ZDF-Sendung

„Aktenzeichen XY“ – Die miesen Maschen der Betrüger

"Aktenzeichen XY... ungelöst"-Moderator Rudi Cerne.

"Aktenzeichen XY... ungelöst"-Moderator Rudi Cerne.

Foto: Georg Wendt / dpa

Mit alltäglichem Betrug befasste sich „Aktenzeichen XY“ am Mittwochabend – und gab simple Tipps zum Schutz.

Berlin.  Fast 900.00 Betrugsfälle wurden im vergangenen Jahr in Deutschland angezeigt. Die Beute reicht von einigen hundert Euro bis in die Zehntausende. Die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ widmete sich am Mittwochabend mit einer Sondersendung zu ihrem 50-jährigen Jubiläum den miesen Maschen der Täter. Denn es hilft dabei ihre Dreistigkeit – und die Gutgläubigkeit ihrer Opfer.

Die Tricks sind vielfältig. Da ist die Geschäftsfrau, die ihr Feriendomizil in den Bergen verkaufen will und im Internet anbietet. Ein vermeintlich solventer Interessent macht ihr zusätzlich zum Hauskauf ein angeblich lukratives Devisentauschgeschäft schmackhaft und lockt die Hausbesitzerin mit 75.000 Schweizer Franken in bar ins Ausland. Dort schnappt er sich das Geld und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Der Fall, geschildert in einem nachgespielten Film bei „Aktenzeichen XY“, macht ratlos: Da will jemand sein Haus eigentlich verkaufen – und dann reist er selbst mit einer Tasche voll Bargeld von Deutschland nach Mailand. Man fragt sich im Laufe des Films unwillkürlich: Wieso merken die Leute bloß nicht, dass sie hereingelegt werden? Doch es ist kein Einzelfall.

Das Geschäft mit der Gutgläubigkeit blüht

Mehr als 150 solcher Fälle hat die Kriminalpolizei in Deutschland ermittelt. Die Dunkelziffer dürfte enorm sein. Experten gehen von einem Gesamtschaden von bis zu 100 Millionen Euro aus. „Da sind sehr viele Leute mit einem Koffer voll Geld nach Italien gefahren“, sagt Helge Maletz von der Kripo Osnabrück, die in diesen Fällen ermittelt. Dort wurde ihnen dann das Geld gestohlen, oder es wurde gegen wertloses Falschgeld „getauscht“.

Das kriminelle Geschäft mit der Gutgläubigkeit vieler Menschen blüht. Nicht nur mit fingiertem Devisentausch. Rudi Cerne dokumentierte bei „Aktenzeichen XY“ eine beeindruckende Palette von Betrugstricks: das im Internet gebuchte Ferienhaus, das gar nicht existiert; der vermeintliche Liebhaber im Ägyptenurlaub, der es nur aufs Geld abgesehen hat; die vermeintliche Erbschaft im Ausland, bei der man nur draufzahlt. Und der miese „Enkeltrick“, mit dem es die Täter speziell auf alte Leute abgesehen haben.

Schutzmechanismus Menschenverstand

Alles seit Jahren bekannt, und doch fallen immer wieder Menschen darauf herein. Dabei ist es relativ einfach, den Betrügern zu entgehen. Wie? „Lassen Sie den gesunden Menschenverstand walten“, mahnt Kripo-Mann Helge Maletz. Dies gelte nicht nur für die von ihm bearbeiteten fingierten Devisengeschäfte, sondern im Grunde für alle geschilderten Tricks.

Wo Zeitdruck erzeugt wird, wo die Gesprächspartner Druck aufbauen und – vor allem – wo es letztlich auf eine Geldzahlung hinausläuft, da ist höchste Vorsicht angesagt. „Aktenzeichen XY“ leistete am Mittwochabend ein beachtliches Stück Aufklärung – dafür durfte Moderator Cerne die Live-Sendung sogar eine Viertelstunde überziehen.

Starke Quote für Rudi Cerne

Mit Erfolg: Denn das ZDF lag am Mittwochabend ab 20.15 Uhr mit seinem „Aktenzeichen XY-Spezial“ klar vorn. 5,91 Millionen Zuschauer schalteten ein und sorgte mit einem Marktanteil von 20,1 Prozent für eine starke Quote. Das Drama im Ersten „So auf Erden“ sahen dagegen lediglich 1,92 Millionen (6,5 Prozent).