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Die Debatte um die Organspende ist überfällig

Eine Frau zeigt einen Organspendeausweis. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Richtlinien der Organspende neu definieren.

Eine Frau zeigt einen Organspendeausweis. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Richtlinien der Organspende neu definieren.

Foto: Axel Heimken / dpa

Wer behauptet, die bestehende Organspende-Regelung reiche aus, der geht in seiner Argumentation über Leichen.

Berlin.  Manchmal muss eine Gesellschaft abwägen zwischen dem Wohle des Einzelnen und dem Wohle von allen. Es ist die vornehmste Aufgabe der Politik, solche Debatten anzustoßen. Daher ist der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Organspende richtig. Auch in der Sache.

Mit einer Widerspruchslösung gewinnt man sofort all diejenigen, die eine eigene Organspende im Prinzip befürworten, aber aus Bequemlichkeit oder Nachlässigkeit sich nie einen Ausweis besorgt haben oder ihn nicht mit sich führen.

Selbstverständlich muss niemand für Organspende sein. Daher bliebe jedem bei der Neuregelung die Entscheidung überlassen. Aber wer behauptet, die bestehende Regelung reiche aus, geht in seiner Argumentation über Leichen.

Deutschland ist bei Organspende eines der Schlusslichter Europas

Ohne Not sterben jedes Jahr Patienten, die mit einem Spenderorgan hätten gerettet werden können. Deutschland ist bei der Organspende eines der Schlusslichter Europas. 2017 fiel die Zahl der Spenden auf historischen Tiefstand. Der Trend zur Ich-Gesellschaft hinterlässt auch in der Gesundheitsversorgung tiefe Spuren. Daher ist die Debatte überfällig.

Und was wäre schlimm daran, wenn wir ein Verfahren einführen, das bei unseren Nachbarn in Frankreich, Österreich, Polen, Tschechien und den Niederlanden gut funktioniert und schon vielen Menschen das Leben gerettet hat?

Hier finden Sie das Contra von Kerstin Münstermann zum Thema .