ARD-Talkshow

Merkel nennt Trumps G7-Tweet bei Anne Will „deprimierend“

Trump und die anderen: Dieses Bild, das Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag vom G7-Gipfel getwittert hatte, sagt vieles über die Isolation des US-Präsidenten in der internationalen Gemeinschaft.

Foto: HANDOUT / REUTERS

Trump und die anderen: Dieses Bild, das Regierungssprecher Steffen Seibert am Samstag vom G7-Gipfel getwittert hatte, sagt vieles über die Isolation des US-Präsidenten in der internationalen Gemeinschaft. Foto: HANDOUT / REUTERS

Angela Merkel hat Donald Trump für seinen Auftritt beim G7-Gipfel scharf gerügt. Bei Anne Will nannte sie den Vorgang „ernüchternd“.

Berlin.  Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat US-Präsident Donald Trump für seine Entscheidung, die Zustimmung zum Abschlusskommuniqué des G7-Gipfels zurückzuziehen, scharf kritisiert. „Die Rücknahme per Tweet ist natürlich ernüchternd und auch ein Stück deprimierend“, sagte Merkel am Sonntagabend in der ARD-Talksendung „Anne Will“ . Und sie fügte später hinzu: „Die Sache ist nicht schön. Ich hab’ ja von Ernüchterung gesprochen, was bei mir schon viel ist.“

Die Bundesregierung halte aber an dem Papier fest, es sei beschlossen und rechtskräftig. Merkel reagierte weitgehend gelassen auf Trump. Immer weiteres Anheizen der Sprache mache die Dinge nicht besser, begründete sie ihre Haltung auf eine entsprechende Frage von Will.

Der Schritt des US-Präsidenten mache die Lage aber nicht einfacher, sagte die Kanzlerin. Dennoch werde sie die Gespräche mit ihm fortsetzen, etwa im Juli beim Nato-Gipfel in Brüssel.

Ende der Partnerschaft mit den USA sieht Merkel nicht

Die Entscheidung Trumps habe sie in der Haltung bestärkt, sich noch mehr für eine einheitliche, starke Europäische Union einzusetzen, sagte Merkel. Europa müsse sein Schicksal mehr in die Hand nehmen und seine Werte selbst verfechten, gegebenenfalls mit Japan. Auf die USA dürften sich Deutschland und Europa nicht mehr „etwas leichtfertig“ verlassen. Ein Ende der Partnerschaft mit den USA sah Merkel trotz der protektionistischen Politik Trumps nicht. Es gebe gute Gründe weiter für die transatlantische Partnerschaft zu kämpfen.

(ba/dpa)

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