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„Maischberger“: Armin Laschet äußert Kanzler-Ambitionen

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Bislang wollte Armin Laschet keine klare Aussage machen, ob er Kanzler werden will. Bei „Maischberger“ ließ er die Katze aus dem Sack.

Berlin. Der wichtigste Satz des Abends wäre im allgemeinen Gickeln fast untergegangen: „Jetzt geht es erst einmal um den Parteivorsitz“, antwortete Armin Laschet da gerade auf die Frage von Sandra Maischberger, ob er denn „überhaupt“ Bundeskanzler werden wolle. „Und das ist ja klar“, ergänzte er breit lächelnd und der Wirkung seiner Worte bewusst: „Wer Vorsitzender der CDU ist, muss auch bereit sein, Kanzler zu werden.“

Damit hatte Sandra Maischberger wohl nicht gerechnet. Warum sonst tat sie einen Augenblick so, als habe sie sich verhört: „Was? Will er nicht?“, fuhr sie ihrem Gast irritiert in die Erklärung, während alle anderen aufgekratzt auflachten.

„Maischberger. Die Woche“ – Das waren die Gäste:

  • Armin Laschet (CDU): Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen
  • Peter Wohlleben: Förster und Buchautor
  • Jörg Pilawa: ARD-Moderator
  • Christina Berndt: Wissenschaftsjournalistin
  • Hajo Schumacher: Publizist, Kolumnist der „Berliner Morgenpost“

Armin Laschet äußert sich zu Kanzlerkandidatur und Karriereplänen

So eindeutig hatte sich Armin Laschet öffentlich noch nie zuvor zu seinen Karriereplänen geäußert, schon gar nicht in einer Talkshow. Jetzt also war die Katze aus dem Sack: Wenn er auf dem Parteitag im Dezember zum CDU-Vorsitzenden gewählt wird, will er sich bei der nächsten Bundestagswahl auch als Kanzler zur Wahl stellen. Lesen Sie hier: Zwölf Dinge, die man garantiert nicht über Laschet wusste

Möglicherweise wollte Sandra Maischberger seine Entscheidung aber auch nur nicht so gerne hören. Kurz zuvor hatte die Moderatorin noch kokett in die Kommentatoren-Runde gefragt, ob es denn vorstellbar sei, dass Armin Laschet die Kanzlerkandidatur Markus Söder anbieten würden.

Maischberger zu Laschet: Die Einzige, die Sie noch überzeugen müssen, ist Ihre Frau“

Da aber hatten Hajo Schumacher wie auch Jörg Pilawa schon mit „ausgeschlossen!“ retourniert. Und nun? „Ist doch klar“, kommentierte Schumacher, der Kolumnist der „Berliner Morgenpost“, mit einer Sport-Analogie: „Wenn ich als junger Spieler in einen Fußballverein gehe, dann will ich irgendwann auch mal in der Nationalmannschaft spielen und Kapitän werden.“

Am Ende des erstaunlich langen, aber interessanten Einzelinterviews mit dem NRW-Ministerpräsidenten blieb Sandra Maischberger nur noch der Hinweis: „Die Einzige, die Sie noch überzeugen müssen, ist Ihre Frau.“

Laschet: Ehefrau Susanne will nicht weg aus Aachen

Zur Erklärung zeigte sie einen Einspieler aus dem Mai dieses Jahres, in dem Susanne Laschet in einer Böttiger-Talkshow zugab, dass es ihr „ein Graus“ wäre, aus Aachen wegziehen zu müssen. „Das wird einsam für Sie in Berlin“, versetzte Sandra Maischberger.

Armin Laschet blieb freundlich, lachend, aufgeräumt. Für viele Kanzler sei die Hauptstadt nicht der (alleinige) Lebensmittelpunkt gewesen, erklärte er und erinnerte an Helmut Kohl, der offiziell in Ludwigshafen wohnen blieb. „Auch Angela Merkel lebt mit ihrem Mann nicht ständig in Berlin.“

Nichts, aber auch gar nichts konnte den NRW-Ministerpräsidenten an diesem Abend bei „Maischberger. Die Woche“ aus der Ruhe bringen, schien es. Offen plauderte er über Details seines Werdegangs: Weshalb er als Sohn eines Bergmanns 1979 in die CDU eintrat und nicht in die SPD. Wie er als Bundestags-Neuling 1994 der „Pizza-Connection“ angehörte – einem regelmäßigen informellen Treffen junger CDU- und Grünen-Abgeordneter in einer Berliner Pizzeria, zu denen auch Cem Özdemir gehörte.

