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„Hart aber fair“: Frank Plasberg weist Trump-Fan zurecht

Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Trump will US-Präsident bleiben. Was muss man abschalten, um ihn zu wählen: Herz oder Verstand? Darum ging es bei „Hart aber fair“.

Berlin. 
  • Bei „Hart aber fair“ ging es am Montagabend um die US-Wahl
  • Frank Plasberg sprach in seinem Studio, das ohne Zuschauer auskommen musste, mit fünf Experten zur US-Wahl
  • Auch ein bekennender Trump-Fan war im Studio – obwohl in der Minderheit, dominierte er über weite Strecke die Gesprächsrunde
  • Frank Plasberg wies ihn deutlich zurecht

Die raffiniert-süffisante Frage von Frank Plasberg zu Anfang von „Hart aber fair“ traf mitten ins Zentrum des Themas, ließ aber wenig Varianten für eine Antwort.

Was passiert, wenn Donald Trump noch einmal vier Jahre schafft? Was sollte ernsthaft dazu sagen, wer seit vier Jahren regelmäßig Nachrichten sah oder las.

Oder wer gerade eben erst den ersten Tag der Republican National Convention in Charlotte, North Carolina verfolgt hatte. Auf diesem Parteitag der Republikaner ist am Nachmittag Donald Trump erneut zum Präsidentschaftskandidaten nominiert worden, unter dem Jubel von 300 Delegierten vor Ort.

US-Wahl ist Thema bei „Hart aber fair“

Am Montagabend versammelt Frank Plasberg in seinem zuschauerleeren Studio fünf USA-Experten, um mit ihnen alle Fragen und Sorgen zu diskutieren, die mit dem Start des US-Wahlkampfs einhergehen:

Was, wenn Trump gewinnt? Was, wenn er verliert, aber nicht gehen will? Und schließlich: Was würde es für uns Europäer bedeuten, wenn Amerika am Streit um die Wahl zerbricht?

„Hart aber fair“ – Das waren die Gäste:

  • Tamika Campbell – Stand-Up-Comedian, gebürtige US-Amerikanerin
  • Ansgar Graw – Journalist, Herausgeber des Debattenmagazins „The European“
  • Christiane Meier – Korrespondentin und Leiterin des ARD-Studios in New York
  • Norbert Röttgen – CDU-Bundestagsabgeordneter, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
  • George Weinberg – Unternehmer, Sprecher „Republicans Overseas Germany“

Dazu kam im Einzelgespräch noch Frank Kracht, Bürgermeister von Sassnitz, Mecklenburg-Vorpommern. Gleichzeitig Chef der kommunalen GmbH, die am deutschen Ende den Ausbau von Nordstream2 organisiert, hatte er kürzlich Post aus den USA erhalten. Und konnte damit einen kleinen Vorgeschmack darauf geben, was in einer zweiten Trump-Amtszeit womöglich auch der Bundesregierung blüht.

US-Republikaner schicken Trump ins Rennen gegen Biden
US-Republikaner schicken Trump ins Rennen gegen Biden

Mit Brief und Siegel drohten ihm drei republikanische Senatoren juristische und wirtschaftliche Sanktionen an, falls er weiter am Ausbau der Pipeline festhalte …

„So geht das nicht“, befand Norbert Röttgen entschieden, obwohl er sich selbst als Gegner des Nordstream2-Projekts versteht. „Selbst wenn wir unterschiedlicher Einschätzung sind“, erklärte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, gehöre sich eine solche Androhung nicht unter Verbündeten – auch wenn sie in diesem Fall noch folgenlos bleibt, weil weder rechtlich noch politisch bindend.

„Hart aber fair“: Trump-Anhänger benimmt sich wie US-Präsident selbst

In der Sache richtig, aber falscher Adressat – entgegnete George Weinberg nur, Sprecher der „Republicans Overseas Germany“, einer Republikaner-Organisation in Deutschland, und störte sich wenig an der Form der Beschwerde. Es war, so schien es, der einzige eigenständige Gedanke, den der in Deutschland lebende US-Unternehmer den ganzen „Hart aber fair“-Abend über fassen konnte.

Als bekennender Trump-Wähler hatte er allerdings nur scheinbar einen schweren Stand an diesem Montagabend. Obwohl in der Minderheit, dominierte er über weite Strecke den Plasberg-Talk – weil er sich ähnlich rauer Methoden bediente wie sein Präsident.

Mit ausschweifenden Antworten, nicht ad-hoc überprüfbaren Statistiken und einer prophylaktischen Medienschelten, tat er alles, um von unangenehmen Fragen abzulenken. Und brachte mit durchsichtigen Halbwahrheiten nicht nur die anderen Talk-Gäste in Rage. Indirekt zwang er sie dazu, erst einmal auf seine Provokationen zu reagieren.

