Terroranschlag

Polizei identifiziert dritten London-Attentäter

Die drei Attentäter von London: Khuram Shazad Butt (l.), Rachid Redouane und Joussef Zaghba (rechts).

Die drei Attentäter von London: Khuram Shazad Butt (l.), Rachid Redouane und Joussef Zaghba (rechts).

Foto: Metropolitan Police

Der Mann soll Italiener sein. Kritik an Ermittlern: Einer der drei Attentäter war behördenbekannt, wurde für ungefährlich gehalten.

London.  Der dritte mutmaßliche Attentäter von London ist identifiziert, wie Scotland Yard am Dienstag mitteilte. Der 22-jährige Joussef Zaghba, ein Italiener marokkanischer Herkunft, habe zuletzt in Ost-London gelebt. Die Polizei meldete auch eine neue Festnahme.

Laut der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ war Zaghba bereits 2016 am Flughafen von Bologna von den Behörden überprüft und an einer Reise nach Syrien gehindert worden. Großbritannien sei daraufhin über Zaghba informiert worden. Die Zeitung bezieht sich auf eine nicht näher genannte Quelle in Geheimdienstkreisen. Scotland Yard wies die Darstellung zum Teil zurück: Zaghba sei weder der Polizei noch dem Inlandsgeheimdienst MI5 bekannt gewesen.

Kritik an britischen Behörden

Am Dienstag nahmen Terrorermittler in der britischen Hauptstadt einen 27-jährigen Mann fest. Im Ostlondoner Stadtteil Barking durchsuchten Beamte eine Wohnung, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Dort hatten auch die mutmaßlichen Terroristen gelebt.

So sollten Politiker mit der Terror-Angst umgehen
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Die Behörden hatten nach den Anschlägen bereits sieben Frauen und fünf Männer im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen worden, sie aber ohne Anklage wieder freigelassen.

Nach dem Anschlag sind die britischen Sicherheitsbehörden in die Kritik geraten. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie einen der mutmaßlichen Attentäter trotz seiner bekannten radikalen Haltung nicht stärker kontrolliert hätten.

Khuram Shazad Butt hatte in einer TV-Dokumentation unter anderem mit einer Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) posiert. Großbritanniens Anti-Terror-Chef Mark Rowley teilte mit, der Mann sei 2015 überprüft worden. Aber die Behörden hätten keine Belege gefunden, dass er einen Anschlag plane. Daher sei der in Pakistan geborene Brite, der dem Inlandsgeheimdienst MI5 und der Polizei bekannt war, nachrangig eingestuft worden.

Butt arbeitete für die U-Bahn

Trotz seiner Verbindungen zu radikalen Islamisten arbeitete Butt von Mai bis Oktober 2016 für die Londoner U-Bahn. Die Zeitung „The Times“ (Bezahlinhalt) berichtete am Dienstag, Butt habe Verbindungen zu einem der Attentäter des Londoner Terroranschlags vom 7. Juli 2005, bei dem Dutzende Menschen getötet worden waren, sowie zu einem bekannten Hassprediger gehabt.

Der 27-Jährige war verheiratet und hatte zwei Kinder. Er lebte im Ostlondoner Stadtteil Barking, wie auch der zweite mutmaßliche Attentäter Rachid Redouane.

Durchsuchung bei Verwandten

Der 30 Jahre alte Redouane aus Marokko hatte eine kleine Tochter mit einer 38-jährigen Frau, die unterschiedlichen Berichten zufolge entweder aus Irland oder aus Schottland stammt. Er war der Polizei offenbar nicht bekannt.

Die Polizei in Pakistan hat unterdessen die Verwandten von Butt ins Visier genommen. Dutzende Sicherheitskräfte in zivil durchsuchten einem Bericht der Zeitung „The Telegraph“ zufolge am Dienstag ein Restaurant, das einem Verwandten von Butt gehört.

Der Einsatz erfolgte in der Stadt Jhelam, etwa 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Islamabad. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, sagte ein Offizieller, der namentlich nicht genannt wurde, dem Blatt.

Als Kind nach Großbritannien gekommen

Zwar gingen die britischen Sicherheitsbehörden davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter sich in Großbritannien radikalisiert habe. „Aber wir durchsuchen die Häuser aller Verwandten und verfolgen alle Telefonanrufe, die von Familienmitgliedern gemacht wurden“, sagte der Sicherheitsbeamte.

Die pakistanischen Behörden gingen davon aus, dass Butt in Syrien als Attentäter ausgebildet wurde, sagte er. Butt war 1990 in Pakistan geboren worden und als Kind mit seinen Eltern nach Großbritannien gekommen. (dpa)