US-Präsident

Präsident Trump reagiert auf Kritik am Arbeitspensum

US-Präsident Donald Trump sieht sich selbst als rackernder Macher. Sein Terminkalender sagt etwas anderes.

US-Präsident Donald Trump sieht sich selbst als rackernder Macher. Sein Terminkalender sagt etwas anderes.

Foto: KEVIN LAMARQUE / REUTERS

Trumps Kalender wurde geleakt. Er zeigt: Der US-Präsident kommt spät und geht früh. Er sagt: Meistens arbeite er statt zu entspannen.

Washington.  Donald Trump erzeugt von sich gern das Bild eines rund um die Uhr unermüdlich für Amerika rackernden Machers. Niemand arbeite „härter“, um die Nation auf Vordermann zu bringen, sagt der Präsident regelmäßig über sich. Sein Terminkalender sagt etwas anderes.

Wie wenig Trump tatsächlich arbeitet, ist seit Wochen Tuschel-Thema bei Steh-Empfängen in Washingtoner Polit-Zirkeln. Das Nachrichten-Portal Axios hat der Erzählung vom Faulenzer-in-Chief jetzt dank einer selten perfiden Durchstecherei neue Nahrung gegeben.

Donald Trumps meiste Zeit ist geblockt

Ein Mitarbeiter des Weißen Hauses – so viel zur oft beschworenen Loyalität in der Regierungszentrale, die laut Trump wie eine „gut geölte Maschine“ arbeite – hat die offiziellen Dienstkalender-Einträge des Präsidenten der vergangenen drei Monate (!) weitergereicht.

Das Ergebnis mutet (in der normalen Arbeitswelt) abmahnungsreif an: Trump kommt danach spät – meist ist er nie vor 11.30 Uhr im Oval Office – und geht früh; gegen 16 Uhr. 60 Prozent des Tages sind für sogenannte „executive time“ geblockt.

Ein Euphemismus für die vielen unstrukturierten Stunden, die der Präsident in seinen Privaträumen verbringt – mit Twittern, Fernsehgucken (vorzugsweise Fox News), Schwadronieren am Telefon mit Buddys und Büchsenspannern und Dampfablassen über seine Kritiker.

Donald Trump - Vom aufmüpfigen Jungen zum US-Präsidenten
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Nach Kongresswahlen beansprucht Trump noch mehr Zeit für sich

Unterrichtungen durch hochrangige Regierungsmitglieder über aktuelle Themen und geopolitische Brandherde, offizielle Gesprächsrunden und öffentliche Auftritte machten dagegen an vielen Tagen nur „zwei, drei Stunden“ aus.

Studiert man die Terminübersicht, wird deutlich, dass Trump gerade nach den von den Republikanern teilweise verlorenen Kongresswahlen im November noch mehr freie Zeit für sich beansprucht.

Doch die verloren gegangenen Midterms sind nicht die einzigen Schwierigkeiten für ihn: Das FBI rückt immer näher an den US-Präsidenten heran. Der Shutdown ließ den Fremdschäm-Faktor für Trump in die Höhe schießen. Das sind Donald Trumps größten Probleme.

Chef-Sekretärin von Trump: „Schändlicher Vertrauensbruch“

Ehemalige Regierungsmitarbeiter sind beunruhigt. Ein Trump, der weitgehend sich selbst überlassen ist, werde in Zukunft noch mehr „irrationale Entscheidungen“ treffen.

Dem widerspricht erwartungsgemäß Chef-Sekretärin Madeleine Westerhout. Sie nennt die Weitergabe der Terminkalender einen „schändlichen Vertrauensbruch“. Der Präsident absolviere „jeden Tag Hunderte Meetings und Gespräche“. Mit wem, sagte sie nicht.

Trump widerspricht Kritik an Arbeitspensum

Eine knappe Woche, nachdem Trumps Terminkalender bekannt wurde, hat sich nun auch der Präsident dazu geäußert. Am Sonntag schrieb Trump auf Twitter, dass über den Terminkalender eigentlich nur Positives hätte berichtet werden sollen. „Wenn der Begriff ,Executive Time’ benutzt wird, dann bedeutet das im Allgemeinen, dass ich arbeite und nicht entspanne.“

Auch in dieser Aussage führte Trump wieder seine angeblich hohe Arbeitsbelastung an: „Tatsächlich arbeite ich vermutlich mehr Stunden als fast jeder andere Präsident in der Vergangenheit. Als er das Amt übernommen habe, sei das Land in einem verheerenden Zustand gewesen; „ich hatte gar keine andere Wahl, als sehr viel zu arbeiten.“

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