Sammlungsbewegung

Bewegung „Aufstehen“ soll Wählerwanderung zur AfD stoppen

Man wolle damit ein unkonventionelles Angebot machen und Menschen Einflussnahme ermöglichen, ohne die eigene Partei verlassen zu müssen. Die Volksparteien sieht sie in der Krise. Am Samstag ging die Internetseite der Bewegung online.

Beschreibung anzeigen

Sahra Wagenknecht stellt ihre linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ in Berlin vor. Was die Linken-Fraktionschefin damit erreichen will.

Saarbrücken.  Die linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ soll nach den Worten ihres Mitgründers, des früheren Linken-Vorsitzenden Oskar Lafontaine, politisch heimatlose Wähler ansprechen und auch die AfD schwächen.

Ziel sei es, linken Wählern, die sich in den bisherigen Parteien nicht wiederfinden, eine Plattform zu bieten, sagte Lafontaine der Deutschen Presse-Agentur in Saarbrücken. Sie wolle auch „die Wanderung zur AfD stoppen und vielleicht umkehren“.

Aufstehen von Wagenknecht und Lafontaine gegründet

Dies bedeute nicht, AfD-Parolen nachzulaufen: „Wir wollen das über die soziale Frage lösen.“ Lafontaine sagte zu den fremdenfeindlichen Protesten vom Samstag in Chemnitz: „Der Unmut hat sich nicht in erster Linie durch die Flüchtlingsfrage aufgestaut, sondern durch das Auseinanderfallen der Gesellschaft, durch den Sozialabbau und die dadurch ständig steigende Unzufriedenheit.“

Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht hatte die Bewegung zusammen mit ihrem Ehemann Lafontaine gegründet. Am Dienstag will sie in Berlin die Ziele und die Protagonisten vorstellen, darunter neben Politikern von Linkspartei, SPD und Grünen auch prominente Künstler und Wissenschaftler.

Laut einer aktuellen Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion könnte sich jeder vierte Deutsche vorstellen, „Aufstehen“ zu wählen, wenn die Bewegung bei einer Wahl als Partei anträte.

Demnach erklärten gut 10 Prozent der Befragten, sie könnten sich „auf jeden Fall“ vorstellen, „Aufstehen“ ihre Stimme zu geben. Weitere rund 14 Prozent antworteten auf die entsprechende Frage mit „eher ja“. Eine große Mehrheit sieht dies jedoch anders. Fast 47 Prozent der Befragten antworteten, sie würden „auf keinen Fall“ der Bewegung ihre Stimme geben, weitere knapp 20 Prozent meinten „eher nein“.

Angeblich bereits fast 100.000 Unterstützer

Vier Wochen nach ihrer Gründung nähert sich die Zahl der Unterstützer nach Lafontaines Angaben der Marke von 100.000. Vor gut einer Woche waren es demnach bereits mehr als 85.000. Genaue Zahlen will Wagenknecht bei der Präsentation an diesem Dienstag bekanntgeben. Das steckt hinter ihrer Bewegung.

Die Strukturen müssten erst wachsen, erklärte Lafontaine weiter. „Die Bewegung ist ja im Entstehen.“ Ohne Steuerungsgremium werde man nicht auskommen. Aber: „Wir wollen wirklich auch eine breitere Basis in der Spitze.“ Er selbst werde nicht in der ersten Reihe stehen, sagte er.

Bei anderen Parteien sieht man die Idee einer linken Sammlungsbewegung eher kritisch. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zweifelt etwa an ihrem Sinn.

„Ich weiß nicht genau, was ihre Bewegung gegen die gesellschaftliche Erosion bewegen will“, sagte Ramelow dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag). „Ich bezweifle aber, dass sie als Online-Bewegung viel in Gang bringen kann.“

Gemeinam mit dem Online-Meinungsforschungsinstitut Civey wollen wir herausfinden: Würden Sie die linke Sammlungsbewegung „Aufstehen“ wählen?

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil lehnt Zusammenarbeit ab

Der SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil lehnt eine Zusammenarbeit mit der Sammlungsbewegung strikt ab. „Was Wagenknecht und Lafontaine da machen, ist keine Bewegung, sondern ein Machtkampf innerhalb der Linkspartei“, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil unserer Redaktion.

„Wir brauchen ernsthafte Gespräche über ein progressives rot-rot-grünes Bündnis statt Internetseiten ohne politische Konsequenz.“ Auch andere SPD-Politiker wie etwa Vize Ralf Stegner hatten sich zuvor ähnlich geäußert.

Kritik, die Bewegung habe kein politisches Programm, wies Lafontaine zurück. Man wolle höhere Renten, höhere Löhne, bessere soziale Leistungen, keine Kriegseinsätze der Bundeswehr, keine Waffenlieferungen und eine Europapolitik der guten Nachbarschaft: „Wenn die Hälfte davon im Bundestag realisiert würde, dann hätten wir eine andere Gesellschaft.“

Bei der Vorstellung von „Aufstehen“ wird auch die Flensburger SPD-Oberbürgermeisterin Simone Lange. Sie war gegen Andrea Nahles bei der Wahl zur SPD-Parteichefin angetreten und hatte mit 27,6 Prozent einen Achtungserfolg erzielt. (bekö/W.B./dpa)