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Iran-Krise: Sigmar Gabriel wütet bei „Illner“ gegen Trump

Maybrit Illner im Gespärch mit Sigmar Gabriel.

Maybrit Illner im Gespärch mit Sigmar Gabriel.

Foto: Screenshot / ARD

Bei „Illner” sahen die Gäste nach der Eskalation zwischen dem Iran und den USA Deutschland in der Pflicht. Gabriel echauffierte sich.

Berlin. Bei „Maybrit Illner“ ging es am Donnerstagabend um die größte internationale Krisensituation seit langer Zeit: Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran nach der Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani.

Die Angst vor einer weiteren Eskalationsdynamik ist groß. „USA gegen Iran – ist ein Krieg noch zu verhindern?“, lautete die Frage der Sendung am Donnerstagabend. Die diffuse Antwort: Es wird kompliziert.

In der Debatte ging es vor allem darum, wie alle beteiligten Akteure – und dazu zählt auch Deutschland – nun reagieren könnten oder müssten, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Es wurde deutlich, welchen unmittelbar dramatischen Einfluss die Eskalation sowohl international, aber auch für die widerstreitenden Bevölkerungen in der Region hat.

Doch zwischendurch wollte es sich Sigmar Gabriel nicht nehmen lassen, gegen den US-Präsidenten zu wüten.

„Maybrit Illner“ – das waren die Gäste am Donnerstagabend:

  • Sigmar Gabriel (SPD), ehemaliger Bundesaußenminister, seit Juni 2019 Vorsitzender der „Atlantik-Brücke“
  • Daniel Gerlach, Nahost-Experte, „Zenith“-Chefredakteur
  • Düzen Tekkal, Kriegsberichterstatterin und Menschenrechtsaktivistin
  • Ulrike Becker, Historikerin, Leiterin und Mitbegründerin des Mideast Freedom Forum Berlin (MFFB)
  • Elmar Theveßen, ZDF-Studioleiter Washington

Gabriel hält die Tötung des iranischen Kriegstreibers Soleimani besonders vor dem Hintergrund des ohnehin schon nahezu gescheiterten Atom-Abkommens mit dem Iran für fatal. Hinzu kommt: Wieder einmal war es ein Alleingang der USA. „Die USA unter Donald Trump nehmen keine Rücksicht mehr auf Verbündete“, echauffierte sich Gabriel. Seine einzige Hoffnung: Ein Neustart der US-Außenpolitik nach der nächsten Wahl – ohne Trump.

Iran-Konflikt mit USA bei Illner: Die Stunde Europas?

Doch soll Europa so lange warten, bis es vielleicht einen neuen US-Präsidenten gibt? Zumindest Großbritannien, Frankreich und Deutschland, die – im Unterschied zu den USA – am Atom-Abkommen mit dem Iran festhalten, könnten sich nun einschalten.

„Es ist der Punkt gekommen, an dem Europa etwas machen muss“, forderte Gabriel. Auch Trump sei schließlich nicht unglücklich, wenn sich nun andere einbringen – der US-Präsident wolle ja am liebsten alle US-Soldaten aus dem Nahen Osten abziehen. Die Nato rügt Iran scharf – die EU hält sich zurück.

Der Journalist Elmar Thevesen ist skeptisch, ob Europa das hinbekommt: „Von einer gemeinsamen europäischen Strategie ist bisher nichts zu hören.“ Dabei wären Frankreich, Großbritannien und Deutschland in der Lage, über das Atom-Abkommen für Deeskalation zu sorgen und es damit auch ohne die USA am Leben zu halten.

Das Abkommen war schließlich der erste Moment einer Annäherung: „Es war nach Jahrzehnten der Feindschaft eine echte Chance auf einen Neuanfang“, bekräftigte Thevesen. Und es hatte bis zum Rückzug des USA aus dem Abkommen und trotz aller Verstöße des Iran Potential gehabt, langfristig zu halten.

Debatte um die Iran-Krise: Die größte Einsicht des Abends

Zwar sind die Reaktionen auf dem internationalen Parkett von Bedeutung, doch was ist eigentlich mit der Bevölkerung vor Ort? „Wir sollten viel mehr schauen, was die Leute vor Ort denken“, forderte die Nahost-Expertin Ulrike Becker.

In Syrien und im Irak sei es nach der Tötung zu spontanen Freudenreaktionen gekommen. Gleichzeitig, warf Sigmar Gabriel ein, seien dadurch aber auch die Protestbewegungen gegen den iranischen Einfluss im Irak im Keim erstickt worden. Gleiches gilt für die Regimekritiker im Iran.

Dabei reicht es bereits, auch in Deutschland aufmerksam zu schauen, wie die Reaktionen bisher sind: In Hamburg und Berlin wurde in Moscheen dem Tod von Soleimani gedacht, es kam aber auch zu Gegenkundgebungen. „Diese Dissonanz müssen wir erstmal lernen“, forderte die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal. Erstmals seien Konflikte des Nahen Ostens nun nicht mehr nur dort zu spüren, sondern auch hier.

„Maybrit Illner“: Das Fazit

Die Sendung ließ den Zuschauer mit vielen Fragezeichen zurück. Die Wirkung der Eskalation in den vergangenen Tagen reichen, wie von den Gästen analysiert, bis nach Europa, nach Russland, sogar bis nach Nordkorea. „Es ist kompliziert“, fasste es Illner zwischendurch selbst zusammen.

Einfache Antworten gibt es nicht, das wurde auch durch die teils kontroversen Standpunkte der Gäste deutlich. Doch eben das war auch die große Erkenntnis, die die Sendung bereithielt. Gelingen konnte das auch nicht zuletzt deshalb, weil sich Maybrit Illner Gäste geladen hatten, die wirkliche Expertise einbringen konnten. Das wünscht man sich häufiger.

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