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Promi-Manager: „Keiner im Dschungelcamp muss einem leidtun“

Dschungelcamp 2020: Julian F. M. Stoeckel bewertet die Kandidaten

Im großen Kakerlaken-Test stellt der ehemalige IBES-Teilnehmer Julian F. M. Stoeckel die Kandidaten des Dschungelcamps 2020 vor.

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Ramón Wagner hat schon mehrere Promis ins Dschungelcamp gebracht. Mit uns hat er über das Kandidaten-Karussell im Trash-TV gesprochen.

Berlin.  Ramón Wagner hat eines seiner Hobbys zum Beruf gemacht. „Ich liebe Trash“, sagt der Berliner – und daher scheint er hochzufrieden damit, dass das Dschungelcamp (ab 10. Januar bei RTL) für ihn nicht einfach nur leichte Fernseh-Unterhaltung ist, sondern auch Teil seines Berufs.

Der Promi-Manager hat nach Micaela Schäfer (2012) und Tatjana Gsell (2018) nun auch Anastasiya Avilova auf die Kandidatenliste gebracht. Mit „Nacktschnecke“ Micaela Schäfer arbeitet er bis heute erfolgreich zusammen.

Und als YouTuber oder wie zuletzt als Coach von „Switzerland’s next Topmodel“ trifft er regelmäßig mehr oder weniger bekannte Menschen, die um Sendezeit in mehr oder weniger bekannten Fernsehshows kämpfen. Mit uns hat er über das bevorstehende Dschungelcamp und den immer größer werdenden Trash-TV-Zirkus gesprochen.

Wie viel kann man als Dschungelcamper verdienen?

Wagner: Ich kenne natürlich nicht die Rechnung von RTL oder den kleinsten Satz. Aber ich denke, es könnten für einige um die 30.000 Euro sein, für andere aber auch bis zu 150.000 Euro. Es kommt immer darauf an, welchen Wert ein Promi für die Show hat. Und der Wert wird nicht unbedingt nur durch große Bekanntheit bemessen, sondern auch, wie gut vielleicht jemand in die Besetzung passt. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass Elena Miras ein relativ großzügiges Angebot erhalten hat.

Elena Miras, die man schon aus „Love Island“ und „Sommerhaus der Stars“ kennt. Gibt es keine richtigen Promis mehr, die ins Dschungelcamp gehen wollen?

Ramón Wagner: Man sagt das immer, aber wenn man ganz ehrlich ist, war das schon immer so. Natürlich gibt es bei einigen Kandidaten schon Unterschiede, was den Bekanntheitsgrad angeht. Aber ich glaube auch, dass es für das Format eigentlich egal ist und dass eher unbekannte Kandidaten sogar besser fürs Entertainment sind. Leute mit großem Namen sind tendenziell eher zurückhaltend und wollen sich nicht verheizen.

Dschungelcamp 2020: Julian F. M. Stoeckel über Elena Miras
Dschungelcamp 2020- Julian F. M. Stoeckel über Elena Miras

Ist das vielleicht eine Lehre der letzten Jahre im Trash-TV – dass es auch ohne große Namen funktioniert?

Wagner: Ich kenne die internen Wunschvorstellungen von RTL nicht, aber es ist natürlich unglaublich schwierig geworden, geeignete Kandidaten zu finden, weil es so viele Shows gibt. Man will ja auch jemanden casten, der noch nicht überall war. Mich als Zuschauer schreckt es ab, wenn eine Sendung angekündigt wird mit Kandidaten, die ich alle gerade erst in einer anderen Show gesehen habe. Man weiß schon, wie die funktionieren. Man muss etwas Neues bieten. Und gerade das gelingt dem Dschungel eigentlich immer ganz gut.

Wo wir wieder bei Elena Miras wären.

Wagner: Sie ist, was das angeht, sicher eine Ausnahme in diesem Dschungel-Jahrgang, aber auf die freue ich mich trotzdem besonders. Die sorgt für Stimmung. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass es zwischen ihr und Danni Büchner knallt. Und das wiederum ist gut fürs Entertainment. Wir dürfen auch nicht vergessen: Die Leute gucken es ja – egal, wer da kommt. Letztendlich ist die Show der Star und nicht die Leute.

Ist das Dschungelcamp denn noch der „Star“ im Trash-TV?

