Bahnreisen

Wehrbeauftragter pocht auf Gratis-Bahnfahrten für Soldaten

Soldaten der Bundeswehr sollen nach dem Willen von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kostenlos Bahn fahren dürfen.

Soldaten der Bundeswehr sollen nach dem Willen von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kostenlos Bahn fahren dürfen.

Foto: imago / Enters

Gratis-Zugfahrten für Soldaten? Das hätte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer gerne. Eine Rechnung ohne den Wirt: die Bahn.

Berlin. In Uniform fahren Polizisten kostenlos mit dem Zug – Soldaten nicht. Ihre Uniform ersetzt kein Bahnticket. Das würde Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ändern, wie sie nach ihrer Vereidigung Ende Juli ankündigte.

Die Gratisbeförderung wäre ein Anreiz, in der Öffentlichkeit Uniform zu tragen. Das würde „die Sichtbarkeit der Bundeswehr in unserem Land, in unserer Gesellschaft erhöhen“. AKK machte die Rechnung ohne den Wirt: die Bahn. Sie hat mehrere Einwände – es geht nicht nur ums liebe Geld.

Bundeswehr-Soldaten in der Bahn? Nicht zur Prime-Time

Die Verhandlungen laufen nach den Informationen unserer Redaktion seit einem Vierteljahr. Mithin war es keine Idee der neuen Ministerin, AKK sprang auf einen fahrenden Zug auf. Die Bahn will das Reisen limitieren. Sie will nicht, dass die Soldaten ohnehin schon volle Züge überfüllen.

Sie will sie zu Rabatt-Konditionen nur in nicht besonders ausgelasteten Strecken fahren lassen, also nicht zur Prime-Time, nicht Freitagnachmittags, wenn alle unterwegs sind.

Die größten Pannen bei der Bundeswehr
Die größten Pannen bei der Bundeswehr

Bundeswehr soll Ticket-Kontingent kaufen

Auch von einer allgemeinen Kostenbefreiung kann keine Rede sein. Die Bundeswehr soll Ticket-Kontingente erwerben – die Rede ist von 400.000 bis 800.000 Freifahrten –, nicht anders als ein Discounter, allenfalls günstiger.

Die Bundeswehr müsste dafür auch eigens ein Buchungssystem einführen. Außerdem kann die Bahn nicht Freifahrten im Regionalverkehr garantieren, da er in eigenen Verbünden geregelt ist.

Wehrbeauftragter Hans-Peter Bartels ist empört

Die Verhandlungen sind ins Stocken geraten. Ein Start zum 1. Januar 2020 wird schwierig. Bei ihrer ersten großen Wohltat für die Truppe droht der Ministerin eine Schlappe. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels ist empört.

„Der Bahnvorstand sollte da in eigener Verantwortung entgegenkommend sein“, sagte er unserer Redaktion. Für den Streit ums Geld hat er kein Verständnis. „Ein symbolischer Kostenbeitrag aus dem Verteidigungshaushalt sollte reichen.“

Polizisten fahren in Uniform gratis, Soldaten nicht

Schließlich zahle der Bund zig Milliarden für den Ausbau des Schienennetzes. Wenn man für den besonderen Dienst der Soldaten eine besondere Wertschätzung der Nation zum Ausdruck bringen wolle, „kann das ja wohl nicht an der Frage der Kostenrechnung eines besonders staatsnahen Unternehmens scheitern.“

Von Polizisten verlangt die Bahn kein Geld. In Uniform erfüllen sie eine „hoheitliche Aufgabe“. In einer Konfliktsituation darf der Zugführer auf sie zurückgreifen. Sie sorgen für Ordnung.

Die Bundeswehr hat unterdessen noch reichlich andere Probleme. Erst gerade wurde bekannt, dass alle 53 Tiger-Hubschrauber der Bundeswehr nicht starten dürfen. Zudem wurden Milliardenverschwendungen bei der Bundeswehr entdeckt. Die größten Baustellen der Truppe sind im Wehrbericht aufgelistet.