TV-Tipp

„Bitcoin Big Bang“ zeigt packende Story von Utopie und Gier

Warum zahlen wir den Rundfunkbeitrag?

Immer wieder steht der Rundfunkbeitrag in der Kritik. Dabei ist er als ein Pfeiler unserer Demokratie gedacht. Wir zeigen, wofür wir den Beitrag eigentlich zahlen.

Beschreibung anzeigen

„Bitcoin Big Bang“ handelt vom größten Crash in der Geschichte virtueller Währungen. Die Doku macht daraus eine spannende Erzählung.

Essen. 2011 übernahm Marie Robert Karpelès aus Dijon die Online-Tauschbörse Mt. Gox und machte sie zur weltgrößten Bitcoin-Handelsplattform. Vier Jahre später landet der Mt. Gox-Geschäftsführer in Handschellen auf dem Rücksitz eines Tokioter Polizeiautos: 850.000 Bitcoins im Wert von einer halben Milliarde US-Dollar waren von den Servern verschwunden, die Anleger sauer, die Plattform tot. Hatte Karpelès das Geld unterschlagen? Was war passiert?

Die Dokumentation „Bitcoin Big Bang“ von Vincent Gonon und Xavier Sayanoff, die ZDFinfo am Mittwochabend (20.15 Uhr) zeigt, geht dem Skandal nach. Vollgepackt mit Hintergrund-Infos, nachgestellten Szenen und vielstimmigen Interviews – mit ehemaligen Angestellten, Kryptowährung-Experten, Anlegern und Fahndern – bringt sie Licht in den bisher größten Crash in der Geschichte der virtuellen Währungen.

Bitcoin: Goldgräber-Geist erfolgreicher Start-ups

Es ist eine Story, gesponnen aus Utopie und Freiheit, aber auch Größenwahn und Gier. Und die – trotz ihrer Einzigartigkeit – für den Goldgräber-Geist erfolgreicher Start-ups der Zeit steht. Dass Marie Robert Karpelès, kurz Mark, die halbe Milliarde unterschlagen hat, konnten die Behörden bis heute nicht nachweisen.

2019 verurteilte ihn ein japanisches Gericht lediglich wegen Manipulation von Firmendaten zu einer Bewährungsstrafe. Wo das Geld geblieben ist, blieb bis heute unklar. Kaum vorstellbar aber, dass der jungenhafte, sympathisch wirkende Franzose, der mit seiner Katze in Japan lebt, ein krimineller Mastermind sein sollte. Erstmals spricht er in diesem spannenden Film vor der Kamera – und wirkt eher wie ein großes Spielkind, das nur bedauernd mit den Schultern zuckt, wenn es gefragt wird, wie die Vase zu Bruch gegangen ist. Lesen Sie hier: Sechsstellige Gehälter: Das verdienen die Chefs bei der ARD

Mt. Gox hat den Bitcoin nicht erfunden, es war aber die erste seriöse Onlineplattform, auf der jede Währung der Welt in Bitcoins getauscht werden konnte. Dahinter stand eine revolutionäre, fast anarchistische Idee: Als Kryptowährung ermöglichte der Bitcoin weltweit einen direkten, dezentralen Zahlungsverkehr, unabhängig von Banken oder Regierungen, die Einfluss auf die Währung nahmen.

Daten der Käufer waren unsichtbar wie ein Geist

Beim Start im April 2011 war ein Bitcoin etwa 1,20 Dollar wert, dann schoss die Anzahl der Kunden binnen weniger Monate von 3000 auf 60.000, schließlich auf eine Million. Damit stiegen auch Wert und Attraktivität des Bitcoins, aber auch die Gefahr von Hackerangriffen, die Mark nach eigener Aussage schlaflose Nächte bereitet hat. Um das zu verhindern, entwickelte er komplizierte, systemunabhängige „cold wallet“-Sicherungen.

Auch interessant:

Womit er aber nicht gerechnet hatte, war „Silk Road“: Auf der Darknet-Plattform ließen sich Koks und jede andere Art Drogen online bestellen und nach Hause liefern wie woanders ein Buch. Weil nur mit Bitcoins bezahlt werden konnte, blieben die Käufer unsichtbar wie „ein Geist“, ihre Daten waren nicht nachverfolgbar.

Hacker greifen Twitter-Accounts von Promis an
Hacker greifen Twitter-Accounts von Promis an

Das wiederum rief die US-amerikanische Steuerbehörde IRS auf den Plan, die schon Al Capone erfolgreich zu Fall gebracht hatte. Sie fand heraus, dass ein Drittel bis zur Hälfte aller Transaktionen von Mt. Gox an „Silk Road“ gingen. Und aus war der Traum.

• Mittwoch, 26. August, 20.15 Uhr, ZDFinfo: „Bitcoin Big Bang“