Landtagswahl

Nach Panne: AfD wählt Björn Höcke zum Spitzenkandidaten

AfD-Landeschef Björn Höcke bedankt sich beim Landesparteitag der AfD Thüringen nach seiner Eröffnungsrede beim Publikum.

AfD-Landeschef Björn Höcke bedankt sich beim Landesparteitag der AfD Thüringen nach seiner Eröffnungsrede beim Publikum.

Foto: arifoto UG / dpa

Björn Höcke ist AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Thüringen. Er wurde am Samstag von 84,4 Prozent der Delegierten gewählt.

Arnstadt.  Thüringens AfD geht mit ihrem umstrittenen Parteichef Björn Höcke als Spitzenkandidat in die Landtagswahl 2019. Der 46-Jährige erhielt bei der Kandidatenkür am Samstag auf einem Parteitag in Arnstadt 238 von 297 abgegebenen Stimmen.

Das Wahlergebnis wurde mit 84,4 Prozent angegeben. Höcke, der in der AfD ein Wortführer des ultrarechten Flügels ist, hatte keinen Gegenkandidaten.

Seine Wahl erfolgte nach etwa zweieinhalbstündiger Unterbrechung des Parteitags im zweiten Anlauf. Es hatte Befürchtungen gegeben, dass einzelne Mitglieder beim ersten Durchgang zwei Stimmzettel abgegeben haben.

Die Parteitagsregie wechselte aufgrund der Panne die Farbe der Stimmzettel von weiß auf rosa. Nur wer sich vorher in einem zeitaufwendigen Verfahren registrieren ließ, bekam einen neuen Stimmzettel.

Höcke und Gauland gegen „Nazi-Schweinkram“

Höcke kündigte an, das Establishment - und damit die Regierung und die etablierten Parteien - «mit allen demokratischen Mitteln» anzugreifen. Die AfD wolle zeigen, „dass man dieses Land anders und besser regieren kann“.

Höcke verlangte in Arnstadt eine Abgrenzung von der rechtsextremen NPD. Er forderte am Samstag auf einem Parteitag in Arnstadt einen AfD-Funktionär aus Nordthüringen auf, auf eine Kandidatur für die Landesliste zu verzichten. Höcke begründete dies damit, dass der Mann einen NPD-Eintrag in den sozialen Medien geteilt habe.

„Wir haben mit der NPD nichts zu tun“, sagte Höcke. Ihm gehe es darum, die AfD vor Schaden zu bewahren.

Der Bundesvorsitzende der AfD, Alexander Gauland, unterstützte die Position Höckes, die kurz für Unruhe im Saal sorgte. Wer „Nazi-Schweinkram“ teile, habe in der AfD nichts zu suchen, sagte Gauland. Die Partei habe es nicht verdient, wegen der Fehler einzelner Mitglieder in Verruf zu kommen.

Ein Jahr vor der Landtagswahl in Thüringen will die Partei auf dem zweitägigen Parteitag in Arnstadt ihre komplette Liste mit insgesamt 44 Kandidaten aufstellen. Es wird mit einer Vielzahl von Kampfkandidaturen gerechnet, weil jedes Parteimitglied für einen Platz antreten kann.

In einer repräsentativen Umfrage lag die AfD in Thüringen zuletzt bei 23 Prozent – als zweitstärkste Partei nach der CDU mit 30 Prozent und knapp vor der Linken mit 22 Prozent. Die Linke stellt mit Bodo Ramelow den Thüringer Regierungschef. (dpa)