TV-Kritik

„Maybrit Illner“: Was Karl Lauterbach für Ende Mai erwartet

Lesedauer: 4 Minuten
Jessica Lichetzki
Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner ist nur seit über 20 Jahren das Gesicht der gleichnamigen Sendung "maybrit illner" im ZDF. Beruflich erfolgreich, hat Illner auch privat ihr Glück gefunden.

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Bei „Maybrit Illner“ diskutierten die Gäste über die Lockerungen für Geimpfte und Genesene. Dabei kam sogar stellenweise Hoffnung auf.

Berlin. Bundesweite Lockerungen für vollständig Geimpfte und Genesene – das hat der Bundestag am Donnerstag beschlossen. Bereits am Wochenende könnten Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen wegfallen.

Zwischen Notbremsen und Freiheiten stellt sich vor allem eine Frage: Für wen ist die Pandemie jetzt eigentlich vorbei? Mit diesem Thema beschäftigte sich Maybrit Illner gemeinsam mit ihren Gästen am Donnerstagabend.

"Maybrit Illner" – Das waren ihre Gäste

  • Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitspolitiker
  • Katarina Witt, Unternehmerin
  • Volker Bouffier, Ministerpräsident Hessens
  • Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats
  • Caroline von Kretschmann, Geschäftsführerin eines Hotels in Heidelberg

Die Inzidenzwerte sinken, Fallzahlen nehmen ab und die Impfquote steigt. Vor wenigen Wochen sah die Bilanz allerdings noch nicht so positiv aus. Die Prognose vieler Wissenschaftler lautete: Inzidenzwerte von über 300.

„Würden Sie selber sagen, dass auch Sie einer der derjenigen waren, die übertrieben haben mit der Angst?“, fragte die Moderatorin SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu Beginn der Sendung. „Nein, übertrieben habe ich nicht. Ich habe diese sehr hohen Zahlen nicht für realistisch gehalten“, sagte Lauterbach in der Talkshow. Der Gesundheitsexperte sprach damals von einer Inzidenz von 200.

Die Veränderungen der letzten Tage führte Karl Lauterbach auf unterschiedliche Effekte der vergangenen Wochen zurück. Besonders zentral sei dabei das achtsamere Verhalten der Menschen gewesen. Doch auch die Notbremse habe laut dem Epidemiologen zur Verbesserung der Lage beigetragen.

Lauterbach bei „Maybrit Illner“: Ab Mai sinkt die Inzidenz exponentiell

Die sinkenden Zahlen seien allerdings nicht nur der Impfung geschuldet. Die Impfquote müsse auf etwa 40 bis 60 Prozent steigen, um einen nachhaltigen Effekt zu haben. Dann falle laut dem Gesundheitsexperten die Inzidenz exponentiell ab.

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Und Lauterbach stellte eine hoffnungsvolle Prognose: „Diesen Kipppunkt, den werden wir Ende Mai erreichen. Dann gehen die Zahlen ganz deutlich runter“. Gleichzeitig mahne der Epidemiologe vor zu schnellen Lockerungen.

„Wollen wir nicht noch diese drei Wochen durchhalten, um dann den vollen Genuss zu haben?“, fragte Lauterbach. Auch die Vorsitzende des deutschen Ethikrats Alena Buyx plädierte für eine langsame Öffnungsstrategie. „Wenn man das jetzt Schritt für Schritt, sozusagen so macht, dass man nicht gegen das Impfen quasi öffnet, sondern mit dem Impfen, dann kriegen wir das hin“, sagte Buyx.

Volker Bouffier verteidigt die Entscheidungen der Politik

Für den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier sei es allerdings notwendig, Möglichkeiten für Lockerungen zu schaffen. „Ich kenne niemanden, der jetzt losrennt und völlig ungebremst alles öffnen will“, sagte der CDU-Politiker.

Bouffier geht davon aus, dass bis Juli der größte Teil der Bevölkerung eine Erstimpfung erhalte und dies gehe auch mit Öffnungen einher. „Sie können ein freiheitliches Land nicht mit Verordnungen und Gesetzen und Ähnlichem auf Dauer regieren“, so Bouffier.

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„Hat die Politik deshalb so schnell reagiert, um sich die Blamage vor dem Bundesverfassungsgericht zu sparen?“, wollte Moderatorin Maybrit Illner wissen. Der Ministerpräsident verteidigte die Entscheidungen und Vorgehensweisen der Regierung. „Die Politik kann nicht zaubern“, sagte Bouffier. Demnach müsse man als Politiker offen für wissenschaftliche Erkenntnisse sein und am Ende eine vertretbare Beurteilung treffen.

„Maybrit Illner“: Ethikerin warnt vor sozialen Spannungen

Die Beurteilung über die Freiheiten für Geimpfte und Genesene sorgt allerdings für Diskussionen. Ethikerin Alena Buyx sprach sich positiv für die Gleichstellung von Geimpften, Genesenen und negativ Getesteten aus. Lesen Sie weiter: „Maybrit Illner“ – Warum der Corona-Lockdown wohl länger geht

„Die Gleichstellung, auch wenn die Risiken unterschiedlich sind, ist aus ethischer Perspektive positiv zu beurteilen“, sagte Buyx. Dennoch wies die Vorsitzende auf soziale Spannungen hin, die im Zuge der Lockerungen zunehmen werden. „Das ist keine Neiddebatte. Da geht es tatsächlich um ein Zurücktreten, das man getan hat für andere und eine Art doppelten Nachteil, den man dadurch hat“, akzentuierte Buyx.

Deshalb sei es laut der Vorsitzenden umso wichtiger, schnell im Impfprozess voranzuschreiten, um nach der Aufhebung der Priorisierung auch jüngeren Menschen ein Impfangebot zu machen.