Geschlechter-Podcast

Hamburger Start-up bricht mit dem Menstruations-Tabu

Lesedauer: 2 Minuten
Laura Kosanke
Britta Wiebe, Gründerin des Start-Ups "Vulvani".

Britta Wiebe, Gründerin des Start-Ups "Vulvani".

Foto: Michael Rauhe

„Vulvani“ klärt über den Zyklus der Frau auf. Die Gründerin spricht über Ekel, die Tamponsteuer und das Arbeitsklima.

Hamburg. In Schottland müssen Schulen und Universitäten bald Tampons und Binden anbieten. Kostenlos. Das fordert Britta Wiebe (30) im Podcast „Das Geschlecht der Anderen“ auch für Deutschland. Mehr noch: Sie wünscht sich, dass auch die Arbeitgeber mitziehen. Wiebe hat das Hamburger Start-up Vulvani mitgegründet, um mit dem Tabuthema „Menstruation“ zu brechen und über den weiblichen Zyklus aufzuklären.

„Von klein auf wird uns beigebracht, dass wir die Periode unsichtbar machen sollen. Dass man es heimlich machen und verstecken soll“, sagt sie. Auf dem Weg zur Toilette würden Mädchen und Frauen eine Faust machen und so den Tampon fest umschließen, weil viele Menschen schon von der Vorstellung des Periodenbluts angeekelt seien. Deshalb werde auch blaues Blut in Werbung für Slipeinlagen gezeigt. Das möchte Wiebe nicht hinnehmen, denn in Filmen werde auch Blut gezeigt und blau sei es nie.

Frauen wissen zu wenig über ihre Periode

Sie begrüßt, dass Bundesfinanzminister Olaf Scholz im vergangenen Jahr die Mehrwertsteuer auf Menstruationsprodukte von 19 auf sieben Prozent gesenkt hat, die sogenannte „Tamponsteuer“. Das habe zum einen die Diskussion um das Tabuthema angeheizt, zum anderen sei es eine finanzielle Entlastung. Im Schnitt fielen nämlich fünf Euro pro Zyklus für Hygieneprodukte an.

„Wenn man das auf die Jahre hochrechnet, ist es schon ein kleiner, netter, finanzieller Vorteil.“ Schmerzmittel sind in der Summe übrigens nicht inbegriffen. Dabei gehören sie bei vielen Frauen zum Alltag. Laut einer Online-Umfrage des Sozialunternehmens Erdbeerwoche leiden 98 Prozent aller Befragten unter Menstruationsschmerzen.

Und trotzdem: Die Steuersenkung hat das Thema nicht enttabuisiert, sagt Wiebe. Stattdessen würden Frauen immer noch zu wenig über ihre Periode, ihren Zyklus und ihren Körper wissen, was gesundheitliche Folgen mit sich ziehe. So könnten Krankheiten nicht erkannt und behandelt werden. Betroffene wüssten oft nicht, dass sie chronisch an Endometriose leiden. Dabei sammeln sich schmerzhafte Wucherungen an den Eierstöcken oder anderen Organen an. Im Podcast spricht Wiebe auch über die Folgen der Krankheit, den Stand der Forschung und ein harmonisches Arbeitsklima.