Asylzahlen

Kein Land nimmt so viele Flüchtlinge auf wie die Türkei

Wegen Flüchtlingen: Griechenland ruft höchste Alarmstufe an seinen Grenzen aus

Wegen des massiven Andrangs von Flüchtlingen nach der Öffnung der türkischen Grenze hat Griechenland die höchste Alarmstufe ausgerufen. Das Land will nun einen Monat lang keine neuen Asylanträge mehr annehmen.

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Neue Kämpfe verschärfen die Lage in Syrien. Die Türkei fürchtet mehr Migranten. Wie viele Geflüchtete dort leben.

Berlin. Die Kämpfe um die syrische Stadt Idlib eskalieren derzeit erneut. Laut den Vereinten Nationen sind seit den Kämpfen zwischen dem türkischen Militär und den Truppen des syrischen Diktators Assad und dessen Verbündeten Russland mehrere Hunderttausend Menschen auf der Flucht. Die Welthungerhilfe spricht von der „schlimmsten Flüchtlingskrise“ seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor fast neun Jahren.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan will angesichts des wachsenden Unmuts der Bevölkerung verhindern, dass weitere Flüchtlinge in die Türkei reisen – und schickt sie weiter in Richtung EU. Sein Argument: Die Türkei habe bereits ausreichend Migranten aufgenommen, nun seien andere Länder an der Reihe. Was ist dran an der Forderung?

Wie viele Flüchtlinge hat die Türkei aufgenommen?

Tatsächlich trägt die Türkei eine weit höhere Last als alle europäischen Länder – es ist das laut dem Report der Vereinten Nationen weltweit größte Aufnahmeland für Migranten. Allein 2018 lebten in der Türkei fast vier Millionen Flüchtlinge. Das sind die offiziellen Angaben. Inoffiziell dürften noch einmal deutlich mehr Menschen aus dem Kriegsgebiet ins Land geflohen sein.

Flüchtlinge: "Wir werden nicht umkehren!"
Flüchtlinge- Wir werden nicht umkehren!

Deutschland hat in den vergangenen Jahren fast zwei Millionen Asylsuchende registriert. Allein im Jahr der großen Asylkrise 2016 stellten 745.000 Menschen einen Antrag auf Schutz. Es war mit Abstand der höchste Wert seit Gründung der Bundesrepublik.

2015, zu Beginn der Krise, registrierte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Die meisten kamen aus Syrien, viele aus dem Irak und Afghanistan. Seit dem EU-Türkei-Abkommen im März 2016 ging die Zahl der Flüchtlinge, die über Griechenland und die Balkanroute in Richtung Deutschland reisten, deutlich zurück.

2017 beantragten noch 222.683 Personen beim Bamf Asyl, 2018 noch 185.000. Und auch 2019 fiel die Zahl weiter: auf 166.000.

Viele Asylsuchende wurden abgelehnt

Doch nicht alle der registrierten Geflüchteten erhielten seit 2015 auch Asyl. Im Gegenteil: Mehrere Hunderttausend der ankommenden Flüchtlinge erhielten kein Asyl. Allein 2017 wurden mehr als 200.000 Anträge als „unbegründet“ oder „offensichtlich unbegründet“ abgelehnt.

Rund 250.000 Menschen sind derzeit „ausreisepflichtig“. Das heißt, sie bekommen keinen Status als Asylsuchender oder Flüchtling nach der Genfer Konvention. Allerdings ist ein Großteil von ihnen „geduldet“, diese Menschen können nicht abgeschoben werden, etwa weil ihnen in ihrer Heimat die Todesstrafe droht.

Deutschland hat seit 2015 auch im europäischen Vergleich eine hohe Anzahl an Flüchtlingen aufgenommen. In Frankreich waren es im Jahr 2016 gerade einmal rund 120.000 Asylantragsteller. Manche Staaten wie Tschechien, Polen oder die Slowakei haben seit 2015 nur eine sehr geringe Zahl Flüchtlinge aufgenommen.

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