Friedrich Merz will Nummer Eins sein

Oder was er von seinem Parteivorsitz-Mitbewerber Friedrich Merz hielt: „Ich schätze ihn. Er hat eine große Bindungskraft innerhalb und außerhalb der CDU“, bekannte er diplomatisch. Warum habe Laschet ihn dann nicht in sein Team geholt, wollte Sandra Maischberger wissen: „Er wollte selber als Nummer Eins kandidieren.“

Kein Blatt, so schien es, passte auch zwischen ihn und Markus Söder. Jedenfalls vermied Armin Laschet sehr geschickt jedes Urteil zum Krisenmanagement des Bayerischen Ministerpräsidenten: „Pannen können überall passieren“, erklärte er stattdessen. Und warb erneut dafür, dass die Politik mit „Maß und Mitte“ auf lokale Corona-Entwicklungen reagieren sollte.

Coronavirus: Strafen für Superspreader?

Sollen Verursacher von Superspreader-Events mit Bußgeld bestraft werden, wie es gerade in Hamm diskutiert werde, fragte Sandra Maischberger. „Ja“, antwortete der NRW-MP knapp, „sollten sie, wenn sie gegen die Auflagen derart verstoßen.“ 600 Gäste hatten in Hamm mehrere Tage Hochzeit gefeiert und sich in großer Anzahl infiziert. Ohne Kontaktliste war die Nachverfolgung sehr schwer. Lesen Sie dazu: Coronavirus: Was ist eigentlich ein Superspreader?

Ohnehin ging es in dieser recht kurzweiligen „Maischberger. Die Woche“ viel um Corona und wie eine weitere Ausbreitung des Virus im Herbst verhindert werden könne. Alle drei Kommentatoren plädierten vor allem dafür, dass die Schulen möglichst lange offen bleiben sollten, ob mit Masken im Unterricht oder nicht.

Jörg Pilawa kritisiert Christian Drostens Warnung

Jörg Pilawa hatte vor allem Angst, „dass Angst und Panik wieder zum Mainstream erklärt werden“. Und fand vor allem die neuesten Warnungen von Christian Drosten, die Pandemie ginge jetzt erst richtig los, kontraproduktiv. Auch interessant: Corona: Drosten erhält Verdienstorden der Bundesrepublik

Und Wissenschaftsjournalistin Christina Berndt plädierte vor allem dafür, Feiern im privaten Kreis einzuschränken. „Wir sollten uns darüber klar sein, dass wird durch solche Feste das Virus in die Gesellschaft bringen“, erklärte sie und berichtete, wie sich bei einer Hochzeit in den USA 170 Gäste infizierten und sieben starben. „Dabei haben die gar nicht mitgefeiert.“

Kurz vor Schluss sollte im zweiten Einzelinterview des Abends noch Peter Wohlleben am Beispiel der massiven Waldbrände, die aktuell in Kalifornien wüten, erläutern, wie stark der Wald unter dem Klimawandel leidet. Drohten uns ähnliche Katastrophen? Lesen Sie dazu: Waldbrände in den USA: Trump besucht Kalifornien

Deutschland könnte innerhalb von zehn Jahren die Hälfte seiner Waldfläche verlieren

Die Antworten des bekannten Buchautors und „Baum-Verstehers“ kamen sehr differenziert und anschaulich, vor allem aber ganz ohne Alarmismus aus. Obwohl auch er damit rechnete, „dass wir in den nächsten zehn Jahren die Hälfte der Waldflächen verlieren“.

Das liege an dem hohen Anteil an Nadelbaum-Wäldern, die eigentlich nur „Plantagen“ seien, erklärte er. Fichten nämlich seien bei uns nämlich gar nicht heimisch, sondern in der Taiga, und getrimmt auf lange Winter, viel Schnee und Wasser. „Bei uns trockenen sie aus. Der Borkenkäfer gibt ihnen nur noch den Rest.“

Peter Wohlleben: Die Natur kriegen wir nicht kaputt

Als „Kühlgiganten“, enorme „Wasserspeicher“ und „Klimaregulierungsmaschinen“ bezeichnete er dagegen Laubwälder, die selbst nach einem Brand wiederkämen – solange der Mensch sich nicht wieder einmische.

„Meinen Sie, wir können den Klimawandel noch aufhalten?“, frage Sandra Maischberger zum Schluss und es klangt leicht verzagt. Er sei da absolut optimistisch, antwortete der bekannteste Förster der Nation: „Wir machen unsere ökologische Nische vielleicht kaputt. Aber die Natur kriegen wir nicht kaputt.“ Lesen Sie hier: Hitzewellen im Meer lösen Massensterben bei Seevögeln aus

Lesen Sie hier die Maischberger Kritik der vergangenen Woche: „Maischberger“: Wer kümmert sich um die Menschen aus Moria?“

In den letzten Wochen bei Maischberger:

Atemnot, Haarausfall und neurologische Probleme: Eine Corona-Patientin sprach in der vorigen Folge „Maischberger“ über beängstigende Langzeitfolgen: „Maischberger“: Corona-Patientin hat wochenlang Haarausfall. In der Woche vorher erklärte Sahra Wagenknecht, warum sie der Corona-Warn-App nicht traut. Dafür erntete sie Kritik von Frank Thelen.