Sayn-Wittgenstein

Sayn-Wittgenstein sorgte mit Namensstreit für Aufregung

Doris von Sayn-Wittgenstein beim Bundesparteitag der AfD in Hannover.

Doris von Sayn-Wittgenstein beim Bundesparteitag der AfD in Hannover.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Wer ist die Frau, die fast AfD-Chefin wurde und jetzt aus der Partei ausgeschlossen werden soll? Der Adel: „Die gehört nicht zu uns.“

Berlin. Die AfD-Spitze wird der 64-jährigen Doris von Sayn-Wittgenstein "parteischädigendes Verhalten" vor. Unter anderem weil die Politikerin aus Schleswig-Holstein einen rechtsextremen Verein unterstützt. Doch so einfach wird der Ausschluss aus der Partei nicht werden, die Frau will sich wehren und Landesvorsitzende bleiben. Sie plane sogar gegen die Entscheidung der Partei juristisch vorzugehen.

Der genaue Vorwurf: Doris Sayn-Wittgenstein soll Fördermitglied des vom thüringischen Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Vereins Gedächtnisstätte gewesen sein. Und dieser Verein steht auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD.

Sayn-Wittgensteins Posten als Landtagsabgeordnete soll jetzt unbesetzt bleiben, bis ein neuer Vorsitzender gewählt worden ist. Es ist nicht das erste Mal, dass Doris Sayn-Wittgenstein für Schlagzeilen sorgt, die ihr nicht lieb sein können.

Vor allem ihr auffälliger Nachname gab Anlass zu vielen Spekulationen. Ist es wirklich ihr echter Name, also von Geburt an? „Adel“, das kommt von „edel“, lateinisch „nobilitas“, und meint die von edlem Geschlecht, diejenigen mit einem überlieferten, ja sogar selbstverständlichen Herrschaftsanspruch.

Doris von Sayn-Wittgenstein hatte Ärger mit Namen

So etwas würde man natürlich gern für sich in Anspruch nehmen, so qua Namen. Beinahe wäre Doris Fürstin von Sayn-Wittgenstein sogar mal in den Vorstand der Bundespartei aufgerückt. Auf einem AfD-Parteitag hielt die Anwältin, die dem rechtsnationalen Flügel um Björn Höcke nahesteht, eine radikale Rede, die ihr sogar noch die Anerkennung von Alexander Gauland, der dem rechten Lager der Partei angehört, einbrachte: „Frau von Sayn-Wittgenstein hat eine Rede gehalten, die an das Herz der Partei appelliert hat, und da war es völlig gleichgültig, wo sie steht oder wo sie herkommt", befand Alexander Gauland damals. So ganz egal war ihr Name aber doch nicht.

Familienchef Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein: Sie hieß „Doris Ulrich“

Denn schon bald fragten viele Menschen nach: „Wie adelig ist die rechte AfD-Fürstin wirklich?“ Was nichts anderes meint als: Gehört die Frau wirklich dem Haus Sayn-Wittgenstein an, dessen Wurzeln bis ins frühe zwölfte Jahrhundert zurückgehen?

AfD-Parteitag: Gauland wollte eigentlich nicht kandidieren
AfD-Parteitag: Gauland wollte eigentlich nicht kandidieren

Fragte man einen, der es wissen muss, dann ist die Antwort von Familienchef Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn eindeutig: „Die gehört nicht zu uns. Weder zu meiner nahen noch fernen Verwandtschaft. Ihr Name ist zwar sehr ähnlich, aber in unserer Familie tragen alle ein ‚zu‘ im Namen, kein ‚von‘.“ Und er wurde im Gespräch mit dieser Redaktion noch deutlicher: „Sie hat den Namen erworben, sie hieß früher ganz anders.“ Laut dem 75-Jährigen hieß die AfD-Frau früher „ Doris Ulrich“.

Nach Adoption wird Geburtsurkunde geändert

Auf Nachfrage antwortete die Fürstin damals: „Ich trage meinen Namen zu Recht. Es ist mein Geburtsname, das wurde von Gerichten bestätigt.“ Womit sie tatsächlich recht hat: Denn wird jemand adoptiert, wird der neue Name zum Schutz des Adoptierten in die Geburtsurkunde eingetragen. Weiter erklärte sie: Sie habe nur kurz den Namen Doris Ulrich geführt. Es handele sich dabei um den Namen ihres ersten Ehemannes. Nach der Scheidung habe sie dann beschlossen, wieder den "Geburtsnamen" Sayn-Wittgenstein anzunehmen.

Ein anderer Adliger ärgerte sich über die Aussagen der AfD-Frau. Auf Facebook schrieb Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe: „AfD, Adoptivstapler und die Sache mit der materiellen Wahrheit“. Die Geburtsurkunde gebe im Falle der AfD-Frau, lediglich die „formelle“ Wahrheit wieder.

So sollen die meisten „von Sayn-Wittgensteins“ auf einen abgespaltenen Zweig der Familie zurückgehen. Auf Prinz Hermann zu Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, der ehelichte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Bürgerliche, mit der er zwei Söhne hatte. Er verzichtete 1905 auf die Zugehörigkeit zum Hause Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Die Söhne Alexander und Adalbert wurden in die Adelsmatrikel nur noch mit den Namenszusätzen „Fürst“ „von“ „Sayn-Wittgenstein“ eingeschrieben.

Titel war 1979 für 100.000 Mark zu haben

Nach dem Tod der beiden wäre die Linie ausgestorben. Doch Alexander hatte eine Tochter: Elisabeth Gertrud von Sayn-Wittgenstein. Über sie schrieb die Münchner „tz“ 1979 mit der Überschrift: „Münchner Prinzessin verkauft ihren Namen für 100.000 DM“.

Aus Adelskreisen heißt es, dass Elisabeth Gertrud von Sayn-Wittgensteindamals über den Titelhändler Hans-Hermann Weyer einen Bruno Lothar Koch kennengelernt habe, den sie heiratete. Er verschwand kurz danach und nahm den Namen mit. Später soll sie zudem einen Immobilienhändler adoptiert haben. Vor allem über diese beiden Männer soll der Name durch Adoptionen verbreitet worden sein.