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„Zum Glück gibt’s Schreiner“ ist eine sympathische Komödie

| Lesedauer: 4 Minuten
Tilmann P. Gangloff
Sie finden in „Zum Glück gibt’s Schreiner“ zusammen: Katharina (Henriette Richter-Röhl) macht dem Schreinermeister Mike (Jochen Matschke) zunächst jedoch nur Ansagen, was zu tun ist.

Sie finden in „Zum Glück gibt’s Schreiner“ zusammen: Katharina (Henriette Richter-Röhl) macht dem Schreinermeister Mike (Jochen Matschke) zunächst jedoch nur Ansagen, was zu tun ist.

Foto: Hendrik Heiden / ARD Degeto/Hendrik Heiden

Das „Herzkino“ in der ARD liefert mit „Zum Glück gibt’s Schreiner“ eine sehr launige Romanze, die viele aktuelle Themen verarbeitet.

Essen. Es gibt keine Sonnenuntergänge überm Meer, aber ansonsten könnte dieser scheinbar versehentlich auf den Samstag gerutschte ARD-Freitagsfilm auch eine „Herzkino“-Romanze sonntags im ZDF sein; und das muss trotz des nicht ganz unbegründeten Vorurteils gegenüber „Rosamunde Pilcher“ und „Inga Lindström“ keineswegs gegen den Film sprechen. „Zum Glück gibt’s Schreiner“ orientiert sich dramaturgisch an den Rahmenbedingungen der romantischen Komödie, entpuppt sich jedoch als hochaktuelle Geschichte über das Zeitgeistphänomen „Downdating“: Weil sich viele Männer in der Beziehung mit erfolgreichen und entsprechend einkommensstarken Frauen schwertun, suchen die sich ihre Partner unterhalb der eigenen Karrierestufe.

Romanautorin Annette Lies hat aus dem von Michael Kenda bearbeiteten Drehbuch allerdings keine Fallstudie gemacht. Die Romanze beginnt ohnehin ganz anders. Katharina Kopf (Henriette Richter-Röhl), Anwältin mit Spezialgebiet Insolvenzrecht und rund um die Uhr auf den Beruf fixiert, muss eine Woche Zwangsurlaub nehmen: Ihre verwitwete Mutter Johanna (Thekla Carola Wied) hat sich bei einem Sturz das Handgelenk gebrochen.

„Zum Glück gibt’s Schreiner“ lebt auch von starken Dialogen

Die beiden Frauen haben kaum Kontakt, und das soll auch so bleiben, findet Katharina, weshalb sie das Elternhaus gegen den Willen der zwar noch rüstigen, aber auch von Arthrose bedrohten Mutter seniorengerecht umbauen lassen will. Johanna wohnt in einem Münchner Vorortvorort, die Auswahl an Handwerkern ist ohnehin nicht groß. Trotzdem ist Katharina einigermaßen verblüfft, dass sie den als Erstbesten ausgewählten Mike Müller (Jochen Matschke) bereits kennt: Das spätere Liebespaar, das sich fortan den genretypischen Schlagabtausch liefert, ist sich bereits ein paar Mal über den Weg laufen, und diese Begegnungen waren der gegenseitigen Sympathie nicht gerade förderlich.

Lies ist durch ihren Flugbegleitungsroman „Saftschubse“ bekannt geworden, Kenda hat unter anderem die sehenswerte Episode „Kwai – Familienbande“ aus der ZDF-Reihe „Fluss des Lebens“ geschrieben. Ihr Drehbuch lebt vor allem von den Dialogduellen zwischen Katharina und Mike, die in völlig unterschiedlichen Welten leben.

Jochen Matschke ist eine echte Entdeckung

Während die Souveränität, mit der Henriette Richter-Röhl die Karriereanwältin verkörpert, nicht weiter überrascht, ist Jochen Matschke eine echte Entdeckung. Der Schauspieler ist beileibe kein Anfänger mehr, hat bislang aber vor allem Episodenrollen gespielt. Das Drehbuch liefert ihm zwar perfektes Material, doch er erweckt die bodenständige Figur auf genau die richtige Art zum Leben: einerseits mit großer Entspanntheit, andererseits mit dem nötigen Biss, um Mikes schlagfertige Konter spontan wirken zu lassen.

Weil Johanna gleichfalls Gefallen an dem jungen Mann und seinen handwerklichen Fähigkeiten findet, wird aus dem Umbau eine größere Sache, zumal Schreiner Mike auch schöne Möbel entwirft. Außerdem offenbart er weitere Talente: Als sich die in den Dingen des Alltags eher ungelenke Anwältin um ihre beiden Nichten kümmern muss, macht Mike den Mädchen Pfannkuchen; sein Kaffee ist ebenfalls klasse.

Der unvermeidliche Beziehungsrückschlag erfolgt, als das Paar ein Wochenende in München verbringt und Katharina krampfhaft versucht, den Mann an ihrer Seite als Möbeldesigner zu verkaufen; eine Dünkelhaftigkeit, über sich die Mike selbstredend empört.

Kleine Überraschungen helfen über Längen hinweg

Regie führte Neelesha Barthel, deren Debüt die sehenswerte deutsch-indische Multikulti-Kinokomödie „Marry Me!“ (2015) war. Gemessen an der Originalität dieses mit vielen überraschenden Zutaten gewürzten Films war ihre ZDF-Komödie „Ein schrecklich reiches Paar“ (2017) bloß guter Fernsehdurchschnitt. Die Arbeit mit den Schauspielern ist allerdings ausgezeichnet.

Davon abgesehen erfreut der Film immer wieder durch kleine Überraschungen. Neben dem Downdating-Thema verarbeitet das Drehbuch zudem auch den Generationenkonflikt: Johanna hat nur wenig Verständnis für den Lebenswandel ihrer Tochter, die nicht mal kochen kann, worüber sich auch die Nichten wundern; für Katharina stammt dieses Weltbild aus den Fünfzigern. Davon abgesehen ist es zur Abwechslung mal sehr angenehm, dass eine Frau in ihr Heimatdorf zurückkehrt und sich nicht wieder aufs Neue in ihre Jugendliebe verliebt.

• Samstag, 1. Februar, 20.15 Uhr, ARD: „Zum Glück gibt’s Schreiner“

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