ARD-Talk

„Maischberger“: Neue Regierung und jetzt schon müde?

Diese Gäste bestritten die Sendung von „Maischberger“ mit dem Titel „Merkel, die Vierte: Große Koalition für die kleinen Leute?“

Diese Gäste bestritten die Sendung von „Maischberger“ mit dem Titel „Merkel, die Vierte: Große Koalition für die kleinen Leute?“

Foto: WDR/Max Kohr

Am Abend der Kanzlerinnenwahl spricht Maischberger über die vierte Amtszeit von Merkel. Klar ist: Leicht wird es nicht.

Angela Merkel hat es wieder einmal geschafft: Der Bundestag hat sie am Mittwoch zum vierten Mal zur Bundeskanzlerin gewählt. Damit enden dramatische Monate, in denen seit der Bundestagswahl im September lange Zeit nicht klar war, wann es eine neue Bundesregierung geben würde – und ob Merkel die Angelegenheit überstehen würde.

Berlin. Doch wie wird die mit so viel Mühe zustande gekommene große Koalition nun regieren? Dieser Frage ging am Mittwochabend auch Sandra Maischberger nach.

Die Jungen sehen Probleme

In einer Hinsicht war sich die Runde schnell einig: Die neue Regierung wird es nicht leicht haben. Das zeigte sich schon daran, dass Merkel bei der Kanzlerinnenwahl im Bundestag 35 Stimmen weniger erhielt, als Union und SPD theoretisch gemeinsam haben. „Das ist ein klares Zeichen, dass es die große Koalition nicht so leicht haben wird wie die letzte“, sagte der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak.

Ähnlich schätzte das sein Amtskollege bei den Sozialdemokraten ein. „Diese Koalition wird es schwer haben“, sagte Juso-Chef Kevin Kühnert. Die Frage, ob seine Partei fortan Oppositionsarbeit in der Regierung betreiben werde, verneinte er aber. Zugleich machte Kühnert auch klar, dass die SPD auf ein eigenständiges Profil achten werde.

Neue Bundesregierung im Amt - fast sechs Monate nach der Wahl
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Wie wirkt die Kanzlerin?

Für Merkel wird es in den kommenden Monaten also nicht unbedingt leichter werden. „Sie wirkt wahnsinnig müde“, sagte Ferdos Forudastan von der „Süddeutschen Zeitung“. Das sei in Anbetracht der schwierigen Regierungsbildung verständlich.

Zugleich warnte Forudastan davor, die Kanzlerin abzuschreiben. Dies sei schon häufiger passiert, zuletzt etwa auf dem Höhepunkt der Umfragen von Martin Schulz. „Und dann hat sie die Wahl doch noch mal gewonnen“, erinnerte die Journalistin.

Wofür steht die neue Regierung?

Doch auch inhaltlich wurde von der Runde eine Müdigkeit der Koalitionäre festgestellt. „Der Koalitionsvertrag bringt für einige Menschen Erleichterungen“, sagte Forudastan. Der nötige große Wurf sei aber nicht erkennbar. „Die großen Themen werden bestenfalls gestreift.“

„Ich sehe kein Ziel für das die Koalition steht“, sagte auch der Fernsehmoderator Claus Strunz. Dabei sei es eigentlich Zeit für eine Agenda 2030. Stattdessen würde die neue Bundesregierung aber auf ein Kleinklein setzen.

Flüchtlinge dürfen nicht fehlen

Natürlich kam auch dieser Talk nicht ohne einen großen Anteil für das Thema Flüchtlinge aus. Das lag an der Gesprächsführung der Gastgeberin, aber auch daran, dass mit Bernd Baumann ein AfD-Politiker in der Runde saß. Klar das Baumann bei jeder Gelegenheit versuchte, die Kurve zu den Flüchtlingen zu kriegen.

Von Maischberger wurde er dabei nicht behindert. Dafür boten ihm die anderen Gäste Paroli. „Es ist nicht vernünftig, hinter jedem Problem einen Flüchtling auszumachen“, sagte etwa die Journalistin Forudastan. „Bei Wahlen kriegen Sie nicht 80 Prozent, sondern die kriegen die Anderen“, sagte die Grüne Katrin Göring-Eckardt an Baumann gewandt. Und Kühnert verwies darauf, dass die AfD keine Lösungen anbiete – und in ihrem Programm eine unsoziale Politik fordere.

"Ich schwöre": Minister der neuen Regierung vereidigt
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Das Fazit

Das Thema dieser Ausgabe von „Maischberger“ war zeitlich gut gelegt. Am Abend nach der Kanzlerinnenwahl über die neue Regierung sprechen zu können, ist eigentlich ideal. Allein, die Debatte franste stark aus: Die Äußerungen von Jens Spahn, die Bundestagsrede von Cem Özdemir gegen die AfD und die Frage, wer eigentlich Deutscher ist – all das passte nicht so recht zum eigentlichen Thema der Sendung.

Immerhin: Ab und an gab es trotzdem erhellende Momente. Etwa als Strunz an Baumann gerichtet eine simple aber doch bestechende Definition von Deutschsein abgab: „Ein deutscher Pass und die Befolgung des Grundgesetzes macht einen zum Deutschen. Das Aussehen ist völlig wumpe.“

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