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SPD-Chefin Nahles: „Ich traue mir die Kanzlerkandidatur zu“

SPD-Parteichefin Nahles kann sich vorstellen, als Kanzlerkandidatin anzutreten. Die Kritik von Schröder und Gabriel konterte sie.

Berlin.  Dass eine SPD-Vorsitzende auch als Kanzlerkandidatin ihrer Partei in Frage kommt, liegt eigentlich auf der Hand. Dennoch hat Andrea Nahles noch einmal betont, dass sie sich das Amt zutraut. Der Vorstoß kommt in einer Zeit, in der die SPD-Chefin Kritik von vielen Seiten einstecken muss.

„Wenn ich mir eine Kanzlerkandidatur nicht zutrauen würde, hätte ich mich niemals um das Amt der SPD-Vorsitzenden beworben“, sagte Nahles im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Kritik von Schröder und Gabriel

Am Wochenende hatte unter anderem Altkanzler Gerhard Schröder die Parteichefin angegriffen und ihr „Amateurfehler“ vorgeworfen. Der frühere Parteichef Sigmar Gabriel zog am Montag nach, indem er ein vergiftetes Lob zur Grundrente aussprach und dabei Nahles frühere Arbeit als Sozial- und Arbeitsministerin kritisierte.

Als Nahles nun im Interview gefragt wurde, ob sie lieber Schröder oder Gabriel auf eine einsame Insel schiken würde, ließ sich die SPD-Chefin nicht aus der Reserve locken: „Keinen von beiden. Das wäre garstig“, sagte Nahles.

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Intern soll es Absprachen mit Olaf Scholz geben

Würde Nahles jetzt für das Kanzleramt kandidieren, wären ihre Erfolgsaussichten allerdings eher mau. In den Umfragen dümpeln die Sozialdemokraten bei 15 Prozent herum, bei der im Mai anstehenden Wahl in Bremen droht der Regierungsverlust und auch die Umfragen zur Europawahl im Mai sehen für die SPD nicht rosig aus. Auf die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen im Herbst blicken die Sozialdemokraten mit Sorge.

Da Nahles der SPD nicht zum Aufschwung verhelfen konnte, wird intern in der Partei davon ausgegangen, dass Nahles mit Finanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz eine Absprache getroffen hat, dass er eine Kanzlerkandidatur übernehmen könnte.

Scholz selbst wird immer wieder als Spitzenkandidat der SPD gehandelt und befeuert diese Spekulationen auch selbst. Im Januar sagte er der „Bild“ (Bezahlinhalt): „Frau Kramp-Karrenbauer hat gerade gesagt, dass von einer Parteivorsitzenden erwartet wird, dass sie sich das Amt zutraut. Für einen Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland gilt das Gleiche.“

Nahles wurde erst im April 2018 offiziell Parteivorsitzende

Allerdings genießt auch Olaf Scholz nicht nur Rückendeckung in der Partei. Einige Landesverbände fordern, dass der neue Kanzlerkandidat per Urwahl bestimmt werden sollte.

Nahles hatte den Parteivorsitz vom damaligen Spitzenkandidaten Martin Schulz übernommen, der von dem Amt im Februar 2018 zurückgetreten war. Zunächst führte sie das Amt kommissarisch, im April 2018 wurde sie offiziell mit 66 Prozent der Stimmen der Delegierten zur Vorsitzenden gewählt. Bereits nach der Bundestagswahl 2017 nahm Nahles den Posten der Fraktionsvorsitzenden an. (tki/dpa)