EU-Parlament

Telefonieren ins EU-Ausland wird ab Mai 2019 günstiger

Nach den Roaming-Gebühren will die Europäische Union nun auch hohen Preisen für Telefonate ins EU-Ausland ein Ende setzen.

Nach den Roaming-Gebühren will die Europäische Union nun auch hohen Preisen für Telefonate ins EU-Ausland ein Ende setzen.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Bisher kosten Anrufe ins EU-Ausland viel Geld. Damit ist ab Mai 2019 Schluss. Das hat das EU-Parlament in Straßburg nun beschlossen.

Straßburg.  Telefonieren innerhalb Europas ist für viele Verbraucher immer noch eine Kostenfalle: Wer sich vorübergehend im EU-Ausland aufhält und nach Deutschland mit dem Handy telefoniert, zahlt zwar keine Extragebühren mehr. In umgekehrter Richtung aber, von Berlin nach Budapest oder von Essen nach Paris, werden Kunden noch immer kräftig abkassiert.

Bis zu 15 Euro kann ein zehnminütiges Gespräch ins EU-Ausland kosten, haben Verbraucherschützer ermittelt. Gut die Hälfte der Telefonkunden ahnt nach Umfragen davon aber nichts.

Anrufe und Nachrichten werden gedeckelt

Doch jetzt naht ein Ende der Abzocke: Ab Mai 2019 sollen die Gebühren auch aus dem Heimatland ins EU-Ausland gedeckelt werden. Das EU-Parlament stimmt am Mittwochmittag über entsprechende neue Regeln für Telefonate ab.

Ein Anruf mit dem Handy oder übers Festnetz darf dann nicht mehr als 19 Cent in der Minute kosten, eine SMS nicht mehr als 6 Cent.

Nach der Zustimmung im Parlament muss formal noch der Rat der Mitgliedstaaten grünes Licht geben. Eine Grundsatzeinigung über die Neuerungen war im Juni erzielt worden.

EU-Sozialdemokraten: bisherige Praxis ist „unverschämt“

EU-Parlamentarier sprachen von einem wichtigen Schritt in Richtung digitaler Binnenmarkt, auch Verbraucherschützer sind zufrieden. Die bisherige Praxis sei „unverschämt“, rügten die Sozialdemokraten im Parlament, als „widersinnig und inakzeptabel“ bezeichneten die Christdemokraten die aktuelle Preisgestaltung.

Doch sowohl das EU-Parlament als auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen wollten eigentlich mehr: Die Extragebühren für Anrufe in andere EU-Länder sollen komplett abgeschafft werden, fordern sie.

Das war allerdings in den Gesetzesverhandlungen mit den EU-Mitgliedstaaten und der Kommission nicht durchsetzbar. Vor allem EU-Länder mit großen staatlichen Telekommunikationsunternehmen sperren sich gegen das komplette Verbot der Extragebühren.

Roaming-Gebühren wurden 2017 abgeschafft

Bereits im Sommer 2017 waren die sogenannten Roaming-Gebühren für Anrufe aus fremden Netzen im EU-Ausland abgeschafft worden. Seitdem dürfen Handy-Telefonate aus dem EU-Ausland nach Deutschland nicht teurer als ein Inlandsgespräch sein.

Dagegen waren Gespräche aus den Heimatnetzen ins Ausland nicht von diesen Regeln betroffen. Bislang kosten solche Telefonate oft sehr viel und sind eine Kostenfalle. Besonders tief in die Tasche greifen müssen Anrufer nach Bulgarien, Malta, die Slowakei oder Zypern. Bis zu 1,49 Euro verlangen Anbieter pro Minute, berichten die Verbraucherschützer.

Laut Daten des Europäischen Verbraucherverbands fielen in Deutschland im Jahr 2016 bis zu 1,99 Euro Gebühren pro Minute für Auslandsgespräche per Handy an.

Die geplanten neuen EU-Vorgaben stoßen bei den Verbraucherschützern auf Zustimmung. „Dank der neuen Regelung werden Verbraucher ab Mai 2019 in den meisten Fällen für ihre Anrufe ins EU-Ausland erhebliche Kosten einsparen“, erklärte ein Sprecher des Europäischen Verbraucherverbands.

EU-Roaming: Auf diese Kostenfallen müssen Handynutzer achten
EU-Roaming: Auf diese Kostenfallen müssen Handynutzer achten

Neues EU-Gesetzespaket beinhaltet weitere Neuerung

  • Art umgekehrter Notruf: Bei gefährlichen Großlagen wie Terroranschlägen und Naturkatastrophen sollen Handynutzer per SMS oder App gewarnt werden können. Ein solches System müssten die EU-Mitgliedstaaten innerhalb von 18 Monaten nach der offiziellen Verabschiedung der EU-Regeln auf die Beine stellen.
  • Telefon- oder Handyverträge sollen künftig einen leicht verständlichen Überblick über die Konditionen bieten.
  • Informationen über mögliche Kostenrückerstattungen müssen enthalten sein – etwa wenn Verbrauchern bei einem Anbieterwechsel noch ungenutztes Prepaid-Guthaben bleibt.
  • Anreize zum Aufbau eines schnelleren Internets: So sollen sich Telekommunikationsunternehmen zusammentun dürfen, um in abgelegenen Gegenden den Breitbandausbau voranzutreiben.
  • Bis 2020 sollen Frequenzen für das Mobilfunknetz der fünften Generation (5G) verfügbar sein. Die EU-Länder sollten die entsprechenden Spektren für 20 Jahre an Telekommunikationsunternehmen vergeben. Diese Perspektive soll den Firmen höhere Sicherheit für Investitionen gewähren.

(mit jha)