Seenotretterin

Carola Rackete engagiert sich jetzt als Klimaaktivistin

Carola Rackete, Seenotretterin von Flüchtlingen und Klimaaktivistin.

Carola Rackete, Seenotretterin von Flüchtlingen und Klimaaktivistin.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Die Seenotretterin Carola Rackete engagiert sich nun bei „Extinction Rebellion“. Sie fordert zu zivilem Ungehorsam und Massenprotesten auf.

Berlin. Im Sommer 2019 war Carola Rackete als Kapitänin des Seenotrettungsschiffes „Sea-Watch 3“ bekannt geworden. Damals war sie mit Dutzenden Migranten an Bord ohne Erlaubnis der italienischen Regierung im Hafen von Lampedusa eingelaufen. Nun ist die Niedersächsin umgesattelt und engagiert sich als Klimaaktivistin.

Rackete ist Mitglied der Bewegung „Extinction Rebellion“ und trat zuletzt unter anderem bei „Fridays for Future“-Demonstrationen als Rednerin auf. Am Mittwoch hat die 31-Jährige in Berlin ihr Buch mit dem Titel „Handeln statt Hoffen – Aufruf an die letzte Generation“ vorgestellt. Darin ruft sie zu zivilem Ungehorsam und Massenprotesten auf und legt dar, wie ihrer Meinung nach weltweite Migrationsbewegungen und der Klimawandel zusammenhängen.

Grund sei der Lebensstil in den nach stetigem Wachstum gierigen Industrieländern. „Solange dieses Wirtschaftssystem weiter so massive soziale Ungleichheit erzeugt und die Natur in fast allen Gegenden der Erde ausgebeutet wird, werden Menschen ihr Leben Booten anvertrauen, in die sich garantiert niemand freiwillig hineinwagen würde.“ Es handle sich nicht um eine „Flüchtlingskrise“, sondern eine Krise der globalen Gerechtigkeit.

Carola Rackete fordert entschlossenes Handeln gegen Klimakrise

Der Klimawandel werde ohne starke Maßnahmen Konflikte um Ressourcen wie Wasser auslösen und massive Fluchtbewegungen auslösen. Es gibt laut Rackete nur zwei Möglichkeiten: eine radikale Transformation der Gesellschaft oder den Kollaps. Dabei nahm sie vor allen Dingen die westlichen Industriestaaten in die Pflicht. „Wer etwas zerstört, hat auch eine Verantwortung“, sagte sie mit Blick auf den historischen Ausstoß von Treibhausgasen.

Rackete fordert entschlossenes Handeln gegen die Klimakrise. „Wir sind an einem gesellschaftlichen Punkt, an dem wir uns fragen müssen: Wollen wir als Menschheit auf diesem Planeten noch weiter leben?“, sagte Rackete in Berlin. Die Krise sei existenziell.

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Ihr neues Engagement für den Klimaschutz begründet Rackete damit, dass dies ihr eigentliches Betätigungsfeld sei. Sie hatte ursprünglich Nautik und Naturschutzmanagment studiert. Seit 2011 habe sie acht Polarsommer hintereinander in der Antarktis gearbeitet. Dadurch habe sie auch nautische Zertifikate erlangt, die sie zum Steuern von Schiffen bestimmter Größe befähigen. Ihr freiwilliges Engagement für die zivile Seenotrettung im Mittelmeer habe 2016 begonnen. Dass Carola Rackete für eine Flüchtlingsrettungsaktion berühmt wurde, nennt sie einen Zufall. (epd/dpa/jei)