Plasberg von Trump-Anhänger genervt

Das ging selbst Frank Plasberg auf Dauer auf die Nerven. Und so fiel er der ausufernden Ablenkerei doch einmal richtig hart – but sophisticated – ins Wort: „Herr Weinberg, sprechen wir mal offen: Wie anstrengend ist es, die Intelligenz zu beleidigen, die Sie haben, um meine Frage nicht zu bedienen …“.

Das half, für den Augenblick wenigstens. Aber doch nicht lange. George Weinberg blieb bei der anstrengenden Rhetorik wie auch bei der ernsten Überzeugung: Donald Trump ist ein überragender Präsident. Und gleich hatte man im Ohr auch die Stimme seines Herren: „Wenn nicht der überragendste, ever.“

Trump: Republikaner verteidigen ihren Präsidenten geschlossen

Offenbar glaubt nicht nur der US-Präsident, was er sagt. Auch seine Unterstützer folgen ihm unbesehen – völlig unabhängig von Standing, Bildung oder Intelligenzquotient. Für Christiane Meier, die als Leiterin des ARD-Studios in New York die ganze Sendung über zugeschaltet blieb, schien das reflexhafte Verhalten des Republikaners wenig überraschend.

Bemerkenswert sei für sie nicht nur, mit welcher Brachialität in den USA die freie Presse seit vier Jahren immer wieder angegriffen werde. Bemerkenswert sei vor allem auch, wie geschlossene die Partei den Präsidenten verteidige, sobald jemand wage, ihn zu kritisieren: „Die Republikanische Partei hat sich vollständig unterworfen“, analysierte sie.

Trump: Was macht der US-Präsident, wenn er die Wahl verliert?

Dass „lügen für Trump so normal wie atmen“ sei, unterstellte salopp auch Ansgar Graw, Herausgeber des Debattenmagazins „The European“. Hatte nicht die „New York Times“ kürzlich 19 Lügen in einer einzigen Rede festgestellt?

Obwohl auch Ansgar Graw hoffe, dass der amtierende Präsident seine Wiederwahl im November nicht schafft, glaube er nicht, dass die Demokratie in Amerika ins Wanken gerate, sollte Trump doch gewinnen. „Die demokratischen Institutionen sind stärker“, setzte er überzeugt hinzu.

Bedenklich fand er nur, dass Trump sich weigerte, eine klare Antwort darauf zu geben, was er macht, wenn er die Wahl verliert. Nur Stunden zuvor hatte Donald Trump erneut öffentlich bekundet, dass dies nur passieren würde, wenn die Wahl manipuliert werde.

US-Wahl: Noch ist nichts entschieden

„Wahrscheinlich benimmt er sich wie ein Dreijähriger, dem man den Lolli wegnimmt“, warf Tamika Campbell ein, die als afro-amerikanische Stand-Up-Comedian in Deutschland lebt. Viel mehr konnte sie zur Diskussion allerdings nicht beitragen – es fehlten ihr einfach die Worte, erst recht der Witz, um das unmögliche Verhalten des US-Präsidenten auch nur annähernd beschreiben zu können.

Vieles kann bis zur Wahl noch passieren, darin waren sich die Talk-Gäste einig: TV-Duelle der Kandidaten und ihrer Vizes. Die aktuelle Klage gegen den Staat von Nevada, mit der das Trump-Team eine Briefwahl für jedermann zu verhindern versucht.

Nichts ist entschieden. Und wer am Ende als nächster Präsident ins Weiße Haus kommt, bestimmen ohnehin Wahlmänner – und nicht die Mehrheit der Wahlzettel. „Hillary Clinton hatte auch drei Millionen mehr Stimmen und verlor“, erinnerte Ansgar Graw an die Wahl von 2016.

Trump – Auch in Deutschland gehen Meinungen über den US-Präsidenten auseinander

In seiner Rolle als Dompteur, der den lebhaften Talk mit all seinen düsteren Perspektiven auf fairer Linie halten wollte, fiel Frank Plasberg vor allem die Aufgabe zu, immer wieder auch zu beschwichtigen: „Wir müssen nicht jedem Pfad folgen“. Dazu versprach er einen umfangreichen Faktencheck bis Dienstagmittag.

Denn die Zuschauerreaktionen am Schluss zeigten, dass auch in Deutschland die Meinungen über Donald Trump weit auseinandergehen – trotz aller bedrohlicher Gedankenspiele, was in Amerika nach dem 3. November passieren kann. Lesen Sie hier: So könnte Trump die USA in einen Bürgerkrieg führen.

Zumindest die Auswahl der zitierten Mails, die Brigitte Büscher präsentierte, deutete ein Meinungspatt an. Vielleicht war die aber auch nur dem unbedingten Willen geschuldet, zu belegen, dass „Hart aber fair“ auch wirklich alle von George Weinberg geforderten Kriterien an Objektivität, Unparteilichkeit und Meinungsvielfalt erfüllt.

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