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„Anne Will“: Wie es nach dem Shutdown weitergehen könnte

Kontaktsperren in der Corona-Krise: Diese Regeln gelten jetzt

Abstand halten und Kontakte weiter reduzieren: Auf diese Regeln haben sich Bund und Länder geeinigt, um Infektionen mit dem Coronavirus einzudämmen.

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Eine Woche steht Deutschland still: Für ein erstes Fazit im Kampf gegen das Coronavirus ist es zu früh, findet die Runde bei Anne Will.

Berlin. Und schon wieder herrscht Einigkeit. „Es wäre falsch, ein Datum zu nennen“, sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). „Jetzt muss man die Nerven behalten“, findet auch Hamburgs SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher in der Talk-Runde bei Anne Will am Sonntagabend.

Seit einer Woche schon steht Deutschland still. Doch die Debatte darüber, wie es nach dem sogenannten Shutdown weitergehen und das öffentliche Leben Stück für Stück wieder hochgefahren werden könnte, wird von führenden Politikern bisher – mit wenigen Ausnahmen – nicht geführt. Das Coronavirus hat Deutschland fest im Griff, die Infektionszahlen steigen weiter, in den Krankenhäusern bereitet man sich auf den Ernstfall vor. Und ob die bisher eingeleiteten Schritte ausreichen, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen, wird man erst zeitverzögert sehen – bestenfalls am Ende der Woche.

Anne Will: Politiker appellieren an Geduld der Deutschen

„Wir müssen weiter auf Sicht fahren und jeden Moment neu bewerten“, sagte daher auch der Epidemiologe Gérard Krause am Sonntagabend bei Anne Will – und lag damit auf der Linie von Altmaier und Tschentscher. „Der Corona-Ausstand – wie geht es weiter in Deutschland?“, wollte die Redaktion von ihren Gästen wissen. Doch die hielten sich, wenig überraschend, bedeckt. Zumindest die politischen Vertreter appellierten an die Geduld der Bevölkerung – so wie bisher auch.

Klar ist: Je länger der Shutdown dauert, desto höher sind die ökonomischen und sozialen Folgeschäden. „Jede zusätzliche Woche kostet 40 Milliarden Euro“, rechnete der Ökonom Clemens Fuest vor. „Auf Dauer brauchen wir eine Strategie: Für die Rettung der Wirtschaft und der Gesundheit“, so der Präsident des ifo-Instituts.

Coronavirus: Medizinier plädiert für massive lokale Interventionen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat bereits angedeutet, dass eine Situation entstehen könnte, in der Beschränkungen erst gelockert und bei Bedarf immer wieder verschärft werden könnten. „Das halte ich für möglich“, sagte Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig.

Interessanterweise aber brachte der Wissenschaftler noch einen anderen Vorschlag mit: Wünschenswert, so Krause, sei eine Strategie, die darauf abziele, das Land insgesamt hochzufahren – und bei lokalen Ausbrücken massiv vor Ort zu intervenieren. So müsste nicht jedes Mal das ganze Land eingeschränkt werden.

Coronavirus: Werden irgendwann Handydaten ausgewertet?

Hamburgs Bürgermeister Tschentscher, selbst studierter Mediziner, wollte zwar nicht so weit gehen, sich diesen Vorschlag zu eigen zu machen. Aber auch er würde gerne mit Wissenschaftlern in den Dialog treten, wo Maßnahmen wie gelockert werden könnten. Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, zeigte allein die Tatsache, dass Wirtschaftsminister Altmaier offen darüber sinnierte, Handydaten wie in Korea verstärkt zu nutzen, um Infizierte und potentiell angesteckte Menschen zu identifizieren.

Das koreanische Modell aber ist mit deutschem Datenschutz und dem hiesigen Verständnis von Bürgerrechten nur schwer vereinbar. Trotzdem sagte Altmaier: „Wir wissen alle nicht, wo wir in vier oder fünf Wochen stehen“. In einer bestimmten Notsituation könne er sich vorstellen, dass die Erfahrungen aus Korea auch für Deutschland nützlich seien.

Doch ausgerechnet der Epidemiologe widersprach. Es sei ein massiver Eingriff in Bürgerrechte, die räumliche Nähe allein sei für das Infektionsrisiko nicht ausschlaggebend und Menschen könnten unnötig verängstigt werden.

Banken knausern bei Krediten, Wirtschaftsminister unzufrieden

Drängender sind ohnehin gerade andere Fragen. Und die sind wirtschaftlicher Natur. Gerade mittelgroße Betriebe fühlen sich von den Banken häufig im Stich gelassen, wie die Will-Redaktion in einem Einspieler zeigte. Der Bund übernimmt zwar 90 Prozent des Risikos der KfW-Kredite, und das in unbegrenzter Höhe. Zehn Prozent aber tragen die Geschäftsbanken – und halten entsprechend Liquidität zurück. „Ich bin unzufrieden“, sagte Wirtschaftsminister Altmaier bei Anne Will. Auch Wirtschaftsforscher Fuest attestierte für mittelgroße Unternehmen „eine gewisse Lücke“. Es könnte also sein, dass an dieser Stelle nochmal nachgesteuert werden muss.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher zählte zwar auf, was die Politik – angefangen vom Kurzarbeitergeld über direkte Zuschüsse für Unternehmen bis hin zu Steuerstundungen – schon alles getan hat, um Zeit zu überbrücken. Doch auch Tschentscher sagte: „Je kürzer der Zeitraum, desto einfacher ist es, Insolvenzen zu vermeiden“. Lesen Sie hier, wie man an die Coronavirus-Hilfsgelder der Regierung kommt.

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