Präsidentschaftswahl

Wieder Ausschreitungen in Belarus – ein Mensch stirbt

Belarus: Proteste nach angeblichem Wahlsieg von Lukaschenko

Langzeit-Machthaber Alexander Lukaschenko hat die Präsidentenwahl in Belarus offiziellen Angaben zufolge mit rund 80 Prozent der Stimmen gewonnen. Die Opposition will das nicht anerkennen - ebenso wie tausende Menschen, die nach Bekanntgabe der Prognosen in der Hauptstadt Minsk zusammenströmen, um ihrem Unmut Luft zu machen.

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In der Nacht ist es erneut zu Zusammenstößen gekommen. Oppositionsführerin Tichanowskaja hat das Land verlassen.

Minsk. Nach der von Manipulationsvorwürfen überschatteten Präsidentschaftswahl in Belarus am Sonntag kam es in der Hauptstadt Minsk in der Nacht zum Dienstag erneut zu großen Protesten und heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstrierenden. Ein Demonstrant kam dabei ums Leben. Nach Angaben des Innenministeriums wurde der Mann durch einen Sprengsatz getötet, den er auf Polizisten habe schleudern wollen.

Nach Meinung von Beobachtern war die Nacht zum Dienstag von noch mehr Gewalt geprägt als die zum Montag. Augenzeugen und Reporter berichten von Gummigeschossen, Blendgranaten und Tränengas, die Polizei einsetzte. Demonstranten warfen Steine auf die Sicherheitskräfte und schossen Feuerwerkskörper ab.

Belarus: Alexander Lukaschenko will nicht von der Macht lassen

Auf Bildern waren viele blutüberströmte Menschen zu sehen. Bereits nach der Wahl in der Nacht zum Montag war es zu blutigen Zusammenstößen zwischen den Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Dabei waren laut Innenministeriums mehr als 50 Zivilisten sowie 39 Polizisten verletzt worden. Zudem hatte es 3000 Festnahmen gegeben.

Sieben Stunden dauerten die Kundgebungen gegen die Regierung von Präsident Alexander Lukaschenko am Montag. „Das war ein historischer Abend“, schrieb die Oppositionsbewegung Ein Land zum Leben (Strana dlja Schisni). „Der Sieg über den Tyrannen in den nächsten Tagen ist einfach offensichtlich.“

Die Wut der Demonstranten richtet sich gegen den autoritär regierenden Lukaschenko, der seit 26 Jahren an der Macht ist. Sie werfen ihm massiven Wahlbetrug vor – denn Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, deren Kundgebungen vor der Wahl großen Zulauf gehabt hatten, hat laut offiziellem Wahlergebnis nur 9,9 Prozent der Stimmen erhalten. Für Lukaschenko sollen dagegen 80,2 Prozent der Wähler gestimmt haben. An der Richtigkeit dieser Angaben gibt es erhebliche Zweifel.

Swetlana Tichanowskaja ist offenbar nicht mehr im Land. Nachdem sie sich am Montag nach Angaben ihrer Sprecherin am Montag zur Wahlkommission begeben hatte, um Beschwerde gegen das Ergebnis einzulegen, gab es zunächst Unsicherheit über ihren Aufenthaltsort.

Belarus: Swetlana Tichanowskaja offenbar in Litauen

Am Dienstagmorgen dann twitterte der litauische Außenminister Linas Linkevičius ein Foto der 37-Jährigen mit den Worten „Swetlana Tichanowskaja ist in Sicherheit. Sie ist in Litauen.“

Ihre Sprecherin hatte zuvor klargemacht, dass Tichanowskaja keine Niederlage anerkennen werde. „Es kann keine Anerkennung eines solchen Wahlergebnisses geben“, sagte Sprecherin Anna Krasulina der Deutschen Presse-Agentur.

Der mit harter Hand regierende Amtsinhaber Lukaschenko hatte für eine sechste Amtszeit kandidiert – er ist bereits seit zweieinhalb Jahrzehnten an der Macht. Beobachter rechneten bereits vor der Wahl mit einem klaren Sieg Lukaschenkos, der als „letzter Diktator Europas“ gilt. Er hatte mit dem Einsatz von Militär gedroht, um seine Macht zu erhalten. In Belarus wird noch die Todesstrafe vollstreckt.

Die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja hatte in den Wochen vor der Wahl aber massiv an Zustimmung gewonnen. Die 37-Jährige war angetreten, nachdem ihr Mann, der bekannte Blogger Sergej Tichanowski, inhaftiert und von der Wahl ausgeschlossen worden war.

(tma/les/jha/afp/dpa)