Luftfahrtgipfel

Airlines sollen nach Flugausfall unaufgefordert entschädigen

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Vor dem Luftfahrtgipfel: Verbraucherschutzministerin Barley (SPD) fordert von Airlines einfachere Regelungen im Fall von Flugausfällen.

Berlin.  Fluggesellschaften sollen nach Ansicht von Verbraucherschutzministerin Katarina Barley (SPD) bei einem Flugausfall unaufgefordert Entschädigungen an ihre Gäste zahlen. „Verbraucher haben ein Recht darauf, ihre Ansprüche ohne Verlust von Zeit und Geld zu erhalten“, sagte Barley dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Freitag).

Airlines müssten nicht nur entsprechende Anlaufstellen bieten, um Kundenbeschwerden entgegen zu nehmen. Sie müssten auch ihre Internetauftritte übersichtlicher gestalten, damit „Informationen zu Entschädigungen, Beschwerden und Schlichtung für die Reisenden übersichtlicher werden.“

Mit Blick auf den Luftverkehrsgipfel an diesem Freitag in Hamburg sagte Barley dem RND, dass bei Verspätungen und Annullierungen Fluggäste immer die Leidtragenden seien. „Wer einen Flug anbietet, muss ihn auch durchführen“, sagte sie. Fluggesellschaften dürften nicht mehr zu Lasten der Verbraucher an Personal und Ersatzmaschinen sparen, sondern müssten hinreichend Reserven vorhalten, um Engpässe auszugleichen.

14.000 Flüge seit Beginn des Jahres ausgefallen

Bei dem Gipfel berät Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit einigen Landes-Verkehrsministern und Vertretern der Flug-Branche über Verbesserungen im Luftverkehr. Die Fluggäste waren in diesem Sommer weitaus stärker als in früheren Jahren von Verspätungen und Flugausfällen betroffen.

Nach einer Übersicht des kommerziellen Internet-Portals AirHelp sind in Deutschland seit Beginn des Jahres mehr als 14.000 Flüge ausgefallen, doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. 28,8 Prozent aller Flüge in Deutschland waren demnach entweder verspätet oder wurden ganz gestrichen und lösten so Ansprüche der Passagiere gegenüber den Fluggesellschaften in Höhe von 823 Millionen Euro aus.

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Deshalb wuchs der Druck auf Politik und Unternehmen, den Flugverkehr effizienter zu gestalten und Maßnahmen gegen Verspätungen und lange Wartezeiten an den Flughäfen zu ergreifen. Zu den Ursachen für die Probleme zählen überlastete Infrastruktur in der Luft und am Boden, Nachwehen der Insolvenz von Air Berlin, Streiks in verschiedenen Ländern Europas sowie mehr Gewitter und schwierige Wetterlagen.

Politik und Flug-Branche visieren gemeinsame Absichtserklärung an

Am Ende der zweistündigen Beratungen soll eine gemeinsame Absichtserklärung der Teilnehmer stehen, in der mögliche Maßnahmen zu Verbesserungen im deutschen und internationalen Luftverkehr aufgelistet werden. Grundsätzlich auf den Prüfstand soll das System der Sicherheitskontrollen, um sie effizienter zu gestalten. Zudem brauche es flexiblere Arbeitszeiten der Fluglotsen, und der gesamte Flugverkehr müsse durch den Einsatz von Technik standardisiert werden.

An dem Treffen nehmen neben dem Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Scheuer der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der Chef des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) und der Deutschen Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheurle, der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr und der Chef des Frankfurter Flughafens, Stefan Schulte, teil.

Auch SPD-Bundestagsfraktionsvize Sören Bartol hat Verbesserungen für Passagiere gefordert. „Die Reisenden erleben an den Flughäfen teilweise chaotische Zustände bei den Sicherheitskontrollen. Das muss ein Ende haben“, sagte Bartol der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. (dpa/ba)