Covid-19-Pandemie

Corona-Krise: Italien sieht etwas Licht am Ende des Tunnels

Drohnenbilder zeigen menschenleeres Florenz

Die berühmten Plätze der italienischen Stadt Florenz sind menschenleer, auf der Ponte Vecchio tummelt sich niemand mehr. Wegen der Coronavirus-Pandemie herrschen seit Wochen strenge Ausgangssperren. AERIAL SHOTS of Florence

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Italien zwischen Bangen und Hoffen: Die Zahl der Neuinfektionen sinkt, doch Politik und Behörden wollen nicht zu früh Entwarnung geben.

Rom. Die Tore zum römischen Rosengarten auf dem Aventin-Hügel oberhalb des Tibers sind trotz der Frühlingssonne geschlossen, kein Spaziergänger bewundert Knospen und erste Blüten. Dabei beginnt Italien angesichts einer seit Tagen weniger raschen Ausbreitung des Coronavirus’ Hoffnung zu schöpfen, während die Menschen weiter geduldig lange Schlangen vor den Supermärkten bilden.

Der Chef des Katastrophenschutzes bezeichnet die Epidemie bei der allabendlichen Vorstellung der aktuellen Zahlen noch als schlimmste Gesundheitskrise der vergangenen 100 Jahre. Angelo Borrelli will unbedingt verhindern, dass die Aussicht auf Verbesserung die Menschen dazu verleitet, gegen das Ausgehverbot zu verstoßen.

Italien hofft: Zahl der Neuinfektionen sinkt von elf auf vier Prozent

Doch auch ihm ist die Erleichterung anzumerken, als er verkündet, dass die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von zehn Tagen von elf auf vier Prozent gesunken ist. „Wir gehen in die richtige Richtung, und wir dürfen unsere Strategie nicht im Mindesten verändern“, pflichtet ihm der Präsident des nationalen Gesundheitsrats, Franco Locatelli, bei. Dabei sei ihm bewusst, wie schwierig es sei, vor allem Kinder bei dem Frühlingswetter nicht hinauszulassen.

Seit drei Wochen dürfen Italiener nur noch zum Einkaufen, zum Arzt oder zur Apotheke ihre Wohnungen verlassen. Anfänglich geltende Ausnahmen für sportliche Aktivitäten im Freien inklusive Spaziergänge, von denen allzu viele Bürger vor allem am Wochenende Gebrauch machten, wurden kurz darauf wieder aufgehoben.

Infizierten, die ihre Wohnung verlassen, droht lange Haft

Polizei und Militär überwachen die Einhaltung der Ausgangssperre. Wer auf der Straße angehalten wird, muss eine Bescheinigung ausfüllen, in der er nicht nur angibt, wohin er unterwegs ist. Er muss auch schriftlich bestätigen können, dass er nicht positiv auf Sars-CoV-2 getestet ist. Infizierten, die trotz Verbots ihre Wohnung verlassen, drohen bis zu zwölf Jahren Haft.

Die Bürger sind angehalten, das Formular des Innenministeriums für die Erklärung aus dem Internet selbst herunterzuladen und auszudrucken. Andernfalls müssen sie ihre persönlichen Daten inklusive Ausweisnummer auf dem Formular eintragen, das die Polizisten bei einer Kontrolle aushändigen.

Aggressive Polizisten schrecken die Bürger ab – sie bleiben zu Hause

Wer keinen Drucker hat und ohne Bescheinigung angetroffen wird, muss mit harschen Worten der Beamten rechnen. Schließlich könne der Bürger die Bescheinigung handschriftlich aus dem Internet kopieren. Bei jeder Polizeikontrolle wird eine neue Bescheinigung benötigt, denn die Beamten ziehen das Dokument jedes Mal ein.

Nicht nur die Angst vor Ansteckung, sondern auch Ärger mit aggressiv auftretenden Ordnungshütern hält offenbar immer mehr Italiener von kleinen Eskapaden wie einem Spaziergang ab. Dennoch trifft die Polizei täglich mehrere Tausend Bürger auf der Straße an, die keinen ausreichenden Grund dafür nennen können. Innerhalb eines Tages waren es am Wochenbeginn laut Chef des Katastrophenschutzes 6.500.

Erste Lockerungen sind wohl erst nach dem 4. Mai zu erwarten

Trotz der weniger raschen Ausbreitung des Virus’ plant die Regierung, die geltenden Maßnahmen bis mindestens Ostern zu verlängern. Als wahrscheinlich gilt, dass nach dem 4. Mai erste Lockerungen vorgenommen werden. Bis dahin wird auch die Industrie weiterhin stillstehen, ausgenommen die Herstellung lebenswichtiger Güter wie Lebensmittel.

Während der Süden Italiens einen großen Corona-Ausbruch noch fürchtet, wächst vor allem in der Lombardei die Hoffnung, in der Region, in der das Virus in Italien am stärksten verbreitet ist. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, versichert Regionalgouverneur Attilio Fontana nach Wochen der Verzweiflung. Vor allem in Bergamo, das weltweit für Schlagzeilen sorgte, weil die Särge mit den Corona-Toten der Stadt in Militärlaster-Kolonnen zu den Krematorien transportiert wurden, sank die Zahl der Notfälle in Krankenhäusern um die Hälfte.

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Die Zahl der Todesopfer ist weiterhin sehr hoch

Trotz positiver Signale vor allem aus dem Norden widerspricht aber auch der stellvertretende Gesundheitsminister Paolo Sileri der Erwartung, die Verbote könnten gelockert werden. Der Höhepunkt der Epidemie werde in Italien erst in fünf bis zehn Tagen erreicht sein. Wie dramatisch die Lage in Italien weiterhin ist, zeigen die anhaltend hohen Zahlen der Todesopfer, die am Wochenbeginn noch bei 812 innerhalb eines Tages lagen.

Vor zehn Tagen wiesen die allabendlich vorgelegten Zahlen des Katastrophenschutzes noch auf eine Verdoppelung der Infizierten binnen fünf Tagen hin. Zum Monatsende verlangsamte sich die Ausbreitung so stark, dass nun 18 Tage nötig wären.

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