersgruppe hat es an Probanden gefehlt, die den Gesundheitscheck überstanden“, schreibt Palmer zu einem Foto mit dem Leiter der Studie, Professor Peter Kremsner; „ich habe mich gerne dafür zur Verfügung gestellt.“

Der Post entstand offenbar ein paar Stunden nach der Impfung: „Tut nicht weh. Fühle mich top fit. Weil die Wirkung untersucht wird, habe ich zwar ein Risiko von 17 Prozent , dass es nur ein Placebo war, aber da hoffe ich jetzt mal, dass ich den Wirkstoff im Arm habe.“

Dann wendet sich der 48-Jährige an Impfgegner: „Ihr schreibt so oft, man soll sich doch selbst zuerst impfen lassen. Ja! Natürlich. Ich bin sehr froh, dass ich wahrscheinlich weltweit zu wenigen 1000 Menschen gehöre, die schon jetzt gegen Corona durch eine Impfung immun werden.“ Lesen Sie hier: Coronavirus – Impfskepsis der Deutschen nimmt zu

Corona-Impfung: Wie Boris Palmer Impfgegnern widerspricht

Er gehe davon aus, dass er sein Leben „mit einiger Wahrscheinlichkeit der Ausrottung der Pocken durch verbindliche Impfungen verdanke“. Und er sei „natürlich“ auch gegen Polio und Keuchhusten geimpft.

Palmer widerspricht den Vorstellungen, dass eine solche Impfung das Erbgut eines Menschen verändere: „Auch wenn hier Gentechnik zum Einsatz kommt, findet kein Eingriff in das menschliche Genom statt.“ Ganz ernst nehmen will Palmer die Argumente nicht: „Ich werde jetzt weder zu Captain America noch zu Mr. Spock (leider).“

Palmer bedankt sich bei den Forschern vom Tropeninstitut der Uni Tübingen. Er sei unter ständiger Beobachtung, um mögliche Nebenwirkungen zu erkennen: „Ich spüre aber rein gar nichts.“ Lesen Sie hier: Russland nennt ersten Corona-Impfstoff „Sputnik V“

Boris Palmer hatte mit Aussagen zu Corona-Toten empört

Palmer hatte im April mit einer Aussage zur Corona-Risikogruppe der Älteren für Empörung gesorgt. „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“, sagte Palmer im Sat.1-Frühstücksfernsehen über die Lockdown-Maßnahmen. Beim Großteil der an einer Corona-Infektion Gestorbenen handele es sich um Menschen mit Vorerkrankungen, die ohnehin nicht mehr lange zu leben gehabt hätten. Lesen Sie hier: Drosten – So verhindern wir einen zweiten Corona-Lockdown

Daraufhin – und mit Blick auf weitere Kontroversen, für die Palmer gesorgt hat – hatten ihm die Südwest-Grünen einen Partei-Austritt nahe gelegt. Später entschuldigte sich der Politiker für seine Äußerung: „Niemals würde ich älteren oder kranken Menschen das Recht zu leben absprechen“, erklärte der Grünen-Politiker. Falls er sich „da missverständlich oder forsch ausgedrückt“ habe, tue es ihm leid. (moi)

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