Schulpflicht

Ist Hausunterricht wie im „Polizeiruf 110“ erlaubt?

Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel) unterrichtet seinen Sohn Henry (Jona Eisenblätter) auf dem eigenen Bauernhof.

Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel) unterrichtet seinen Sohn Henry (Jona Eisenblätter) auf dem eigenen Bauernhof.

Foto: Oliver Feist / rbb

Die Figur von Jürgen Vogel im „Polizeiruf 110“ unterrichtet die Kinder zu Hause. Doch ist dieser Heimunterricht in Deutschland erlaubt?

Berlin.  Der „Polizeiruf 110 – Demokratie stirbt in Finsternis“ führt den Zuschauer auf einen Bauernhof in Brandenburg, auf dem der eigenwillige Lennard Kohlmorgen (Jürgen Vogel) sich allen staatlichen Behörden widersetzt – auch den Schulen.

Doch ist der Heimunterricht, den die Kinder der Figur genießen, in Deutschland überhaupt erlaubt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Dürfen Kinder in Deutschland zu Hause unterrichtet werden?

In Deutschland herrscht Schulpflicht. Das heißt, von den Kindern wird eine Anwesenheit in der Schule und eine Beschulung durch qualifizierte Lehrer verlangt. Die Eltern der Kinder müssen darauf achten, dass die Kinder auch zur Schule gehen. „Kommen die Erziehungsberechtigten dieser Pflicht nicht nach, können Bußgelder verhängt werden“, sagte Torsten Heil, Sprecher der Kultusministerkonferenz (KMK) unserer Redaktion im Jahr 2016.

Die KMK ist die Versammlung der Landesminister, die für das Thema Schule zuständig sind. Im schlimmsten Fall drohe bei Widersetzung gegen die Schulpflicht der Entzug des Sorgerechts, so Heil.

Ab welchem Alter und wie lange Schüler zur Schule gehen müssen, legen Gesetze der einzelnen Bundesländer fest.

Gibt es Ausnahmen von der Schulpflicht?

Es gibt zwar Ausnahmen von der Schulpflicht, jedoch gelten diese meist nur zeitweise. So können Kinder beispielsweise bei schweren Krankheiten länger der Schule fernbleiben. Die meisten Landesgesetze sehen auch Ausnahmen vor, wenn Kinder nicht „beschulbar“ sind.

Das kann der Fall sein, wenn Schüler dauerhaft andere Kinder angreifen oder in anderer Weise verhaltensauffällig sind. Doch die Gesetze sehen auch vor, dass die Kinder dann in anderen Einrichtungen betreut werden, die zum Teil auch schulische Aufgaben übernehmen.

Mit 96 Jahren die Schulbank drücken
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Wie kann es sein, dass trotzdem viele Kinder nicht in die Schule gehen?

In Deutschland gibt es – je nach Erhebung – mehrere Hunderte Kinder, die so genannte Freilerner sind und zu Hause unterrichtet werden. Die Eltern lassen sich teils abenteuerliche Möglichkeiten einfallen, um die Kinder im Eigenheim lernen zu lassen. Einige verlegen ihren Wohnsitz in ein Land, in dem Hausunterricht erlaubt ist, andere führen jahrelange Prozesse.

Die juristischen Auseinandersetzungen gehen dann oft so lange, dass die Kinder bei einem möglichen Urteil bereits nicht mehr schulpflichtig sind.

Warum schicken Kinder ihre Eltern nicht in die Schule?

Der Soziologe Thomas Spiegler hat für eine Studie 100 Freilerner-Familien besucht. Die Erziehungsberechtigten, die er getroffen habe, hätten ganz unterschiedliche Motive genannt, sagt er. Einige glauben, selbst mehr Wissen vermitteln zu können als eine Schule. Andere vertrauen staatlichen Organisationen nicht, wieder anderen passt das Schulsystem nicht in ihr eigenes Wertesystem.