Bundestagswahl

Die AfD griff bei allen Konkurrenten Wählerstimmen ab

Im Bundestag wird's eng: Das sind die größten Parlamente der Welt

Bundestagswahl: Die Zahl der Bundestagsabgeordneten wächst nach der Wahl 2017 auf Rekordstärke. Doch wie sieht es in anderen Ländern aus?

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Die Großen ließen reichlich Federn, die Kleinen legten meist zu. Doch wie verliefen bei der Wahl die Wählerströme? Ein Überblick.

Berlin.  Der große Gewinner der Bundestagswahl 2017 ist die AfD. Der Neuling unter den Parteien im Bundestag wilderte in den Revieren aller anderen Parteien, die im künftigen Parlament vertreten sind. Das größte AfD-Reservoir lag jedoch bei den bisherigen Nichtwählern.

Rund 1,2 Millionen Nichtwähler konnte die AfD nach einer Analyse von Infratest dimap für die ARD am Wahlsonntag für sich mobilisieren. Zudem gelang es der Partei, 980.000 CDU-Wähler zu sich herüberzuziehen. Ein herber Aderlass für die Christdemokraten.

470.000 SPD-Wähler gingen zur AfD

Auch gewann die Alternative für Deutschland von der SPD 470.000, von der Linkspartei 400.000 sowie von FDP und Grünen jeweils 40.000 Wähler hinzu. Weitere insgesamt 690.000 Wähler kamen aus dem Lager der Sonstigen.

Für die Union wiederum war die Abwanderung zur AfD noch nicht einmal der größte Batzen auf der Verliererseite. Noch schwerer ins Gewicht fallen die 1,3 Millionen Wähler, die Richtung FDP abwanderten. Auch an die anderen Parteien musste Angela Merkels Partei Stimmen abtreten. Auf der Plus-Seite hat die Union allein schlappe 20.000 Zugänge aus den Reihen der SPD-Anhängerschaft.

So dramatisch war der Wahlabend – und jetzt Jamaika?
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Protestwähler wechselten das Lager

Stichwort SPD. Die Sozialdemokraten dürfte es besonders schmerzen, dass 470.000 ihrer bisherigen Wähler am 24. September ins AfD-Lager überliefen – der größte Einzelposten auf der Verlustseite der SPD. Dabei hatte Spitzenkandidat Martin Schulz im Wahlkampf immer wieder mit drastischen Worten vor den Rechtspopulisten gewarnt. Aber auch an FDP, Grüne, AfD und Linke mussten die Genossen reichlich Stimmen abgeben. Da half es wenig, dass die Partei rund 360.000 Nichtwähler für sich gewinnen konnte.

Ähnlich sieht es bei der Linken aus. 400.000 vormalige Linke-Wähler schwenkten zur AfD über. Da dürften viele Protestwähler einfach mal das Lager gewechselt haben. Dass die Linkspartei mit ihren Spitzenleuten Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch rund 430.000 Wähler von der SPD absaugten, wird der Partei dagegen gefallen – wollte sie sich doch als linke Alternative im Bundestag profilieren.

Hier wettert Martin Schulz gegen die AfD
Hier wettert Martin Schulz gegen die AfD

Die FDP dagegen verdankt ihren Einzug ins Parlament nach vier Jahren Pause neben dem großen Batzen von der Union vor allem Stimmen von den bisherigen Nichtwählern (700.000) und aus dem SPD-Lager (450.000). Auch Grüne und Linke mussten an die Liberalen Wähler abgeben – wenn auch im kleineren Umfang.

Das ist die Wählerschaft der AfD

Nochmal zurück zur AfD. In einer vom ZDF veröffentlichten Befragung untersuchte die Forschungsgruppe Wahlen die sozialen Gruppen mit der höchsten AfD-Affinität. Bundesweit erfolgreich war die AfD demnach vor allem unter den „Arbeitern“: 19 Prozent dieser Gruppe wählten die Partei.

Ansonsten neigen offenbar alle Bevölkerungsschichten in vergleichbarem Maße zur AfD: elf Prozent der Angestellten, zehn Prozent der Beamten und zwölf Prozent der Selbstständigen weist die Statistik als AfD-Wähler aus. Es sind also offensichtlich nicht nur die sozial Schwächeren, für die die AfD attraktiv ist.