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Hannelore Elsner: Lang lebe die Königin des deutschen Films

| Lesedauer: 3 Minuten
Arnold Hohmann

Ihren letzten Film „Lang lebe die Königin“ konnte Hannelore Elsner vor ihrem Tod nicht nicht mehr vollenden. Kolleginnen halfen aus.

Essen. Dass ein wichtiger Filmschauspieler mitten in den Dreharbeiten plötzlich verstirbt, das hat es natürlich schon gegeben. Der Regisseur Terry Gilliam beispielsweise stand 2007, während der Produktion von „Das Kabinett des Doktor Parnassus“, auf einmal ohne seinen Hauptdarsteller Heath Ledger da. Statt aufzugeben, besetzte er die fehlenden Passagen einfach mit drei namhaften Stars. Wenn jetzt mit dem deutschen Fernsehfilm „Lang lebe die Königin“ ähnlich verfahren wird, dann bleibt es trotzdem ein so noch nie da gewesenes Ereignis.

Denn hier erleben wir mit Hannelore Elsner eine bereits todkranke Schauspielerin, die noch ein letztes Mal einen Film prägen möchte. Auch wenn sie mit dieser Figur namens Rose praktisch ihr eigenes Schicksal begleitet.

Letzte Rolle: An Hannelore Elsner kommt niemand heran

Ganz hat sie es körperlich nicht mehr geschafft, fünf Szenen dieser nicht unkomischen Mutter-Tochter-Geschichte blieben offen. Es war die Idee der Drehbuchautorin Gerlinde Wolf, die fehlenden Sequenzen mit fünf ganz unterschiedlichen Schauspielerinnen auszufüllen.

Darum sollte sich der Zuschauer nicht wundern, wenn plötzlich mitten im Film Gisela Schneeberger, Judy Winter, Iris Berben, Hannelore Hoger oder Eva Mattes auftauchen. Ihre Interpretationen der Hauptfigur fallen dabei allerdings höchst unterschiedlich aus. Vielleicht ist es tatsächlich Iris Berben, die Elsner mit ihrer großen Geburtstagszene noch am nächsten kommt.

Auch wenn dies ein Film ist, in dem man sich verabschieden kann von einer großen Schauspielerin, er hat noch mehr zu bieten. Grimme-Preisträger Richard Huber versucht in seiner Regie, einen gewissen Humor aufrecht zu erhalten. Getragen wird er zumeist von Nina (Marlene Morreis), Roses Tochter, die sich von ihrer Mutter stets zurückgesetzt fühlt. Ganz anders als ihr Bruder Leon (Ole Puppe), der wohl immer schon Mamas Liebling war und sich als Sänger verwirklichen durfte.

Nicht nur im echten Leben mit dem Tode konfrontiert

Nina aber schlägt sich als Moderatorin eines Teleshopping-Senders durch und hat eine unglückliche Beziehung zu ihrem Chef (Philipp Moog). Dabei fühlt sie sich keineswegs als Opfer, nimmt das Leben, trotz Mutter, eher leicht. Was man auch an ihrem Auto merkt, einem altgedienten Ford Mustang Convertible, der immer mal wieder liegenbleibt.

Das Autoradio wartet derweil mit Songs auf, die aus der Entstehungszeit des Wagens zu kommen scheinen – lauter Oldies aus USA oder Frankreich, mit Interpreten, die sich damals auch auf Deutsch versuchten.

Aber schon der Titel dieses Films zeigt an, dass es hier vor allem um eine „Königin“ geht, die manche auch als die letzte Diva des deutschen Films sehen möchten. Hannelore Elsner hat hier noch einmal alles gegeben, was ihr möglich war. Gegen Ende des Films sieht man sie im Krankenhaus, eingefallen, blass und kraftlos.

Was für eine Energie muss sie hier aufgebracht haben, um eine Frau zu spielen, die dem Tode so nahe ist, wie sie selbst. „Sie war schon ein seltenes Miststück“, sagt Roses Lebensgefährte Werner (Günther Maria Halmer) nach ihrem (Film-)Tod. Was für eine Würdigung, was für ein Kompliment.

Hannelore Elsner starb im April 2019 im Alter von 76 Jahren. Die Schauspielerin wirkte in ihrer 60-jährigen Karriere in über 200 Filmen mit und galt als eine der besten deutschen Charakterdarstellerinnen.

  • ARD, Mittwoch, 29. April, 20.35 Uhr

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