TV-Tipp

ARD-Doku über Aldi-Brüder gewährt kaum neue Einblicke

Foto: WDR/Kai Schulz

Das Doku-Drama „Die Aldi-Brüder“ zeigt, wie die Albrechts zwei Handelsimperien schufen. Im Fokus ist die Entführung von Theo Albrecht.

Essen.  Sie haben Deutschlands größten Discounter geschaffen und zählen gleichsam zu den geheimnisvollsten Unternehmerfamilien: Karl und Theo Albrecht. Im Doku-Drama „Die Aldi-Brüder“ erzählt der WDR, wie die Albrechts aus dem kleinen Lebensmittelladen der Mutter in Essen zwei Handelsimperien schufen.

Mit Spannung erwartete Einblicke in das Leben der beiden öffentlichkeitsscheuen Brüder liefert der Film allerdings nicht.

Im Mittelpunkt steht die spektakuläre Entführung von Theo Albrecht (Arnd Klawitter). Am späten Abend des 29. November 1971 lauern der Rechtsanwalt Heinz Joachim Ollenburg (Peter Kurth), den hohe Spielschulden plagen, und der vorbestrafte Tresorknacker Paul Kron (Ronald Kukulies), genannt „Diamanten-Paule“, Albrecht auf dem Parkplatz der damaligen Zentrale von Aldi Nord in Herten auf. In seinem eigenen Mercedes bringen sie den Unternehmer in Ollenburgs Düsseldorfer Kanzlei, wo sie ihn 17 Tage lang festhalten.

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Gemixt mit Zeitzeugen-Interviews

Aus dem Versteck heraus gibt es immer wieder filmische Rückblenden und Einspielungen von Zeitzeugen. Unter ihnen der Richter, der den Entführern nach der Lösegeld-Übergabe den Prozess machte und Walter Vieth, der als Geschäftsführer 1961 den ersten Aldi-Laden in Essen eröffnete. Vieth vertritt die These, dass der „Aldi-Diskont wirklich als Arme-Leute-Laden entstanden“ sei.

Denn im Ruhrgebiet der späten 50er-Jahre können die Krämergeschäfte der Albrechts mit den riesigen Warensortimenten der aufkommenden Supermärkte nicht mehr mithalten. Gemüse bleibt liegen, die Brüder müssen es wegwerfen.

Diese Verschwendung passt überhaupt nicht zum Sparwahn der Familie. Es ist vor allem der ältere Karl Albrecht (Christoph Bach), der das Aldi-Prinzip „Gute Produkte zum besten Preis“ entwickelt und ein überschaubares Sortiment in spärlich eingerichteten Läden aus Kartons heraus verkauft. „Wir waren selbst überrascht, dass die Kunden das annahmen“, sagt Vieth im Film.

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Die Ruhr wird zum „Aldi-Äquator“

So erfolgreich sich die Geschäfte auch entwickeln: Bereits 1961 gehen die Brüder beruflich getrennte Wege. Die Ruhr wird zum „Aldi-Äquator“. Karl gründet Aldi Süd, Theo Aldi Nord. Die wahren Gründe für die Spaltung klärt auch das Doku-Drama nicht auf.

Im Film beschließen die gläubigen Albrechts die Aufteilung ihres Reichs vor der Tür einer Kirche in Essen. Die weit verbreitete Spekulation, dass sich die Brüder bei der Frage überwarfen, ob sie – wie von Karl geplant – Zigaretten verkaufen sollten, spielt in dem Film keine Rolle.

Die Familienbande leiden unter der Spaltung indes nicht. Karl ist der erste, den Theos Ehefrau Cilly (Adina Vetter) nach der Entführung anruft und um Hilfe bittet. Karl bringt die Hälfte des von den Kidnappern geforderten Lösegelds in Höhe von sieben Millionen auf.

Ruhrbischof Franz Hengsbach übergibt die Summe, Theo Albrecht kommt frei. Kurz vor Weihnachten treffen sich die Brüder im Gottesdienst. „Karl, ich habe Angst. Ich kann nicht mehr schlafen“, vertraut er sich seinem Bruder an. Die Entführer werden später verurteilt. Das Lösegeld ist bis heute unauffindbar.

Fazit: Kaum neue Einblicke in das geheimnisvolle Leben der verstorbenen Brüder. Original-Schauplätze werden nur spärlich erklärt. Spannend erzählt ist das Entführungsdrama aber allemal.

• „Die Aldi-Brüder“ – Montag, 22. Oktober 2018, um 20:15 Uhr, ARD