Wagner: Natürlich gibt es bei manchen Zuschauern schon so etwas wie Ermüdungserscheinungen. Man hat vieles schon gesehen, man weiß, wie es da drin abläuft. Aber es gibt ja doch immer neue Konstellationen unter den Kandidaten, es passiert immer etwas Zwischenmenschliches, und genau das ist das Spannende. Die Prüfungen interessieren mich persönlich überhaupt nicht. Aber die Zwischenmenschlichkeiten, die sich entwickeln, die sind jedes Mal spannend. Und auf der anderen Seite: Für die Kandidaten ist es ganz klar immer noch die Show mit der größten Reichweite und den besten Gagen.

Kann Trash-TV-Kandidat mittlerweile ein Beruf sein?

Wagner: Wenn man es nur auf TV-Auftritte absieht, dann nicht. Man verdient natürlich kurzfristig gutes Geld, aber irgendwann gehen einem die Shows aus. Der Markt ist außerdem ziemlich übersättigt. Es werden ständig neue Leute aus irgendwelchen Shows auf den Markt geworfen. Da kann man sich nicht nach einer Show zurücklehnen und meinen, man wird jetzt A-Promi und darf zur Bambi-Gala. Das Dschungelcamp kann ein Sprungbrett sein. Die Frage ist: Was kommt danach?

Den Plan, den sie mit Micaela Schäfer verfolgt haben, scheint ja gut funktioniert zu haben. Ihr Auftritt im Dschungelcamp liegt schon acht Jahre zurück und sie ist immer noch nicht in der Versenkung verschwunden. Woran liegt das?

Wagner: Wir haben über den TV-Auftritt hinaus geplant, ihr Terminkalender war direkt nach der Show wieder voll. Wir haben Club-Auftritte organisiert, Micaela hat als DJane gearbeitet, weitere Fernsehauftritte gehabt. Man muss wissen, wie man die sozialen Medien nutzt. Und ich glaube, man muss eine klare Linie fahren, irgendetwas haben, für das man steht. Bei Micaela ist das ihre Freizügigkeit, das ist kein aufgezwungenes Konzept, sie war schon immer so, da muss sie sich nicht verstellen. Wenn einer überall nur mitschwimmt und für nichts steht, dann wird es nichts. Und wenn einer nur eine Rolle spielt, dann geht es auch nach hinten los.

Und wenn ich immerhin die schlimmste Nervensäge bin?

Wagner: Dann ist das sicher gut fürs Entertainment und auch gut für die Sendezeit, die Sie bekommen. Aber eine Karriere lässt sich auf so einem Image eher nicht aufbauen. Kein Unternehmen möchte mit jemandem arbeiten, der so behaftet ist.

Was sind denn ansonsten die Fehler, die Möchtegern-Promis aus dem Trash-TV machen?

Wagner: Es gibt die, die völlig planlos an eine Show rangehen und danach überhaupt nicht wissen, wie sie die Aufmerksamkeit steuern sollen. Und es gibt auch die, die mit viel zu großen Erwartungen ankommen und nachher enttäuscht sind. Man hat bei vielen Shows ja gar keinen Einfluss, wie viel Sendezeit man bekommt, welche Geschichten dazu erzählt werden, wie man letztendlich rüberkommt. Das ist alles nicht so einfach. Aber ich glaube, manchen reicht diese kurzfristige Bekanntheit auch, nicht alle wollen ein großes Business daraus machen.

Aber wer sagt, er gehe nicht wegen des Geldes ins Camp, ist ein Lügner, oder?

Wagner: Natürlich gehen sie wegen des Geldes ins Camp. Wer was anderes sagt, lügt sich etwas in die Tasche. Aber ich finde das auch völlig okay. Zu sagen, ich bin gerade etwas blank und mache deswegen bei einer Show mit, das finde ich in Ordnung. Ich könnte mich ja auch in die soziale Hängematte legen und Hartz IV beantragen. Aber da gehe ich doch lieber da rein, nehme das Geld mit und gucke, ob sich danach vielleicht noch was anderes entwickelt.

Aber bei einigen Kandidaten wirkt es ja schon wie das Eingeständnis, dass die eigentliche Karriere gescheitert ist. Tun Ihnen diese Leute nicht manchmal auch leid?

Wagner: Ich habe vor dieser Staffel zum Beispiel mehrmals gehört, dass Leute sehr überrascht davon waren, dass Sonja Kirchberger dabei ist. Und natürlich wird sie das nicht ohne Grund tun. Aber die Kandidaten verdienen gutes Geld damit – mehr, als viele andere in der Zeit mit normaler Arbeit verdienen. Klar habe ich manchmal auch gedacht, dass das bei dem einen oder anderen schon krass ist, dass er in so eine Show geht. Aber keiner im Camp muss einem leidtun.

(br)

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