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Fall Maaßen: Vertrauen in die Regierung schwindet dramatisch

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Haben die Deutschen nach der Versetzung von Maaßen weniger Vertrauen in die Regierung? Das Ergebnis unserer Umfrage ist eindeutig.

Berlin.  Die große Mehrheit der Deutschen hat nach der Versetzung von Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen ins Bundesinnenministerium weniger Vertrauen in die Bundesregierung als zuvor.

Auf die Frage: „Vertrauen Sie der Bundesregierung seit der Versetzung von Verfassungsschutzchef Maaßen ins Innenministerium mehr oder weniger?“ antworteten mit 71,8 Prozent mehr als zwei Drittel der Befragten, dass sie „weniger“ Vertrauen haben. Mehr als die Hälfte (56,1 Prozent) sagten sogar, dass sie „deutlich weniger“ Vertrauen in die Regierung haben.

Das ist das Ergebnis einer exklusiven Umfrage, die unsere Redaktion zusammen mit dem Online-Umfrageinstitut Civey durchgeführt hat (Stand Donnerstag, 20. September 10.20 Uhr).

Nur 6,1 Prozent der Deutschen gaben demnach an, „mehr“ oder „eher mehr“ Vertrauen in die Arbeit der großen Koalition zu haben. Etwas über 1 Prozent sind in der Frage unentschieden.

Auch Unionsanhänger verlieren Vertrauen in Bundesregierung

Interessant sind besonders die Ergebnisse der Unionsanhänger. Auch für viele CDU- und CSU-Wähler steht fest: Sie haben nach der Versetzung von Maaßen, die maßgeblich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Innenminister Horst Seehofer (CSU) getroffen wurde, weniger Vertrauen in die Bundesregierung. Mit 49,6 Prozent sind es fast die Hälfte von ihnen.

Zum Vergleich: Unter den SPD-Wählern sind es sogar 83,5 Prozent. Selbst SPD-Chefin Andrea Nahles hatte die Versetzung am Mittwoch als „schwer erträglich“ bezeichnet. Sie halte die Personalie für falsch, hatte sie im ZDF gesagt.

Maaßen hatte sich zu den Ausschreitungen in Chemnitz geäußert und bezweifelt, dass es eine Hetzjagd auf Migranten gegeben hätte. Er hatte damit Kanzlerin Angela Merkel widersprochen.

Bundesregierung: Koalitionskrise durch Fall Maaßen

Dass der Verfassungsschutz-Chef seinen Job behalten würde, war in den vergangenen Tagen immer unwahrscheinlicher geworden. Der Koalitionspartner SPD hatte sich bereits festgelegt, Parteichefin Andrea Nahles hatte gesagt: „Maaßen muss gehen und er wird gehen“.

Die Personalie hatte Nach tagelangen Diskussionen hatten sich Merkel, Nahles und Seehofer schließlich zu einem Kompromiss durchgerungen: Hans-Georg Maaßen darf nicht Chef des Verfassungsschutzes bleiben – aber er wird Staatssekretär in Seehofers Innenministerium.

Da das de facto eine Beförderung für den Behördenchef darstellt, wurde die Entscheidung – auch in den Reihen von SPD und CDU – zum Teil heftig kritisiert.

• Informationen zu der Umfrage: An der Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey haben am 19. bis 20. September insgesamt 16.409 Personen teilgenommen. Die repräsentative Stichprobe umfasste zu diesem Zeitpunkt 5083 Personen. Der statistische Fehler der repräsentativen Umfrage lag bei 2,5 Prozent. (jr)