Kommentar

Corona-Krise: Warum wir jetzt Solidarität zeigen müssen

Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag

Panik, Mundschutz-Bunkern, Desinfektions-Bäder und Klopapier-Horten sind nicht die Alltagsretter im Kampf gegen Coronaviren. Diese 6 Maßnahmen sind viel effizienter.

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Der Staat holt in der Corona-Krise das ganz große Besteck heraus – genauso wichtig ist jetzt allerdings auch Solidarität im Alltag.

Berlin. Im Zweiten Weltkrieg griffen US-Soldaten auf dem Schlachtfeld zu einer Bazooka. Mit dem posaunenartig geformten Raketenwerfer schossen sie auf deutsche Panzer. Daraus entwickelte sich in der Finanz- und Wirtschaftspolitik ein geflügeltes Wort. Wenn Staaten und Volkswirtschaften mit dem Rücken zur Wand stehen, holen Regierungen und Notenbanken die Bazooka heraus. So wie Mario Draghi.

In der Euro-Staatsschuldenkrise zwang der damalige EZB-Präsident 2012 die Spekulanten an den Finanzmärkten in die Knie. Draghi kündigte an, dass die europäischen Währungshüter, koste es, was wolle („whatever it takes“), den Euro retten würden.

Dafür hängte der Bundespräsident „Super Mario“ kürzlich einen Orden um den Hals (was nicht alle toll fanden, weil den Preis für die Eurorettung die Sparer mit Nullzinsen bezahlen müssen).

Coronavirus: Krise war für die Deutschen lange ein Fremdwort

Olaf Scholz und Peter Altmaier wollen in Draghis Fußstapfen treten. Mit einem gigantischen Schutzschild von rund 550 Milliarden Euro an Staatsgarantien will die Bundesregierung den massenhaften Verlust von Arbeitsplätzen durch die Corona-Katastrophe verhindern.

Für den Augenblick scheint die Rechnung aufzugehen: Der abgestürzte Dax legte zeitweise um sieben Prozent zu. Die schwarze Null im Bundeshaushalt, auf die Europas Musterschüler und Sparkommissar Deutschland seit 2014 so stolz war, wird aller Voraussicht nach pulverisiert. Notfalls wird es zur Corona-Abwehr neue Schulden geben, Konjunkturpakete, Staatsbeteiligungen an Konzernen.

Was ist schon eine abstrakte schwarze Null, wenn Millionen Arbeitnehmer um ihre Jobs zittern? Wenn wir bald durch Geisterstädte fahren und laufen? Wenn mutmaßlich Tausende auf Intensivstationen um ihr Leben kämpfen werden?

Krise war für viele Deutsche lange Zeit ein Fremdwort. Auf den Bankencrash 2008/09 folgten fette Jahre. Die Arbeitslosigkeit ist historisch niedrig, die Zahl von Erwerbstätigen auf Rekordhoch. Bund, Länder und Sozialkassen machten 2019 zusammen einen Überschuss von 50 Milliarden. Das Gute daran ist: Die Kassen für die Abwehrschlacht gegen die Corona-Folgen sind voll. Aber die Gefühle sind anders.

Panik ist nicht angebracht, aber Demut, Besonnenheit, Verantwortung

Zukunftsängste, dramatisch hohe Jugendarbeitslosigkeit, verzweifelte Rentner? Damit durften sich Italiener, Spanier und Griechen im Süden Europas herumschlagen. In der Wohlstandshochburg Bundesrepublik lief es für viele ja wie im Werbespot: mein Job, mein Haus, mein Urlaub auf den Kanaren. Corona verändert vieles. Panik ist nicht angebracht. Aber Demut. Besonnenheit. Verantwortung.

Der Staat geht trotz vieler Defizite im Bund-Länder-Wirrwarr überzeugend voran. Unsicherheit bleibt. Wie wirkt es sich aus, wenn alle Schulen und Kitas über Wochen zu sind? Wie sollen Taxifahrer, Wirte, Messebauer, Freiberufler, Künstler über die Runden kommen? Da helfen Bundes-Bazooka und nachsichtige Finanzämter nur bedingt. Jetzt muss eine Stunde der Solidarität schlagen.

Meine Nachbarin ist Ärztin. Alleinerziehend, drei Kinder. Kann ich tageweise bei der Betreuung helfen, damit sie sich in der Klinik länger um Alte und Schwache kümmern kann? Oder der vor den Mullahs aus dem Iran nach Berlin geflüchtete Musiker, der meinen Kindern Gitarrenunterricht gibt und sich bisher mit Konzertauftritten durchschlägt? Wer gespart hat, könnte privat mit kleinen Notkrediten aushelfen.

Es ist richtig, dass die Regierung die Bazooka nimmt. Das schafft Vertrauen. Wir alle aber sollten uns in dieser beispiellosen Krise nicht nur fragen, was der Staat tut – sondern, was ich für die Gemeinschaft leisten kann. Und sei es, sich einzuigeln, um Corona nicht zu verbreiten.