Bundestagswahl

Nach diesen Parteien wird am meisten gegoogelt

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Aaron Clamann
Die AfD-Politikerin Frauke Petry könnte sich über das hohe Suchaufkommen für ihre Partei freuen (Archivfoto).

Die AfD-Politikerin Frauke Petry könnte sich über das hohe Suchaufkommen für ihre Partei freuen (Archivfoto).

Foto: imago stock&people / imago/Robert Michael

Wahlkampf im Internet wird immer wichtiger. Eine Analyse zeigt, welche Partei am häufigsten gesucht wird. Mit überraschendem Ergebnis.

Berlin.  Bei der US-Wahl konnte sich Donald Trump – für viele überraschend – durchsetzen, weil er bei bestimmten Themen polarisierte. Schaut man auf die Google-Suchen vor und während der Präsidentschaftswahl, waren dies genau die Themen, die bei der Suchmaschine Google am häufigsten gesucht wurden. Sind also Analysen von Google-Suchen ein besseres Instrument als klassische Umfragen?

Wir haben untersucht, welche Parteien seit einem Jahr vor der Bundestagswahl am häufigsten gesucht wurden und wann sie das höchste Suchaufkommen hatten.

Für unsere Untersuchung hat Google-Trends unserer Redaktion das wöchentliche Suchvolumen zu den größten deutschen Parteien vom 18. September 2016 bis zum 11. Juni 2017 ermittelt. Das höchste Suchvolumen wurde in der Google-eigenen Systematik mit dem Wert 100 versehen, kein Suchaufkommen mit 0.

• AfD: Polarisierung bringt Spitzenplatz

Während Hunderte Demonstranten am Wochenende vom 14.-16. April 2017 auf der Straße gegen den AfD-Parteitag in Köln demonstrieren, zeigen Google-Nutzer ein Suchinteresse, das einzigartig ist. Ein so hohes Suchvolumen wie in der Woche bis zum 16. April hat seit dem 18. September 2016 keine andere Partei generiert. Dieses Tagesergebnis stellt in unserer Analyse den Wert 100 dar.

Die AfD hat nicht nur in sozialen Medien die meisten Likes, auch bei Suchanfragen ist die AfD der Primus unter den Parteien. Daraus zu schließen, dass ausschließlich Sympathisanten dafür sorgen, wäre allerdings nicht richtig - schließlich googeln auch Kritiker von Frauke Petry, Björn Höcke und Co..

• CDU: Ein unspektakulärer Kandidat weckt Interesse

Am 14. Mai Tag haben 8.577.221 Wähler in Nordrhein-Westfalen über eine neue Regierung im bevölkerungsreichsten Bundesland abgestimmt. Für die CDU abgestimmt haben 2.796.683 Personen. Doch gegoogelt haben nach der Christlich Demokratischen Union wohl noch mehr Menschen. In der Woche bis zur Landtagswahl kommt die CDU auf einen Wert von 30,02 und liegt damit hinter der AfD.

Das Interesse der Suchenden dürfte zu einem großen Teil mit politischen Fragen, vor allem aber mit der Person Armin Laschet zusammenhängen. Der bundesweit relativ unbekannte Politiker wurde nach stetig steigenden Umfragen zum Ministerpräsident. Ein Grund für Interessierte, sich genauer mit Laschet und der CDU auseinanderzusetzen.

• FDP: Wahlerfolg lässt Suchanfragen steigen

Es ist der Abend des 14. Mais, FDP-Chef Christian Lindner tritt in Düsseldorf auf die Bühne. Mit leicht rotem Kopf und kaum zu übersehendem Siegerlächeln spricht er nach dem Wahlerfolg der FDP in NRW zu seinen Parteikollegen. So stark die FDP bei der Wahl abgeschnitten hat (+ 4 Prozent zu 2012), so schnellen auch die Suchanfragen zur FDP an diesem Tag in die Höhe.

Die Liberalen erreichen einen Vergleichswert von 21,99 und sind damit viertstärkste Kraft. Zur Zukunft der FDP sagt Lindner “Egal was kommt: Es kann nur besser werden”. Für Google stimmt das nicht ganz, denn nach der NRW-Wahl nimmt das Suchinteresse wieder ab.

• Bündnis90/Die Grünen: Ein Höhepunkt, der nur kurz anhält

Die Woche vom 8. bis zum 15. Januar 2017 war eine Woche voller Höhen und Tiefen für die Grünen. Ein Höhepunkt war das Ende der Urwahl für die Spitzenkandidaten im Wahlkampf am 13. Januar. Sie endete mit einem hohen Suchinteresse.

Gut möglich also, dass Mitglieder und Interessierte kurz vor Ende der Frist noch einmal letzte Infos zu den späteren Gewinnern Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt suchen wollten. Doch der Auftakt zum Bundestagswahlkampf wurde durch sinkende Umfragewerte gestört. Nach einem guten Wert von 15,17 sank dann auch das Suchinteresse.

• Die Linke: Mit großem Interesse gescheitert

CDU und FDP haben am Tag der Landtagswahl in NRW gute Wahlergebnisse mit hohem Suchinteresse verbunden. Auch die Linke wurde an diesem Tag verhältnismäßig häufig gesucht.

Doch der Wahlausgang war denkbar schlecht: die Partei blieb mit 4,9 Prozent unter der Fünf-Prozent-Hürde und flog aus dem Landtag. Doch nicht nur der spannende Wahlabend dürfte zu dem hohen Suchaufkommen (13,16) geführt haben. Dieses hatte sich nämlich schon in der Vorwoche angedeutet.

• SPD: „Google, was waren nochmal Sozialdemokraten?“

Wie bei den Wahlen im Saarland, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gilt auch bei Google: der Blick auf die Ergebnisse ist eine einzige Aneinanderreihung von Enttäuschungen.

NRW-Wahl: So eng wird es jetzt für Martin Schulz
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Einziger Lichtblick war eine Woche der Hoffnung im Januar 2017, in der Interessierte auf die Bekanntgabe des SPD-Kanzlerkandidaten. In der Woche vor der Bekanntgabe am 24. Januar 2017 erreicht die Partei ihren Höchstwert mit 5,87.

• CSU: Die (kleine) Schwesterpartei

Die CSU hat es nicht einfach. Die meisten großen politischen Projekte werden der größeren Schwesterpartei CDU zugeordnet. Nur wenn Parteichef Horst Seehofer mit polarisierenden Vorschlägen auftaucht, wird deutlich, dass die Union aus zwei Parteien besteht. Und so war es auch in der Woche vom 9. Oktober.

Seehofer machte sich für mehr Volksentscheide auf Bundesebene stark – ein Vorhaben, dass die CDU immer wieder abgelehnt hat. Dem Suchinteresse der CSU hat es jedenfalls genutzt und ein relatives Hoch eingebracht – jedoch in einem kaum messbaren Bereich (0,45). In Umfragen zur Bundestagswahl waren CDU und CSU in dieser Woche wieder vereint: mit einem Tief von 29,5 Prozent.

Bei CDU und FDP kam ein hohes Suchvolumen auch mit einem guten Wahlergebnis zusammen. Die Linke zeigt jedoch, dass auch das Gegenteil der Fall ist. Vorhersagen zur Bundestagswahl sind daher auf diesem Weg nicht möglich – denn die einzelne Suchanfrage sagt wenig über die Gesinnung des Suchenden aus. Jedoch lassen sich vorsichtige Schlüsse dazu ziehen, welche Partei am gefragtesten ist. Und wer bekannt ist, kann letztendlich für sich werben.