Medizin

Schwesig wegen Initiative für Homöopathie in der Kritik

So läuft der Glaubenskrieg um die Homöopathie

So läuft der Glaubenskrieg um die Homöpathie

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SPD-Frau übernimmt die Schirmherrschaft für einen Homöopathie-Kongress. Ist das eine gute Idee für eine Ministerpräsidentin?

Berlin.  Homöopathie ist eine Glaubensfrage – und für viele Wissenschaftler deshalb auch nicht geeignet, um als Alternative für die so genannte Schulmedizin zu dienen. Der Glaubenskrieg um Mittel wie Globuli und Co. kocht nun jedoch wieder hoch. Die Frage ist: Darf eine deutsche Ministerpräsidentin öffentlich für Homöopathie werben?

Im aktuellen Fall geht es um die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD). Die ehemalige Bundesfamilienministerin hat die Schirmherrschaft für den Deutschen Ärztekongress für Homöopathie 2019 übernommen. In einem Grußwort zitieren die Veranstalter des Kongresses die Landeschefin: „Es ist sehr wichtig, zum Beispiel darüber zu forschen, wie alternative Methoden wie die Homöopathie in der Therapie wirksam eingesetzt werden können“.

Vor allem an dieser Aussage stören sich aber zahlreiche Kritiker. Der prominente Hals-Nasen-Ohren-Arzt Christian Lübbers hält Schwesig auf Twitter etwa entgegen: „Wissen Sie nicht, dass bereits bestens erforscht ist, dass Homöopathie nicht besser als ein Placebo wirkt?“.

Aus Sicht von Lübbers hätte Schwesig deshalb die Schirmherrschaft ablehnen sollen. Lübbers hat in einem Buch beschrieben, zu welchen Missverständnissen es bei homöopathischen Behandlungen kommen kann. Als Arzt holte er zehn Globuli-Kügelchen aus dem Ohr einer Vierjährigen.

Kritik an Initiative von Schwesig zu Homöopathie – Das Wichtigste in Kürze:

• Manuela Schwesig (SPD) hat die Schirmherrschaft für einen Homöopathie-Kongress übernommen

• Kritiker bemängeln, dass die Wirkung homöpathischer Mittel nicht erwiesen ist

• Auch andere Politiker haben bei dem Thema Schirmherrschaften übernommen

Homöopathie: Das sagt Bundesgesundheitsminister Spahn dazu

Ebenfalls auf Twitter gab es Kritik von Kristina Schröder (CDU). Die Vorgängerin von Schwesig als Familienministerin antwortete einer Nutzerin, dass sie die Entscheidung zur Schirmherrschaft von Schwesig nicht für ein Versehen halte. Sie ließ durchblicken, dass die Werbung für das Thema auf „so umstrittenem Terrain“ nicht glücklich sei. Auch Katharina Schulze, Spitzenkandidatin der Grünen in Bayern sagte „Man muss ja keine Schirmherrschaft“ übernehmen.

Auf dem umstrittenen Terrain stehen sich aktuell Gegner und Befürworter von alternativen Behandlungsmethoden teils verbittert gegenüber. Innerhalb der Medizinforschung hat es bisher jedoch keine wissenschaftliche Nachweise für homöopatische Arzneimittel gegeben, wie es auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im August 2018 in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ festgestellt hat.

Eine Studie aus dem Jahr 2017 kam zudem zu dem Ergebnis, dass die Behandlung mit Homöopathie dauerhaft teurer ist als schulmedizinische Methoden. Für viele Patienten stellt sich deshalb auch die Frage: Sollten Krankenkassen die Kosten für Homöopathie erstatten? Die Krankenkasse

"Gefährliche Pseudo-Medizin": Darum kämpft diese Ärztin gegen Homöopathie
TK hatte 2017 einen Shitstorm nach einer Antwort auf Homöopathie-Kritik geerntet.

Homöopathie: Wie andere Politiker dazu stehen

Die Kritik an Manuela Schwesig trifft die SPD-Politikerin mitten im Wahlkampf zur Europawahl und zu einer Zeit, in der ihre Partei generell mit niedrigen Umfragewerten zu kämpfen hat. Der Journalist Mario Sixtus sieht in dem Vorgehen von Schwesig deshalb quasi ein Eigentor der SPD – zumindest aber eine selbstverschuldete Niederlage.

Dabei ist die SPD-Politikerin Schwesig nicht die einzige, die sich öffentlich zum Thema Homöopathie mindestens neutral positioniert hat. Laut dem Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) war Annette Widmann-Mauz von der CDU beim Homöopathischen Weltärztekongress 2017 Schirmherrin.

Widmann-Mauz war zu dem Zeitpunkt Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Heute ist sie Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Schirmherrin der Homöopathie-Stiftung ist die Physikerin und Politikerin Dagmar Schipanski (CDU). Schipanski war 1999 parteilose Kandidatin für die Union für das Amt der Bundespräsidentin. In der Wahl um das höchste Staatsamt unterlag sie dem SPD-Kandidaten Johannes Rau im zweiten Wahlgang. (mit dpa-Material)