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„Markus Lanz“: Wie angstgetrieben ist die Corona-Politik?

| Lesedauer: 4 Minuten
Benedikt Meyer
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Am Mittwoch diskutierte Markus Lanz mit seinen Gästen über die Bedeutung von Ehrlichkeit und Verantwortung in der Corona-Pandemie.

Berlin. Der ZDF-Talk „Markus Lanz“ beschäftigte sich am Mittwochabend erneut mit der Corona-Pandemie. Während die Fallzahlen in vielen deutschen Städten nur langsam sinken, ist Rostock in Mecklenburg-Vorpommern schon weiter.

Die Hansestadt hat erreicht, wonach derzeit viele Regionen in Deutschland streben: den Corona-Inzidenzwert konsequent unter 50 zu halten. Markus Lanz diskutierte mit dem Rostocker Bürgermeister und Corona-Krisenmanager Claus Ruhe Madsen sowie weiteren Gästen über den richtigen Umgang mit der Pandemie.

Markus Lanz: Das waren die Gäste

  • Claus Ruhe Madsen (parteilos), Rostocker Oberbürgermeister
  • Manfred Weber (CSU), Politiker
  • Hendrik Streeck, Virologe
  • Vanessa Vu, Journalistin
  • Christoph Röckerath, Journalist

Insgesamt nur 16 Corona-Todesfälle in Rostock

Zwei Wörter zogen sich wie ein roter Faden durch den Abend: Ehrlichkeit und Verantwortung. Im Gespräch mit dem Rostocker Oberbürgermeister zitierte Markus Lanz zunächst den französischen Schriftsteller Albert Camus: „Eine Pandemie bekämpft man mit Ehrlichkeit.“

Madsen stimmte zu und kritisierte: „Wir sind super unehrlich und das schon sehr lange“. In Rostock waren die Infektionszahlen bis zuletzt auf niedrigem Niveau, die Stadt verzeichnete bislang nur 16 Corona-Todesfälle.

Was kritisiert der Oberbürgermeister? „Wir reden immerzu davon auf Sicht zu fahren, aber eigentlich schauen wir nur in den Rückspiegel und fahren mit 300 km/h. Wir sind angstgetrieben“, erklärte Claus Ruhe Madsen. Mit einigen Beispielen untermauerte er seine drastische Kritik an der Corona-Politik.

Madsen: „Bekämpfen wir das Virus oder die Menschen?“

Beispiel: Private Feiern. „Uns war lange klar, dass es bei privaten Feiern ein großes Problem gibt. Wir haben aber nicht den Mut gehabt, den Menschen zu sagen: Das müssen wir sofort unterbinden“, führte der Bürgermeister bei „Markus Lanz“ aus.

Beispiel: Job-Angst. Er sprach sich im Lanz-Talk dafür aus, Geschäfte zu öffnen. In Rostock würde er viele Menschen treffen, die große Angst um ihre Jobs hätten. Er fragte außerdem in die Runde: „Bekämpfen wir das Virus oder die Menschen?“

Beispiel: Digitalisierung. Auch in Bezug auf den Stand der Digitalisierung in Deutschland fand der Rostocker Oberbürgermeister ernste Worte: „Das haben wir versäumt.“ In Rostock habe er mit Hilfe eines Start-ups zumindest den Empfang in den Impfzentren digitalisiert.

Beispiel: Mutationen. Claus Ruhe Madsen kritisierte die Debatte über die Verbreitung der Corona-Mutationen. Er sagte im ZDF-Talk: „Maximalkontrolle über unser Leben scheint mir wichtiger, als das Leben mit dem Virus zu lernen.“

Ein verantwortlicher Umgang mit den Corona-Mutanten

Verantwortlichkeit – das zweite wichtige Wort im ZDF-Talk von Markus Lanz. Virologe Hendrik Streeck sagte zu den immer stärker auftretenden Corona-Mutationen: „Sie werden sich ausbreiten. Wir müssen lernen, damit umzugehen.“

Doch „Zeit Online“-Journalistin Vanessa Vu widersprach: „Wir haben die politischen und gesellschaftlichen Mittel, um eine Ausbreitung zu verhindern.“ Sie forderte: Das Wissen um das Virus müsse verantwortlich genutzt werden, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

Verantwortung und Ehrlichkeit im Impfstoff-Debakel

Mit dem Auftritt des EU-Politikers Manfred Weber (CSU) fand die Frage der politischen Verantwortung in den Talk. Impfstoffhersteller Astrazeneca hatte Ende Januar mitgeteilt, deutlich weniger Impfstoff an die EU-Staaten zu liefern.

Markus Lanz wollte zunächst wissen: „Wie ehrlich sind wir dabei, das Debakel der Impfstoffbeschaffung aufzuarbeiten?“ Weber erklärte den Skandal aus seiner Sicht: Astrazeneca würde versprochene Impfstoff-Mengen nicht liefern und gleichzeitig Großbritannien bevorzugen.

Von Markus Lanz auf fehlende Impfstoff-Produktionsstätten in der EU angesprochen erklärte der CSU-Politiker: „Ich plädiere dafür, dass wir über Zwangslizensierung nachdenken und alle Produktionskapazitäten auf die Produktion des Corona-Impfstoffes umstellen.“

Fazit

Ein erfrischender Auftritt des Rostocker Oberbürgermeisters wirft Fragen über die politische Ehrlichkeit in der Corona-Pandemie auf. Die EU will den Druck im Konflikt mit Astrazeneca erhöhen, lässt aber keine eigene Verantwortung an der schleppenden Impfstoff-Verteilung erkennen. Dieser Lanz-Talk macht mit starken Fragen deutlich, dass der Ton in der Pandemie immer schärfer und politischer wird.

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