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„Maybrit Illner“: Was Boris Palmer zu einer Impfpflicht sagt

Lesedauer: 4 Minuten
Paul Ritter
Maischberger, Lanz und Co.: Das sind die deutschen Talkmaster

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Hat die Corona-Politik zuletzt versagt? Bei „Maybrit Illner“ wehrte sich Malu Dreyer gegen diesen Eindruck. Auch dabei: Boris Palmer.

Berlin. Wie raus aus dem gescheiterten Lockdown light? Bei „Maybrit Illner“ beschäftigte sich die Runde am Donnerstagabend mit der verfahrenen Corona-Lage in Deutschland. „Erst Lockdown, dann Impfung – kommen wir so durch den Winter?“, lautete der Titel der Sendung, die allerdings ohne die Gastgeberin stattfand. Da Illner mit einem Infekt – kein Corona – ausfiel, übernahm Matthias Fornoff.

„Maybrit Illner“ – Das wären die Gäste

  • Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin Rheinland-Pfalz
  • Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister
  • Boris Palmer (B´90/Grüne), Oberbürgermeister von Tübingen
  • Frank Ulrich Montgomery, Vorstandsvorsitzender Weltärztebund
  • Svenja Flaßpöhler, Philosophin, Publizistin

Dominierend waren in der Debatte die Äußerungen der politischen Entscheider. Bei Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Ministerpräsidentin Malu Dreyer klangen dabei drei Aspekte durch: Es wurden Fehler gemacht, es muss schnell reagiert werden – ganz für die Katz war die Strategie aber nicht. „Der Lockdown, den wir bisher hatten, war in die richtige Richtung, er hat uns Zeit verschafft“, fasste Altmaier zusammen. Allerdings sei er am Ende nicht weitreichend genug gewesen.

Malu Dreyer wehrt sich gegen Kritik

Bemerkenswert war Malu Dreyer, die sich zwar ähnlich äußerte, zugleich aber auch austeilte. „Wir hatten Modellrechnungen, dass wir mit dem Teillockdown durchaus zum Ziel kommen könnten“, verwies die Landeschefin von Rheinland-Pfalz auf die Wissenschaft. Auch dürfe man jetzt nicht den Föderalismus schlecht reden, „auch wenn manchmal der eine oder andere mit martialischen Worten vorprescht“. Noch ein Seitenhieb, dieses Mal gegen Markus Söder.

An anderer Stelle erinnerte Dreyer daran, dass die Maßnahmen anhand der Fallzahlen verhältnismäßig und vermittelbar sein müssen. „Jetzt reden alle so, als sei alles klar“, stimmte die Philosophin Svenja Flaspöhler zu. Dabei sei nichts klar: Natürlich müssten die Verletzlichen geschützt werden. Doch auch Kinder, Junge und beispielsweise Restaurantbesitzer seien in die Abwägung einzubeziehen.

Wie hart wird der nächste Lockdown?

Doch wie geht es jetzt weiter? Zum Zeitpunkt der strengeren Maßnahmen – vor, zu oder nach Weihnachten – wollten sich Altmaier und Dreyer nicht konkret äußern. Manche Bundesländer haben schon mit einem eigenen Fahrplan begonnen. „Man kann nicht mehr warten“, warnte Weltärztechef Montgomery.

Da hatte er einen Punkt. An anderer Stelle schoss Montgomery aber über das Ziel hinaus. Als ein Problem in der Pandemie wertete er etwa, dass die Wissenschaft nicht immer mit einer Stimme gesprochen habe. Eine seltsame Kritik, wenn man bedenkt, dass es der Wesenskern von Wissenschaft ist, nach „der Wahrheit“ zu suchen – auch wenn es dabei unterschiedliche Ergebnisse und Perspektiven geben kann.

Palmer gegen Einschränkungen für Ungeimpfte

Und Boris Palmer? Der oft kontroverse Oberbürgermeister von Tübingen gab sich nach seinen umstrittenen Corona-Äußerungen aus dem Frühjahr zurückhaltend. Ein wenig ließ er sich für die gelungene Pandemiebekämpfung in seiner Stadt feiern. Mit Maßnahmen wie vielen Tests, weitverbreiteten FFP2 –Masken und Taxi- statt Busfahren sind die Neuansteckungen bei den Alten auf Null gedrückt worden. Lesen Sie hier:Wie Tübingen seine Alten und Kranken schützt

Etwas hektischer wurde der Grüne Oberbürgermeister nur, als es ums Thema Impfen ging. Mittelfristig werde es wahrscheinlich schon so sein, dass bestimmte Angebote nur für Geimpfte zur Verfügung stehen werden, prognostizierte Montgomery etwa mit Blick auf Flugreisen. Da sei er ganz dagegen, erwiderte Palmer, und stellte sich zugleich gegen eine etwaige Impfpflicht. Wer damit drohe, senke die Impfbereitschaft. Schließlich gehe es für viele nicht um ein individuelles Risiko, sondern darum, eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. Da müsse man an die Freiwilligkeit appellieren und die Menschen überzeugen.

Das Fazit

Diese Runde machte deutlich, was auch Umfragen zeigen: Im Grunde ist man sich einig, dass Deutschland in einen harten Lockdown muss. Nun ist die Frage, wann und wie genau er umgesetzt wird. Viel Zeit bleibt nicht mehr. „Wir haben nur noch einen Schuss“, stellte Peter Altmaier fest.

Zur Ausgabe von „Maybrit Illner“ in der ZDF-Mediathek

Maybrit Illner – So waren die letzten Folgen: