ARD

„Polizeiruf 110“ – missglückter Krimi mit starken Ermittlern

„Gehen Sie mal nach Hause“: Sascha Bukow (Charly Hübner) macht sich Sorgen um seine Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau).

„Gehen Sie mal nach Hause“: Sascha Bukow (Charly Hübner) macht sich Sorgen um seine Kollegin Katrin König (Anneke Kim Sarnau).

Foto: Christine Schroeder / NDR/Christine Schroeder

Der „Polizeiruf 110“ aus Rostock lohnt sich fast immer. Doch die heutige Folge „Söhne Rostocks“ ist misslungen. Das sind die Gründe.

Rostock. Die nagelneu glänzenden Schuhe fallen natürlich auf, wenn man ansonsten schlunzige Windjacken mit ausgebeulten Hosen kombiniert. „Wegen Ihnen, hab’ ja sonst niemanden“, sagt der alte Straßenköter Bukow zu seiner Kollegin König und guckt verlegen auf den Boden wie ein Pennäler vor dem ersten Date.

Es ist einer dieser Augenblicke, für die man diesen Rostocker Polizeiruf so liebt.

Keinem deutschen Fernsehkrimi gelingt es überzeugender, das Privatleben seiner beiden Ermittler unaufdringlich mit kleinen Momentaufnahmen einzubetten. Das gilt auch für die Folge „Söhne Rostocks“ (Sonntag, 19. Januar 2020, 20.15 Uhr).

Die Leiche fällt ihm regelrecht in die Arme

Selbst wer das nun über die letzten Jahre verpasst hat, bleibt indes nicht außen vor: Es lockt ja jenseits des Persönlichen immer ein abgeschlossener Krimi, der in aller Regel zum besten zählt, was der deutsche Sonntagabend um Viertel nach acht für sein Publikum bereithält. Und mit dem brummbärigen Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau als verschlossenem Gegenpol präsentiert der NDR das auch darstellerisch stärkste Polizei-Duo.

Bukow hat sich längst in die so unnahbar erscheinende Kollegin verguckt, seine Ehe ist ja in die Brüche gegangen, und nun taumelt er glückselig mit der Weinflasche am Ufer entlang, ehe die Arbeit ihn einholt. Diesmal fällt ihm die obligatorische Serienleiche geradezu in die Arme. Der Hausbesitzer Michael Norden nebenan flüchtet und taucht unter.

Der Jungunternehmer, den Darsteller Tilman Strauß irritierend klischeehaft als breitbeinigen Kotzbrocken anlegt, hat Angst, dass die Leiche ein Warnsignal an ihn sein soll: Der Tote ist ein alter Schulfreund. Norden hat sich verzockt, irgendwer will offenbar sein Geld zurück.

Markus Buschs Drehbuch folgt diesem Norden bei seinem verzweifelten Versuch, Millionen bei seinem alten Mentor (Germain Wagner) aufzutreiben. Allerdings kommt er im Verlauf des Films und seiner Flucht durch die Stadt so arg und schnell herunter, dass man staunt: Verdreckt und mit Platzwunden im Gesicht sieht er bald aus wie ein Obdachloser und wankt durch die Welt – das ist denn doch ein bisschen zu dicke.

Sonst ist der „Polizeiruf 110“ aus Rostock besser

Derweil stoßen Bukow und König bei ihren diesmal zäh wirkenden Ermittlungen auf Nordens frustrierte Ex-Freundin (Katharina Behrens) und ihren noch frustrierteren Sohn (Oskar Belton). Der wird später erfahren, dass Norden sein Erzeuger ist und ihn suchen. Merkwürdig, wie wenig Spannung Regisseur Christian von Castelberg daraus zieht und das Finale dafür unglaubwürdig zuspitzt. Kameramann Martin Farkas liefert zuverlässiges Schmuddelgrau in seinen Ostseebildern, aber der Sog, den der Rostocker Polizeiruf sonst entfaltet, bleibt aus.

Dass der früher stets absturzgefährdete Bukow nun zum Krankenpfleger für König wird, die von Gespenstern der Vergangenheit heimgesucht wird, tröstet nur ein bisschen über den eher missglückten Krimi hinweg. „Und vielleicht auch mal duschen?“ ruft er ihr hinterher, als er die völlig überarbeitete Frau nach Hause schickt. Einer wie Bukow hat eben seinen eigenen Code für Liebeserklärungen.