ZDF-Talk

„Markus Lanz“: Fußballprofis über Rassismus auf dem Rasen

| Lesedauer: 6 Minuten
Karina Krawczyk
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Wie lösen wir das Problem? Im ZDF-Talk erzählen Ex-Profis, wie sie rassistische Anfeindungen auf dem Platz erlebten.

Berlin. 
  • Rassismus ist im Fußball noch immer ein Problem
  • Bei "Markus Lanz" berichteten unter anderem Ex-Fußballprofis wie Gerald Asamoah über ihre Erfahrungen
  • Wie geht man mit Rassismus beim Fußball um? Was die Gäste fordern

„Man darf Rassismus nicht auf den Sozialstatus reduzieren“, sagte Serap Güler bei „Markus Lanz“ und widersprach damit entschieden dem Argument, dass Fremdenhass besonders von den Menschen ausginge, die sich gesellschaftlich abgehängt fühlten. „Das banalisiert das Problem“, erklärte die CDU-Politikerin. Rassismus gäbe es in jeder Gesellschaftsschicht.

„Es geht vielmehr um Wertschätzung und Akzeptanz“, beziehungsweise um deren Defizit. „Da hat auch die Integrationspolitik bisher versagt“, räumte die NRW-Staatssekretärin für Integration ein.

An diesem Donnerstag ging es bei „Markus Lanz“ vor allem um Fußball und Rassismus. Als einzige Frau in der „Lanz“-Runde, stand Serap Güler sozusagen für die politische Dimension des Themas. Die anderen Gäste erzählten eher, was sie persönlich erlebt hatten.

„Markus Lanz“ – Das waren die Gäste:

  • Gerald Asamoah, Ex-Nationalspieler
  • Otto Addo, Fußballtrainer
  • Patrick Owomoyela, Ex-Fußballprofi
  • Ewald Lienen, Fußballtrainer
  • Serap Güler (CDU), Politikerin
  • Mehr dazu lesen Sie hier

Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft, mehr aber noch aus Anlass der Dokumentation „Schwarze Adler“ (heute, 18. Juni, um 23.30 Uhr im ZDF sowie jetzt schon in der Mediathek zu sehen), hatte Markus Lanz neben „Fußball-Legende“ Ewald Lienen drei weitere Ex-Fußballprofis ins Hamburger Studio eingeladen, um über ihre Erfahrungen mit Fremdenhass auf und neben dem Sportplatz zu sprechen.

Was muss passieren, damit sich endlich ändert, was offenbar seit Mitte der 70er Jahre nahezu unverändert besteht? Ausschnitte aus der aktuellen ZDF-Doku belegten, dass schon Erwin Kostedde, der 1974 als erster Schwarzer für die deutsche Nationalelf mit dem „schwarzen Adler“ auf dem Trikot in einem Länderspiel auflief, von Fußballfans zu hören bekam: „Wir wollen keine Schwatten.“

Rassismus auf dem Rasen: Von „Affenlauten“ bis „N-Wort“

„Ihr erzählt das Gleiche, Jahrzehnte später“, stellte Markus Lanz bald fest, und konnte es nicht fassen: Selbst 2020 noch waren beim Pokal-Achtelfinale von Hertha BSC gegen Schalke 04 von den Tribünen „Affengeräusche“ zu hören, sobald Jordan Torunarigha in Ballbesitz kam. Am Ende hatten die Schalke-Fans mit ihren beleidigenden Lauten erreicht, dass der dunkelhäutige Abwehrspieler ausflippte und mit roter Karte vom Platz flog – und Hertha das Spiel verlor.

„Ich war enttäuscht, dass die Schiedsrichter nicht erkannt hatten, was da lief“, kommentierte Otto Addo die Entscheidung. Aber rassistische Anfeindungen erlebte auch er immer wieder: „Es ist leider normal, gerade in Stresssituationen auf dem Spielfeld, Schmähgesänge zu hören“, berichtete der Ex-Bundesliga-Spieler und aktuelle Co-Fußballtrainer bei Borussia Dortmund. Dass der DFB so etwas einfach duldet, sollte sich ändern, forderte er. Lesen Sie hier: „Markus Lanz“ - Warum ist die EM 2021 so politisch?

Rassistische Verunglimpfungen gingen jedem Spieler nah, erst recht den jungen: „Mit 18, 19 Jahren habe ich mich schließlich selbst so gesehen, wie die anderen mich sahen“, begründete Addo, warum er 1999 in der ghanaischen Nationalmannschaft spielte und nicht in der deutschen: „In Ghana war ich willkommen.“

Gerald Asamoah: „Das hat sehr geschmerzt“

Der ebenfalls in Ghana geborene Gerald Asamoah ging als Spieler der deutschen National-Elf den schwierigeren Weg: „Ich habe mich in Deutschland sehr wohl gefühlt“, betonte er. Deshalb sei es für ihn eigentlich eine einfache Entscheidung gewesen, als Teamchef Rudi Völler ihn 2002 fragte.

Bis er 1990 nach Deutschland kam, hatte er ohnehin das „N-Wort“ noch nie gehört, schnell aber gelernt, was es hieß, anders auszusehen. „Ich musste mich deutlich mehr anstrengen“, erinnert sich der heute 42-Jährige, wie er daraufhin alles dransetzte, durch ein gutes Spiel akzeptiert zu werden.

Obwohl Gerald Asamoah am Ende dann sogar zu den „Sommermärchen-Helden“ gehörte, erlebte er in der Bundesliga immer wieder gezielte Verunglimpfungen von Fans der Gegenseite: Während eines Schalke-Spiels in Cottbus 1997 wurde er mit Bananen und Orangen beworfen, wenige Monate nach der WM 2010 noch mit lauten N-Wort-Rufen im Rostocker Stadion beleidigt – bis sogar der Trainer ihn fragte, ob er vom Platz gehen wollte. „Das hat sehr geschmerzt“, erinnerte er sich.

Rassismus: „Es geht um Gleichbehandlung“

Wegen solch bitteren Erlebnisse wünschte sich Patrick Owomoyela auch von der DFB-Elf ein Kniefall-Zeichen, wie es die belgische Nationalmannschaft vor dem Russland-Spiel gesetzt hatte. „Das ist kein politischer Kommentar, es geht um Menschenrechte, um Gleichbehandlung“, fügte der Ex-Fußballprofi und heutiger Fußball-Co-Kommentator hinzu.

Die ZDF-Doku habe für ihn noch etwas anderes offenbart: „Relativieren, runterspielen, weggucken – das war lange Zeit ein Stilmittel“, selbst bei TV-Kommentatoren der Öffentlich-Rechtlichen Sender, weil sie die Beschimpfungen der Fans gedanken- oder kritiklos wiederholten und damit gesellschaftsfähig machten. „Rassismus ist Teil unserer Geschichte. Es muss Anlaufstellen geben, um über das Thema zu sprechen und die Distanz abzubauen“, forderte er außerdem.

Fußball-Legende Ewald Lienen wollte ihm nur zustimmen. Die ZDF-Doku habe ihn „wahnsinnig bewegt“, gab der 67-Jährige zu, weil ihm erst dadurch klar geworden wäre, „was das mit einem jungen Menschen macht, wenn er immer wieder durch eine Hautfarbe ausgegrenzt wird.“

„Wir können den Rassismus nicht allein mit Aufklärung bekämpfen“, sagte er. „Entscheidend ist, was machen die anderen" – also die, die nicht hetzen, sich aber auch nicht einmischen: „Warum nicht?“

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