Altersvorsorge

Immer mehr Bürger wollen mit 63 in Rente – und zahlen extra

Steigende Renten: So viel Geld gibt es 2020 aufs Konto
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Früher in Rente gehen? Immer mehr Bürger wollen das – und sind bereit, dafür extra zu zahlen. Warum sich das lohnen kann – und für wen.

Berlin. Früher in den Ruhestand? Gern! Aber deshalb Rentenabschläge hinnehmen? Lieber nicht! Immer mehr Deutsche zahlen darum Extra-Beiträge. Zwischen 2017 und 2018 ist die Zahl der Versicherten, die auf diese Weise spätere Rentenminderungen ausglichen, um knapp 50 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Analyse der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervor, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Hätten 2017 noch 11.620 Versicherte mit Sonderzahlungen spätere Rentenminderungen ausgeglichen, seien es 2018 bereits 17.086 Versicherte gewesen, heißt es in dem Beitrag.

Sonderbeiträge in die Rentenkasse – attraktiv für Menschen ab 50

Über die Sonderbeiträge fließt immer mehr Geld in die Rentenkasse: 2017 lagen die Einnahmen aus den Extra-Zahlungen laut der Zeitung bei 207 Millionen Euro, 2018 waren es bereits 291 Millionen. Für 2019 lägen noch keine Zahlen vor, hieß es in dem Bericht. Jeder Zahler von freiwilligen Sonderbeiträgen überwies demnach im Jahr 2018 im Schnitt etwas mehr als 17.000 Euro zusätzlich an die Rentenkasse.

Eine DRV-Sprecherin wertete dies als „Zeichen für das Vertrauen der Beitragszahler in die Sicherheit der gesetzlichen Rente“. Alternative Sparanlagen wie Tages- oder Festgeld werfen angesichts von Negativ- und Nullzinsen kaum noch Erträge ab. Durch das Flexirentengesetz können Versicherte aber seit dem 1. Juli 2017 schon ab dem 50. Lebensjahr mit freiwilligen Beiträgen Rentenminderungen kompensieren.

Rente: Niedriger Beitragssatz, steigende Altersbezüge

Der Beitragssatz für die Rentenversicherung ist aktuell relativ niedrig, er steht bei 18,6 Prozent. Hinzu kommt: Die Altersbezüge sind zuletzt teilweise deutlich gestiegen, was auch Ansprüche der künftiger Rentner erhöht. Und zum 1. Juli 2020 könnten die Renten im Osten nochmal um fast vier Prozent steigen, die Bezüge im Westen um mehr als drei Prozent.

Laut der DRV-Analyse gingen 2018 insgesamt 23 Prozent aller Altersrentner mit Abschlägen frühzeitig in den Ruhestand. Die Höhe der Abschläge betrug im Schnitt etwa 90 Euro von der Brutto-Monatsrente.

Extrazahlungen in der Rentenkasse sind vor allem etwas für Gutverdiener

Solche Rentenminderungen auszugleichen, ist teuer: Für jeden Monat, den man ab dem 63. Lebensjahr früher in Rente geht, ist ein Abschlag von 0,3 Prozent zu zahlen. Pro Jahr sind das also 3,6 Prozent. Will ein Versicherter statt mit 67 schon mit 63 Jahren in Rente gehen, beläuft sich der Abschlag auf 14,4 Prozent.

Das macht bei einem Beitragszahler, der eine Rente von 1800 Euro beziehen wird, immerhin eine Ausgleichssumme von mehr als 66.000 Euro, die er für diese vier Jahre in die Rentenkasse einzahlen müsste. Bis zu einer Obergrenze sind die Zahlungen allerdings steuerlich absetzbar. Auch deshalb empfiehlt es sich, die Extra-Beiträge über mehrere Jahre zu verteilen. (afp/max)