Kommentar

Wie Urlaub in der Coronavirus-Krise funktionieren könnte

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Christian Kerl
Weltweite Reisewarnung: Was Reisende beachten sollten

Weltweite Reisewarnung- Was Reisende beachten sollten

Seit dem 17. März gilt eine weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für touristische Reisen. Jetzt soll sie bis mindestens zum 14. Juni verlängert werden. Was sollten Reisende jetzt beachten?

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An Ferien ist vielerorts wegen der Corona-Krise nicht zu denken. Die Bundesregierung muss eine Perspektive für den Sommerurlaub geben.

Berlin. Es klingt nur wie eine schlechte Nachricht, ist aber keine: Dass die Bundesregierung ihre weltweite Reisewarnung bis Mitte Juni verlängert hat, war längst überfällig. Die bisherige Warnung reichte nur bis zu diesem Sonntag, aber Auslandsreisen sind auch in den nächsten Wochen in vielen Fällen nicht verantwortbar und oft auch gar nicht realisierbar: weil Grenzen geschlossen, Flüge gestrichen und Hotels gesperrt sind. An entspannte Ferien ist in vielen klassischen Urlaubsländern derzeit ohnehin nicht zu denken.

Bislang herrschte aber für Urlauber, die etwa eine Reise über Pfingsten gebucht hatten, quälende Unsicherheit, wer die Kosten für eine Absage übernimmt. Jetzt ist klar: Die Reise kann auf jeden Fall kostenlos storniert werden, weil man sich auf die Warnung der Regierung berufen kann.

Sommerurlaub in Coronavirus-Zeiten – Wo kann man Urlaub machen?

Gut, dass Außenminister Heiko Maas von Überlegungen Abstand genommen hat, über die weitere Regelung von Woche zu Woche zu entscheiden. Kunden und Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Die sollte die Bundesregierung allerdings sehr schnell auch für die Sommersaison schaffen.

Die Frage, was nun mit dem Urlaub in den großen Ferien wird, brennt vielen Bürgern (und der schwer gebeutelten Reisebranche) unter den Nägeln. Können wir überhaupt Urlaub machen? Nur in Deutschland?

Sicher, die Entwicklung der Corona-Infektionen in den nächsten ein, zwei Wochen sollte man noch abwarten. Aber dass die Regierung Antworten erst Mitte Juni geben will, ist nicht akzeptabel: Die Perspektive auf der Basis der erwarteten Lage sollte rechtzeitig vor den Ferien im Laufe des Mai klar sein. Die bisherigen Erklärungen Berlins dazu sind widersprüchlich und verwirrend. Vor allem mit Blick auf Auslandsreisen sind sie auch nicht überzeugend. Die Regierung bremst, laviert und empfiehlt sicherheitshalber lieber den Heimaturlaub.

Die Zahl der Reiseplätze wird limitiert sein, die Auflagen werden unbequem

Aber nach Lage der Dinge werden zwar Fernreisen kaum machbar sein, Reisen ins europäische Ausland im Verlauf des Sommers aber durchaus, sofern sich die Corona-Lage weiter stabilisiert. Warum auch nicht? Weshalb sollte bei entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ein Aufenthalt in Tirol, am Mittelmeer oder in Skandinavien medizinisch bedenklicher sein als Ferien am Nordseestrand oder am Bodensee, die ja auch eine mehr oder weniger aufwendige Anreise erfordern?

Die EU arbeitet bereits an gemeinsamen Standards für Kontrollen und Hygieneauflagen innerhalb Europas; spätestens Ende Mai werden sie vorliegen. Klassische Urlaubsländer wie Kroatien starten parallel bilaterale Verhandlungen über Einreisen von Bürgern aus jenen EU-Staaten, die die Pandemie unter Kontrolle haben.

Auch an Deutschland richten sich Einladungen, doch bislang zögert die Regierung. Dabei ist ja allen Beteiligten klar, dass Sicherheit absoluten Vorrang haben muss; die Urlaubsländer haben daran selbst das größte Interesse. Die Zahl der Reiseplätze wird limitiert sein, die Auflagen werden unbequem: Von Corona-Tests über strenge Einreisekontrollen am Flughafen und geschlossene Hotelpools bis zu Zugangsbeschränkungen in Restaurants am Strand – ein unbeschwerter Urlaub wie sonst wird es sicher nicht.

Viele werden sich die schönsten Wochen des Jahres wohl anders vorstellen. Eine pauschale Absage aus Berlin an solche Lösungen rechtfertigt das aber nicht. Es wäre auch ein schwerer Schlag für die Tourismusindustrie vor allem in Südeuropa, die dort von ähnlicher Bedeutung ist wie in Deutschland die Autoindustrie. Den Tourismus im Süden des Kontinents nicht völlig abzuwürgen, ist deshalb für die EU nicht nur ein Gebot der Solidarität, sondern auch der wirtschaftlichen Vernunft.

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