TV-Kritik

„Eine harte Tour“ zeigt kernigen Cliquen-Krach in den Bergen

Victoria Mayer, Anna Schudt, Thomas Loibl, Anna Unterberger und Moritz Führmann (von links nach rechts) spielen in „Eine harte Tour“ eine Clique, die sich auf Wandertour nach allen Regeln der Kunst zerstreitet.

Victoria Mayer, Anna Schudt, Thomas Loibl, Anna Unterberger und Moritz Führmann (von links nach rechts) spielen in „Eine harte Tour“ eine Clique, die sich auf Wandertour nach allen Regeln der Kunst zerstreitet.

Foto: Marco Nagel / dpa

In „Eine harte Tour“ geht eine Clique in den Bergen wandern. Die Höhenluft tut den Freundschaften allerdings ganz und gar nicht gut.

Essen. Da sitzen sie nun, die guten alten Freunde. Gerade haben sie noch mit dem Gastgeber Clemens (Benjamin Sadler) am Tisch zusammengehockt und mit ihm eine Wanderung ins Gebirge durchgeplant.

Und dann, die anderen sind bereits gegangen, stirbt der Kerl plötzlich und unerwartet in den Händen seiner jungen Gattin. Es ist ein heftig kalkulierter Tod von Seiten der Drehbuchautorin Dominique Lorenz. Denn mit Clemens würde der Film „Eine harte Tour“ sicher nicht mit einer derartigen Anhäufung von verbalen Sprengsätzen aufwarten können.

„Eine harte Tour“: Freunde gehen zusammen auf Bergtour

Im Bereich der Fernsehfilme ist es immer wieder ein beliebtes Spiel, Gruppen von Freunden oder Verwandten zusammenzubringen, sei es bei Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstagen und ähnlichen Gelegenheiten. Die Leichen im Keller werden sortiert, alte Gemeinheiten kommen auf den Tisch. In dieses Genre passt „Eine harte Tour“, auch wenn unsere Gruppe sich diesmal in freier Natur befindet. Die Männer samt ihren Frauen haben beschlossen, den Freund zu ehren, indem man seinem Pfad folgen will.

Aber schon vor dem Start der Höhenwanderung gibt es Probleme. Der liebe Verstorbene hat sich gerade erst von seiner bisherigen Ehefrau Corinna (Juliane Köhler) scheiden lassen, um die 20 Jahre jüngere Alexa (Anna Unterberger) zu heiraten. Wie soll man damit umgehen, wo sich doch beide spinnefeind sind? Aber das ist nur der Anfang.

Männer erweisen sich in „Eine harte Tour“ als Jammerlappen

Regisseurin Isabel Kleefeld wagt sich tatsächlich weit hinein in das Liebesleben der Vierziger. Als die Gruppe ihren ersten Halt macht und es allmählich feucht-fröhlich wird, knallt es gefährlich zwischen den Paaren. Alexa, irgendwie dann doch mit dabei, fühlt sich ausgegrenzt und schlägt mit all dem zurück, was ihr Mann ihr anvertraut hat.

Dass beispielsweise Daniela (Victoria Mayer) Sex mit Clemens hatte und dabei ganz bestimmte Praktiken bevorzugte. Ihr Mann ist von dieser Enthüllung ebenso wenig erbaut wie Ulrike (Anna Schudt), deren Mann Jonas herausposaunt, dass er dem Freund Clemens zur Scheidung und zur jungen Gattin geraten habe.

Und während Kameramann Martin Langer eindrucksvoll Berglandschaften und gigantische Felsmassive abtastet, geht der Kleinkrieg in der Gruppe weiter. Die Männer erweisen sich im Besonderen als Jammerlappen. Ob das nun Dominik (Moritz Führmann) ist, der sich von seiner fremdgehenden Ehefrau einen Langweiler nennen lassen muss. Oder Jonas, den seine Frau nach ihrer Operation offenbar sexuell völlig abgemeldet hat. Ronny (Roeland Wiesnekker) wiederum kann die Tränen nach dem Alkohol kaum verbergen, weil Clemens ihm immer wieder mit Geld aus der Patsche geholfen hatte.

„Eine harte Tour“: Am Ende passt nichts mehr zusammen

Und die Frauen? Die hocken mit ihren 40-plus-Jahren in der Sauna und empfinden es als pure Provokation, wenn die nackte Alexa plötzlich auftaucht, um ihren jugendhaften Körper zur Schau zu stellen.

Man hat schon oft Filme mit ähnlichen Scharmützeln gesehen, aber wohl kaum einen mit derart schamlosen Abrechnungen. Umso enttäuschter ist vermutlich der Zuschauer am Schluss, wenn plötzlich so gar nichts mehr zusammen­passen will. Als habe man plötzlich einfach keine Lust mehr gehabt beim Ausdenken der Geschichte. Schade.

•„Eine harte Tour“: Das Erste, Mittwoch, 26. Februar 2020, 20.15 Uhr

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