Tötungsdelikt

Verdächtiger bestreitet Beteiligung an Chemnitz-Tat

Am Rande des Chemnitzer Stadtfestes wurde Daniel H. niedergestochen. Am Tatort stehen Blumen und Kerzen für den gestorbenen 35-jährigen Deutsch-Kubaner.

Am Rande des Chemnitzer Stadtfestes wurde Daniel H. niedergestochen. Am Tatort stehen Blumen und Kerzen für den gestorbenen 35-jährigen Deutsch-Kubaner.

Foto: Jens Schlueter / Getty Images

Anwalt von Yousif A. hat Berichten zufolge Haftprüfung beantragt. Der Inhaftierte sei nicht an der Messerstecherei beteiligt gewesen.

Chemnitz.  Nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. Ende August in Chemnitz bestreitet offenbar einer der Verdächtigen, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Das berichtet der NDR unter Berufung auf Aussagen des inhaftierten Yousif A. und eines Augenzeugen.

Demnach hat der Anwalt von Yousif A. Haftprüfung beantragt. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Chemnitz dem Sender. Sie machte allerdings keine näheren Angaben über den Tathergang und die Aussagen von Zeugen oder Verdächtigen, die in Haft sind.

Yousif A. will Streit geschlichtet haben

Nach den NDR-Recherchen hat Yousif A. den Tathergang gegenüber dem Leiter der Rechtsabteilung der irakischen Botschaft, Saed Peer Murad, geschildert. Der Inhaftierte soll erklärt haben, dass er mit seinen Begleitern Farhad A. und Alaa S. an dem Abend der Tat eine Shisha-Bar in Chemnitz besucht hätten und am Sonntagmorgen, 26. August, gegen 2.30 Uhr morgens zu einem Döner-Imbiss gegangen seien.

Alaa S. sitzt inzwischen ebenfalls in Haft, Farhad A. ist auf der Flucht, nach ihm wird international gefahndet.

Unterwegs hätten die drei eine Gruppe von Männern und Frauen getroffen, darunter Daniel H., das spätere Opfer. Farhad A. sei zu der Gruppe um Daniel H. gegangen, um nach Feuer für eine Zigarette zu fragen. Dabei seien die Männer in Streit geraten. Yousif A. gibt laut NDR-Bericht an, er habe den Streit geschlichtet. Dann seien beide Gruppen weiter gelaufen.

Tod von Daniel H. löste Demos und Gegendemos aus

Aus dem Döner-Imbiss seien weitere Bekannte gekommen und hätten gefragt, was der Grund des Streits gewesen sei. Daraufhin seien Farhad A. und mehrere der anderen Männer erneut zu der Gruppe von Daniel H. gegangen. Dann sei es zu einer heftigen Auseinandersetzung und der Messerstecherei gekommen. Er selbst, Yousif A., sei daran nicht beteiligt gewesen, sondern habe mehrere Meter abseits gestanden.

Der 35-jährige Deutsche Daniel H. erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Stunden nach der Tat gab es eine erste Demonstration von rund 800 Menschen in Chemnitz, darunter auch gewaltbereite Rechte , die gegen Ausländerkriminalität protestierten.

Einige von ihnen jagten Menschen durch die Straßen, die sie für Ausländer hielten. Am darauffolgenden Montag marschierten Tausende rechtsgerichtete Demonstranten, darunter auch Rechtsextreme, und Gegendemonstranten durch Chemnitz.

Erste Verurteilung wegen Hitlergruß in Chemnitz

Zeuge bestätigt laut Bericht Yousif A.s Aussage

Ein Zeuge, der das Tatgeschehen unmittelbar beobachtet und seine Aussage bei der Polizei zu Protokoll gegeben hat, hat dem NDR gegenüber den Ablauf des Geschehens so geschildert wie Yousif A. auch: Es sei zu einem Streit zwischen Farhad A. und Daniel H. gekommen, daraufhin seien Alaa S. und zwei weitere Bekannte aus dem Döner-Imbiss zum Geschehen geeilt und mit Farhad A auf Daniel H. und dessen Bekannte losgegangen. Der Zeuge sagt auch, dass Yousif A. einige Meter abseits gestanden habe.

Yousif A.s Anwalt, der Berliner Strafverteidiger Ulrich Dost-Roxin, sagte dem NDR, die Auswertung der Spurensicherung belege keine Tatbeteiligung seines Mandanten. Auch gebe es seiner Ansicht nach keine belastenden Zeugenaussagen. „Keine der im Haftbefehl benannten Beweismittel weist nur im Geringsten auf eine Tatbeteiligung meine Mandanten hin.“ Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz machte mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben zu den konkreten Gründen für den Haftbefehl gegen Yousif A..

Anwalt Dost-Roxin hat eine Mitteilung veröffentlicht, in der er erklärt, dass er neben der Aufhebung des Haftbefehls gegen seinen Mandanten auch Personenschutz für Yousif A. beantragt hat. Nach der Inhaftierung hatte ein Beamter aus dem Justizvollzug den Haftbefehl gegen A. öffentlich gemacht; darin waren die persönlichen Daten A.s, darunter seine Adresse, zu finden. (moi)