ARD-Talkshow

Ärztin warnt bei Anne Will: „Es fehlt an Schutzkleidung“

Coronavirus: Merkel vorsichtshalber in häuslicher Quarantäne

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Sonntag vorsichtshalber in häusliche Quarantäne begeben, weil sie Kontakt zu einem mit dem Coronavirus infizierten Arzt hatte. Laut einem Regierungssprecher wird sie ihre Dienstgeschäften auch aus der häuslichen Quarantäne nachgehen.

Beschreibung anzeigen

Bei Anne Will wurde über den Kampf gegen das Coronavirus gesprochen. Eine Medizinerin warnte vor dem Kollaps des Gesundheitssystems.

Berlin. Die Ausgangssperre ist vorerst vom Tisch, dafür gilt jetzt ein Kontaktverbot: Im Kampf gegen das Coronavirus haben sich die Bundesländer am Sonntag auf eine gemeinsame Linie verständigt. Ansammlungen von mehr als zwei Personen sind in Deutschland grundsätzlich verboten – außer es handelt sich um Familie oder Mitbewohner.

„Die Lage ist ernster, als die meisten glauben. Wir müssen jetzt versuchen, die Welle zu brechen“, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Abend bei Anne Will. Dort lautete das Thema: „Deutschland im Ausnahmezustand – gewinnen wir den Kampf gegen das Coronavirus?“ Und wenn man ehrlich ist: So könnte jeder politische Talk im Moment überschrieben sein.

Coronakrise in Deutschland: Rund 25.000 Infizierte, mehr als 90 Tote

Noch vor einigen Wochen diskutierten Politiker bei Will, Plasberg und Co. über rechten Terror, Klimawandel oder den nächsten CDU-Kanzlerkandidaten. Gefühlt ist das eine Ewigkeit her. Jetzt dominiert das Coronavirus. Rund 25.000 Menschen sind nachgewiesenermaßen in Deutschland damit infiziert, die Zahl der Todesfälle liegt bei über 90.

Wenige Stunden zuvor am Sonntag hatten sich die Ministerpräsidenten und die Kanzlerin auf weitere einschneidende Maßnahmen geeinigt. Bund und Länder demonstrierten Einigkeit, immerhin. „Es ist die richtige Entscheidung“, sagte Bernadett Erdmann, Chefärztin an einem Wolfsburger Klinikum, bei Anne Will. Und sie schob hinterher: „Ich befürchte aber, sie ist zu spät gekommen.“

Ärztin warnt: Dem Gesundheitssystem droht der Kollaps

Was die Medizinerin dann sagte, ließ wenig Gutes erahnen. Es fehle in den Krankenhäusern an Personal, Schutzkleidung werde nicht mehr geliefert – weil es Verzögerungen durch den Zoll gebe oder die Produktion im Ausland mit der Nachfrage nicht mithalten könne. „Wir haben noch Reserven für eine Woche“, so Erdmann. Dem Gesundheitssystem drohe der Kollaps.

In Wills Runde saß auch Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU). An ihn richtete sich der Vorwurf. Dem CDU-Mann blieb nicht viel mehr, als zu beschwichtigen. Man habe enorme Mengen bestellt, es werde immer mehr geliefert, so Braun.

Ob die Erfahrungen aus Wolfsburg repräsentativ fürs ganze Bundesgebiet sind, sei dahingestellt. Klar aber ist: Das Gesundheitssystem steht vor einer großen Herausforderung, und auch der Ausnahmezustand wird das Land noch eine ganze Weile begleiten.

Wie lange genau? „Da kann keiner eine Prognose geben“, sagte Markus Söder per Videoschalte aus München. Über 18 Monate aber, so lange könnte es dauern, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht, ließe sich eine solche Politik nicht durchhalten. Darin war sich die Runde bei Anne Will einig.

„Der Fokus muss sein, die Risikogruppen zu schützen“, sagte die Virologie-Professorin Melanie Brinkmann von der Technischen Universität Braunschweig. Für alte und kranke Menschen werde man die Maßnahmen auch in einigen Wochen nicht lockern können.

Kanzleramtsminister: Menschen müssen Nerven bewahren

Kanzleramtsminister Braun versprach immerhin, das jetzt verhängte Kontaktverbot in zwei Wochen erneut zu überprüfen. Die Schließung vieler Einrichtungen bis zum 20. April werde ebenfalls danach evaluiert. „Die Menschen müssen jetzt gute Nerven bewahren“, sagte Braun.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), der ebenfalls per Video zugeschaltet war, äußerte sich ähnlich: „Wir sind ganz am Anfang dieser Krise“. Seine Hoffnung sei es aber, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt danach größer sei – immerhin.

Um der Bevölkerung ein Signal der Hoffnung zu geben, empfahl Sebastian Fiedler, Bundesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, dass die Bundesregierung ein interdisziplinäres Gremium einberufe. „Sie muss sich die besten Leute, die Deutschland hat, zur Seite holen“, sagte Fiedler. Das könne Vertrauen schaffen – und den Zusammenhalt stärken.

Coronakrise wird lange nachwirken

Die Realität indes ist von anderen Dingen geprägt. „Die Krise wird uns noch lange beschäftigen, vor allem die wirtschaftlichen Folgen“, sagte der saarländische Ministerpräsident Hans. Regierung rechnet mit Wirtschaftseinbruch um fünf Prozent.

Die Wolfsburger Ärztin Bernadett Erdmann prophezeite: „Wenn wir Verhältnisse wie in Italien bekommen, wird das unsere Gesellschaft nachhaltig verändern.“ In den Kliniken, so Erdmann, bereite man sich aktuell darauf vor, für die Menschen da zu sein, ihnen weiterhin den besten Schutz zu bieten – auch dann, wenn die Infektionszahlen weiter ansteigen und viel mehr Menschen mit schweren Krankheitsverläufen behandelt werden müssen. Es ist bloß ein Versprechen, das die Ärztin abgab. Eine Hoffnung. Aber in diesen Tagen muss man einfach darauf vertrauen.

Coronavirus-Pandemie – mehr zum Thema: