Bürgerkrieg

Luftangriff auf Schule in Syrien: Offenbar 15 Kinder getötet

Aus der weitgehend von Regierungstruppen zurückeroberten Rebellenenklave Ost-Ghuta in Syrien fliehen weiter tausende Zivilisten. Seit Beginn einer Offensive Mitte Februar wurden laut Aktivisten me...

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In der Region Ost-Ghuta ist eine Schule durch einen Luftangriff getroffen worden. Russische Flugzeuge sollen dafür verantwortlich sein.

Damaskus.  Durch einen Luftangriff auf eine Schule im syrischen Rebellengebiet Ost-Ghuta sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 15 Kinder und zwei Frauen getötet worden. In der Stadt Irbin seien zudem mehr als 50 Menschen verletzt worden, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montagabend.

Für den Angriff seien wahrscheinlich russische Flugzeuge verantwortlich. Die Opfer hätten im Keller einer Schule Zuflucht gesucht. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sitzt in London und sammelt Berichte von Aktivisten aus Syrien . Eine weitere offizielle Bestätigung für den Angriff und über die Anzahl der Todesopfer gab es zunächst nicht.

Humanitäre Lage in Ost-Ghuta weiterhin kritisch

Ost-Ghuta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus gehört zu den letzten Gebieten in Syrien, die noch von Rebellen kontrolliert werden. Die Region erlebt seit Mitte Februar die schwerste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor rund sieben Jahren. Aktivisten zufolge konnten die Armee und Verbündete mittlerweile den größten Teil des bisherigen Rebellengebietes einnehmen. Irbin wird jedoch noch von Gegnern der Regierung kontrolliert.

UNO dringt auf Hilfe für Ost-Ghuta in Syrien

Die humanitäre Lage in Ost-Ghuta ist katastrophal. Es fehlt an Nahrung, Trinkwasser, Medikamenten, medizinischen Gütern und Strom. Seit Beginn der Offensive Mitte Februar sind den Menschenrechtlern zufolge mehr als 1450 Zivilisten in dem Gebiet getötet worden. Aus Angst vor Bombardierungen leben viele Menschen seit Wochen in Kellern. In den vergangenen Tagen waren Zehntausende Menschen vor den Kämpfen in Richtung von Gebieten geflohen, die von der syrischen Armee kontrolliert werden.

Syriens Präsident Baschar al-Assad hatte am Sonntag die syrischen Regierungstruppen in Ost-Ghuta besucht. Offizielle Fotos zeigten den Machthaber, wie er vor einem Panzer stehend mit Soldaten spricht.

Erdogan droht mit Einmarsch in Irak

Auch in der Region Afrin im Nordwesten Syriens ist die Lage für die Menschen katastrophal und verschärft sich zunehmend. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Montag, die Kämpfer hätten in großem Ausmaße Geschäfte, Häuser und Regierungsgebäude ausgeraubt.

Der Sprecher der Kurdenmiliz YPG, Brossik al-Hassaka, sagte, die Eroberer hätten wie früher die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auch Gebäude angezündet und religiöse Statuen zerstört. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan drohte mit einer Ausweitung der Offensive nach Ostsyrien und einem Einmarsch in den benachbarten Irak.

Mützenich: „Völkerrechtswidrige Aggression“

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Rolf Mützenich, forderte die Bundesregierung auf, das türkische Vorgehen als völkerrechtswidrig zu verurteilen. „Das ist eine völkerrechtswidrige Aggression“, sagte er der „Frankfurter Rundschau“. Er wünsche sich deshalb eine eindeutigere Haltung der Bundesregierung in der Nato und den Vereinten Nationen.

Nach Angaben der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International sind im Norden Syriens Hunderttausende Menschen auf der Flucht, seit türkische Truppen und Dschihadisten das Gebiet Afrin eingenommen haben. Um sich in Sicherheit zu bringen, habe sich quasi die gesamte Stadtbevölkerung von Afrin aus in Richtung Aleppo aufgemacht, das mehrere Tage Fußmarsch entfernt sei, sagte Bernd Eichner, Sprecher der Organisation der „Heilbronner Stimme“ (Dienstag). „Und es gibt aktuell keinerlei Versorgungsstrukturen durch Hilfsorganisationen.“ (dpa)