Regierungs-Airbus

G20-Pannenflug: Lufthansa widerspricht Schuldzuweisungen

Am 29. November verließ Angela Merkel nach einer Panne den Regierungsflieger „Konrad Adenauer“ vom Hersteller Airbus.

Am 29. November verließ Angela Merkel nach einer Panne den Regierungsflieger „Konrad Adenauer“ vom Hersteller Airbus.

Foto: Jörg Blank / dpa

Wegen eines Defekts an der Regierungsmaschine war die Kanzlerin verspätet zum Gipfel nach Argentinien gereist.

Berlin.  Die Maschine war bereits über den Niederlanden, als sie wenden und in Köln zwischenlanden musste. Es war der Beginn einer peinlichen Odyssee, an deren Ende Kanzlerin Angela Merkel mit zwölfstündiger Verspätung den G20-Gipfel in Buenos Aires erreichte – per Linienflug mit der Airline Iberia.

Grund war eine defekte Verteilerbox am Regierungsjet „Konrad Adenauer“, was auch die Funkanlage und die Anlage, über die Kerosin abgelassen wird, betraf. Nun soll laut einem Bericht feststehen, wen die maßgebliche Schuld an der Panne am Airbus A 340 trifft: die Lufthansa.

Lufthansa informierte nicht über neues System

Wie der „Spiegel“ berichtet, habe das Unternehmen 2010 ein neues digitales Kommunikationssystem eingebaut, es aber versäumt, die Piloten der Flugbereitschaft und den Hersteller Airbus zu informieren.

Die Lufthansa widerspricht diesem Vorwurf. Der Konzernsprecher von Lufthansa Technik, Jens Krüger, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag: „Die Lufthansa Technik hat zu jedem Zeitpunkt sämtliche luftrechtlichen Vorgaben eingehalten. Das gilt auch für den Umgang mit den Dokumentationspflichten.“ Zu Einzelheiten äußerte er sich nicht.

Auch das Verteidigungsministerium widerspricht Berichten, nach denen die Hauptschuld bei der Lufthansa Technik liege. „Maßgeblich für den Zwischenfall war ein Ausfall eines Bauteils, in der Folge auch der Funkgeräte. Dies liegt nicht an Lufthansa Technik“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Donnerstag. Die Sicherheit an Bord sei stets gewährleistet gewesen, hieß es.

Piloten konnten im Airbus „Konrad Adenauer“ nicht angemessen reagieren

Laut „Spiegel“-Bericht habe der Umbau zur Folge gehabt, dass die Piloten auf dem Weg nach Argentinien nicht angemessen auf einen Stromausfall der Bordelektronik reagieren konnten.

Denn das digitale System muss im Notfall anders bedient werden als ein analoges. Den Piloten fehlte aber die Anleitung dafür. Sie mussten den Flug schließlich abbrechen. Noch bis Januar bleibt der Flieger am Boden.

Schaden an Regierungsflugzeug verzögert Merkels G20-Reise
Schaden an Regierungsflugzeug verzögert Merkels G20-Reise

Merkel nahm die Posse augenscheinlich gelassen hin. Ihr Sitznachbar auf dem Iberia-Linienflug berichtete von einer entspannten Kanzlerin. Weil sich durch die Panne auch ihre Rückflugzeit verschoben hatte, konnte sich Merkel sogar noch einen netten Abend in Buenos Aires machen – und wurde von Passanten bejubelt.

Für Politik war damals aber natürlich auch noch Zeit. Unter anderem traf die Kanzlerin Russlands Präsidenten Wladimir Putin zum Gespräch.

Angela Merkel reist im Lufthansa-Flieger auf Business-Class-Niveau

Die Bundeswehr betreibt mit der „Konrad Adenauer“ und dem Schwesterflugzeug „Theodor Heuss“ zwei Airbus-Maschinen des Typ A 340. Beide werden bei der Lufthansa Technik gewartet – die technische Ausstattung wird dabei regelmäßig an den aktuellen Stand der gesamten Lufthansa-Flotte angepasst, wie es seitens der Bundeswehr heißt.

So könnten vor allem die Bundeskanzlerin und Außenminister Heiko Maas (SPD) auf dem Niveau der Business-Klasse reisen und Annehmlichkeiten wie Breitband-Internetverbindungen nutzen, heißt es.

Ein Effekt der Wartung bei der Lufthansa sei zudem: Die Bundeswehr könne so günstig auf Ersatzteile zurückgreifen, die die Kranich-Airline in großen Stückzahlen für die eigenen Maschinen bestellt. (cho/ac/dpa)