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Wie „Hart aber fair“ am NRW-Parteiencheck scheiterte

Lesedauer: 4 Minuten
Sasan Abdi-Herrle
Moderator Frank Plasberg in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“.

Moderator Frank Plasberg in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“.

Foto: imago stock&people / imago/Horst Galuschka

Frank Plasberg wagte am Montagabend im Ersten den Parteiencheck für NRW. Einseitige Themen, erwartbare Gäste – geglückt ist das nicht.

Berlin.  Nach dem Wahlausgang von Schleswig-Holstein kommt den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen noch größere Bedeutung zu, als es traditionell aufgrund der hohen Bevölkerungszahl ohnehin der Fall ist. Fährt nach Torsten Albig nun auch noch Hannelore Kraft ein schlechtes Ergebnis für die SPD ein, ist der sogenannte „Schulz-Zug“ wohl endgültig gestoppt. Von einer Vorentscheidung für die Bundestagswahl kann zwar keine Rede sein. Wichtige Signale und Trends werden vom Wahlgang in NRW aber sicher ausgehen.

Knapp eine Woche vor dem Wahltag widmete sich am Montagabend auch Frank Plasberg dem Thema. „Vorentscheidung im Westen: Was liefern die Parteien bei Integration, Sicherheit, Gerechtigkeit?“, lautete der Titel von „Hart aber fair“, das dieses Mal als „großer Parteiencheck“ aufgebaut war.

SPD leckt nach Wahl in Schleswig-Holstein ihre Wunden
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Auf die Migranten kommt es an

Das Konzept der Sendung war eigentlich gut. Unterteilt nach Themen hatte zu Beginn eines jeden Komplexes jeder Gast 20 Sekunden Zeit, um seine wichtigsten Punkte unterzubringen. Das führte zwar zu wenig erhellenden Situationen wie der von jedem Diskutanten nacheinander vorgetragenen Forderung nach mehr Polizei. Für einen Eindruck von der jeweiligen Parteilinie war der Ansatz aber durchaus zu gebrauchen.

Dass die Sendung trotzdem nicht funktionierte, hatte mehrere Gründe. Da war zum einen die Auswahl der Themen, die wie ein Best Of der Aufreger aus den vergangenen Monaten und Jahren anmutete – und nebenbei fast ausschließlich mit Migranten zu tun hatte. Flüchtlinge, Integration, Leitkultur, Einbrüche durch ausländische Banden, Doppelpass, Erdoğan: Kaum ein Thema, in der die Diskussion nicht auf die ein oder andere Weise auf die Herkunft von Menschen gelenkt wurde.

Linkspartei und AfD auf einer Linie

Erschwerend kam hinzu, dass diese Themen von den Gästen absolut erwartbar abgehandelt wurden. Nur wer noch einmal die gängigen Argumente zu Wohnungseinbrüchen, der Lage in deutschen Großstädten oder zur Sicherung der EU-Außengrenzen hören wollte, war hier richtig. Das lag auch daran, dass zum großen Parteien-Check nur Politiker eingeladen waren. Und Politiker geben auf die üblichen Fragen die üblichen Antworten.

Sahra Wagenknecht von der Linkspartei etwa verknüpfte jedes Thema mit der Forderung nach mehr Ausgaben. Darin stimmte sie mit dem AfD-Politiker Martin Renner überein, der sich zusätzlich weniger Fremdes in Deutschland wünschte. Johannes Vogel von der FDP forderte dagegen standesgemäß weniger Staat und mehr Unternehmertum. Gesundheitsminister Hermann Gröhe vollbrachte unterdessen immer wieder das Kunststück, die Regierungsarbeit abzüglich des SPD-Anteils zu rühmen. Und Karl Lauterbach (SPD) und Bärbel Höhn (Grüne) versuchten alles, um Nordrhein-Westfalen gegen die andauernde Kritik der Anderen gut aussehen zu lassen.

Großes Durcheinander bei den Ebenen

Nordrhein-Westfalen? Noch so eine Problemzone der Sendung: Die Ebenen gingen völlig durcheinander. Zwar ging es offiziell um das Bundesland und nicht um den Bund, faktisch aber wechselte die Diskussion ständig hin und her. So wurde etwa in einem Moment die Effizienz der Polizeiarbeit von NRW mit der von Bayern verglichen. Später ging es dann plötzlich ganz allgemein um Krankenkassenbeiträge und Umverteilung von Wohlstand.

Der bizarre Gast

Aufgebrochen wurde die Debatte immer mal wieder von AfD-Politiker Renner, der sich nicht selten Aktionen zum Fremdschämen leistete. Deutschen Politikern warf Renner ohne weitere Ausführungen vor, einen „Hass auf das Eigene“ in Deutschland zu hegen. Später versuchte er sich an einem missglückten Wortspiel mit dem Namen des Bundesinnenministers, um im nächsten Moment aus unerfindlichen Gründen lauthals zu lachen. Beim Thema Sicherheit fabulierte Renner schließlich über Omas und Opas, die demnächst die Haftanstalten belegen würden. „Sie haben wohl den Faden verloren“, kommentierte Lauterbach zwischendurch trocken.

Das Fazit

Gute Idee, mäßige Umsetzung: Diese Ausgabe von „Hart aber fair“ war richtig anstrengend. Zu den Sternstunden gehörten deshalb leider kleine Aussetzer wie der Moment, in dem Plasberg sich an Wagenknecht mit „Frau Lauterbach“ wandte und Lauterbach „um Himmelswillen“ ausrief. Das sagt dann eigentlich schon alles.

Die Ausgabe von „Hart aber fair“ finden Sie in der ARD-Mediathek.