Plädoyer

Nebenkläger im NSU-Prozess will lebenslange Haft für Zschäpe

Blutige Spur des Neonazi-Terrors: Das ist der NSU

Zehn Morde, Sprengstoffanschläge, Banküberfälle: Der NSU hat eine Spur der Gewalt durch Deutschland gezogen. Beate Zschäpe ist der Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung "Nationalsozialistischer Untergrund" angeklagt.

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Plädoyers im NSU-Prozess: Ein Nebenklage-Anwälte fordert lebenslange Haft für Zschäpe. Die Witwe eines Opfers bemängelt die Aufklärung.

München.  Der Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler hat im NSU-Prozess eine lebenslange Freiheitsstrafe für die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe verlangt. Er unterstützte damit am Dienstag die Strafforderung der Bundesanwaltschaft. Daimagüler sagte in der Fortsetzung seines Plädoyers, seine Mandanten nähmen Zschäpes Entschuldigung nicht an.

Für den mutmaßlichen Waffenbeschaffer Carsten S., der als einziger der fünf Angeklagten im NSU-Prozess voll geständig war, beantragte Daimagüler eine Bewährungsstrafe. Er verlas dazu ein Statement der Tochter des in Nürnberg erschossenen Ismail Yasar, in dem sie die Entschuldigung von Carsten S. annahm. Persönlich äußerte sie sich nicht. Die Bundesanwaltschaft hatte für S. drei Jahre Jugendstrafe gefordert.

Anwalt: Zschäpe sah sich als „Herrenmensch“

Daimagüler sagte, Zschäpe sei ein vollwertiges Mitglied des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ gewesen. Sie habe sich als „Herrenmensch“ und „Herrin über Leben und Tod aufgespielt“. „Was haben Sie denn für Deutschland getan?“, fragte Daimagüler die Hauptangeklagte direkt.

Als Gegensatz beschrieb er die Tochter eines iranischstämmigen Kölner Geschäftsmannes: Diese sei bei einem Bombenanschlag des NSU schwer verletzt worden, habe aber trotzdem Abitur und Medizinstudium geschafft, so dass sie heute „Tag für Tag in ein Krankenhaus geht und Menschenleben rettet“. Daimagüler hatte sein Plädoyer bereits an den beiden vorangegangen Verhandlungstagen begonnen. Sein Vortrag wurde erneut von Verteidigern unterbrochen.

Witwe von NSU-Mordopfer: Fragen bleiben unbeantwortet

Die Witwe des vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ ermordeten Kioskbetreibers Mehmet Kubasik beklagte am Dienstag eine unzureichende Aufklärung des Verbrechens. „Hier im Prozess sind meine Fragen nicht beantwortet worden“, sagte Elif Kubasik am Dienstag nach Worten eines Übersetzers in ihrem Plädoyer vor dem Oberlandesgericht München. „Warum Mehmet? Warum ein Mord in Dortmund? Gab es Helfer in Dortmund?“, fragte sie.

Unklar sei auch, was der Staat über den NSU gewusst habe. Insofern habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Versprechen einer umfassenden Aufklärung aus dem Jahr 2012 nicht gehalten.

Opfer-Witwe: Es ist schwer, Zschäpes Anblick auszuhalten

Kubasik griff in ihrem Plädoyer die Hauptangeklagte Beate Zschäpe direkt an: Es sei schwer für sie, den Anblick dieser Frau auszuhalten. Deren Aussage sei „einfach ekelhaft“ gewesen. „Es ist alles Lüge, was sie sagte.“ Auch die Form, wie sich Zschäpe entschuldigt habe, sei verletzend und beleidigend gewesen. „Ich hatte das Gefühl, sie macht sich lustig über uns“, sagte Kubasik laut Übersetzung.

Es war das erste Mal seit Jahren, dass im NSU-Prozess wieder Angehörige von NSU-Opfern persönlich das Wort ergriffen haben. Dem NSU werden zehn vorwiegend rassistisch motivierte Morde zugerechnet, darunter der an dem türkischstämmigen Kioskbetreiber Kubasik im April 2006 in Dortmund. (dpa)